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Saturday, July 15, 2017

6. Band des Deutschen Familiennamenatlas: Familiennamen aus Rufnamen

Namenforschung.net

Der sechste Band des Deutschen Familiennamenatlas (DFA) ist erschienen. 49 Kartenkomplexe dokumentieren Familiennamen, deren erste Namenträger nach dem Rufnamen ihres Vaters oder einer anderen Bezugsperson benannt wurden. „Der Band deckt erstmals systematisch und umfassend die räumlichen Beziehungen zwischen dem mittelalterlichen Rufnameninventar und dem Familiennamenbestand eines Landes auf“, erklärt Projektmitarbeiterin Dr. Kathrin Dräger, die Autorin des Bandes. Die Familiennamen konservieren den historischen Rufnamenschatz: Sie bieten die einzige Möglichkeit, die Verwendung der Rufnamen in der damals gesprochenen Sprache – beispielsweise Wörz statt Werner oder Jauss statt Jodocus – und nicht nur in mehr oder weniger offiziellen urkundlichen Aufzeichnungen zu rekonstruieren. „Der neu erschienene Band liefert nicht nur eine erstrangige Quelle zur Familien- und Rufnamenforschung, sondern etwa auch zur Kulturgeschichte, insbesondere zur Geschichte der gesprochenen Sprache, zur mittelalterlichen Heiligenverehrung oder zur Aneignung dynastischer Leitnamen“, sagt Dräger.

Mit Band 6 ist der DFA inhaltlich abgeschlossen. Die ersten drei Bände widmen sich grammatischen Phänomenen, und zwar der unterschiedlichen Verteilung von Vokalen (Meier, Meyer, Maier, Mayer), Konsonanten (Schmidt, Schmitt, Schmid, Schmitz) und Bildungsweisen (Linde, Lindner, Lindemann). Die drei weiteren Bände befassen sich mit der Bedeutung und Motivation der Familiennamen: Band 4 gilt den Familiennamen nach der Die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg erreicht in allen Hochschulrankings Spitzenplätze. Forschung, Lehre und Weiterbildung wurden in Bundeswettbewerben prämiert. 25.000 Studierende aus über 100 Nationen sind in 196 Studiengängen eingeschrieben. Etwa 7.000 Lehrkräfte sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung engagieren sich – und erleben, dass Familienfreundlichkeit, Gleichstellung und Umweltschutz hier ernst genommen werden. Herkunft und der Wohnstätte, Band 5 den Familiennamen nach Berufen und 2 persönlichen Merkmalen. Noch in diesem Jahr soll Band 7 mit Register und Literaturverzeichnis im Druck erscheinen.



Der Atlas entstand in Kooperation der Universitäten Freiburg unter der Leitung von Prof. Dr. Konrad Kunze und Mainz unter der Leitung von Prof. Dr. Damaris Nübling. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft förderte das Projekt zwischen 2005 und 2015.

Veröffentlichung: Kunze, K./Nübling, D. (Hrsg.) (2017): Deutscher Familiennamenatlas. Band 6: Familiennamen aus Rufnamen. Von Kathrin Dräger. Berlin.

Weitere Informationen: www.familiennamenatlas.de

Friday, April 22, 2016

Fünfter Band des Deutschen Familiennamenatlas erschienen

http://www.uni-mainz.de/presse/75150.php

Dillschneider, Sägemüller und Fiedler: Familiennamen nach Beruf und persönlichen Merkmalen

                   
                                           
Der fünfte Band des Deutschen Familiennamenatlas (DFA) zur Gruppe der Berufs- und Übernamen liegt vor. Der neue Band behandelt die Entstehungsmotivation der Namen durch den Beruf und durch persönliche Merkmale wie beispielsweise die körperliche Erscheinung eines Menschen. Während andere Bände die Bildung von Familiennamen anhand anderer Namen, zum Beispiel anhand von Rufnamen oder Städtenamen, zum Thema haben, beruhen die Familiennamen im fünften Band nicht auf Namen, sondern ausschließlich auf Substantiven, Adjektiven oder Verben, wie sie in der gesprochenen Sprache des späten Mittelalters in Gebrauch waren. Damit stellt der Band ein neues Grundlagenwerk für die Sprachgeschichte dar.
                   
"Mit über 1.000 Seiten ist dies unser dickster und wahrscheinlich auch attraktivster Band, der am meisten über die Wortgeographie der Berufsbezeichnungen aussagt", erklärt Univ.-Prof. Dr. Damaris Nübling vom Deutschen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU). Der erste Teil des vorliegenden Bandes gilt Namen, die durch Beruf, Stand oder Amt motiviert sind. "Fiedler" beispielsweise geht auf die Bezeichnung eines Geigenspielers im Norden Deutschlands zurück, im Süden ist der Name "Geiger" verbreitet. Ob jemand "Bäcker" oder "Beck", "Pfister" oder "Pistor" heißt, lässt sich ebenso regional vergleichen wie "Sägemüller" oder "Schreiner" und "Gockel" oder "Gögel". Viele Bezeichnungen finden sich für Spezialbäcker, etwa "Semmler", "Mutschler", "Lebküchler" oder auch "Schlotterbeck". "Insgesamt lässt sich sagen, dass die 14 häufigsten Familiennamen in Deutschland allesamt Familiennamen aus Berufsbezeichnungen sind", erläutert Projektmitarbeiterin Dr. Kathrin Dräger.
                   
Der zweite Teil des fünften Bandes behandelt Namen, die durch körperliche, charakterliche oder biographische Merkmale motiviert sind: "Klein" und "Groß" gehören zu den häufigsten Namen, andere wie "Weiß", "Roth" oder "Kraus" gehen auf Haarfarbe oder Haarbeschaffenheit zurück. Bestimmte Verhaltensweisen führten zu Namen wie "Still" oder "Stille", jemand, der viel zu sich nimmt, wurde "Schlemmer" genannt. "Die Palette dieser Übernamen ist außerordentlich vielfältig, weil viele unterschiedliche Merkmale eingehen vom Körperumfang über die Gangart bis zu Trink- oder Schlafgewohnheiten", so Dräger.
                   
419 Karten zeigen, wie die häufigsten Namen regional verteilt sind. Dabei ging es den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern nicht darum, die Verbreitung einzelner Namen festzuhalten, sondern sie im Spektrum ihrer Varianten – "Diller" und "Dillschneider" etwa – darzustellen und sie ins Umfeld konkurrierender Namen einzubetten.
                   
Der Atlas entsteht als Kooperationsprojekt der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (Prof. Dr. Konrad Kunze, Prof. Dr. Peter Auer) und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Prof. Dr. Damaris Nübling) und wurde ab 2005 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Er bietet nicht nur der Namenforschung ein neues Fundament, indem er den Bestand und die Verbreitung der Familiennamen in der Bundesrepublik Deutschland auf dem Stand von 2005 festhält. Auch anderen Disziplinen von der Sozialgeschichte über die Siedlungs- und Migrationsforschung bis zur Genetik steht damit ein unverzichtbares hilfswissenschaftliches Instrument bereit. Trotz zahlreicher Flucht- und Wanderbewegungen in den vergangenen Jahrhunderten und trotz der modernen Mobilität sind die geschichtlich gewachsenen Namenlandschaften erstaunlich stabil geblieben.
                   
Ursprünglich war der Deutsche Familiennamenatlas mit vier Bänden konzipiert. Die Datengrundlage erwies sich jedoch als so umfangreich, dass das Projekt nun auf sechs Bände plus einem Registerband ausgelegt wird. Der sechste Band zur Bildung von Familiennamen aus Rufnamen ist in Bearbeitung und wird voraussichtlich 2017 erscheinen.

Sunday, April 3, 2016

Familiennamen nach Beruf und persönlichen Merkmalen



https://www.degruyter.com/view/product/457101?rskey=nP5ygU&result=1
http://www.amazon.de/Deutscher-Familiennamenatlas-Familiennamen-pers%C3%B6nlichen-Merkmalen/dp/3110424479

With over 2,000 entries with commentaries, the Atlas of German Family Names provides access for the first time to the entire corpus of family names in Germany. The concerns of linguists are addressed in a section on grammar, those of cultural historians in a lexical section. With its collection of occupational names and nicknames, the newly designed Volume 5 will be an indispensable sourcebook for the history of language, society, and mentality.


















Mit über 2.000 kommentierten Karten erschließt der Deutsche Familiennamenatlas (DFA) erstmals den Familiennamenbestand der Bundesrepublik Deutschland nach statistischem Vorkommen und räumlicher Verbreitung. Linguistischen Interessen wird durch einen grammatischen Teil Rechnung getragen, kulturhistorischen Interessen durch einen lexikalischen Teil. Der jetzt neu vorgelegte Band 5 erschließt mit den Berufs- und Übernamen eine erstrangige Quelle insbesondere für die Sprach-, Sozial- und Mentalitätsgeschichte.


XLI, 1065 Seiten
DE GRUYTER MOUTON
Sprache:
Deutsch
Werktyp:
Nachschlagewerk
Schlagwort(e):
Familiennamen; Namenforschung; Namenkunde
Zielgruppe:
Germanisten, Linguisten, Namenforscher/Onomastiker, Kulturwissenschaftler, Historiker, interessierte Nichtfachleute

Konrad Kunze, Universität Freiburg; Damaris Nübling, Fabian Fahlbusch und Simone Peschke, Universität Mainz.


Wednesday, March 2, 2016

Frühling läßt sein blaues Band...

http://www.namenforschung.net/specials/fruehling/

...wieder flattern durch die Lüfte. So begrüßte Eduard Mörike den Frühling in seinem berühmten Gedicht. Heute, zum meteorologischen Frühlingsanfang, wittern wir noch keine Frühlingsluft - es ist doch noch recht kalt. Aber die ersten Frühjahrsboten wie Schneeglöckchen und Krokus blühen schon, so langsam erwacht die Natur aus der Winterruhe. Für Menschen mit Heuschnupfen beginnt jedoch ihre jährliche Plage, denn Erlen und Hasel schicken schon ihre Pollen aus. Allerdings: Die Freude auf einen schönen Lenz kann durch nichts gedämpft werden. Hatten unsere Vorfahren auch des Frühlings Erwachen im Sinn bei den Namen Märzluft, Frühling, Wiedergrün und Pollen?




Frühling


Verbreitung der Familiennamen Frühling und Frieling
Etwa 1044 Menschen in Deutschland (360 Telefonanschlüsse) tragen den verheißungsvollen Familiennamen Frühling, der an eine positive, frohe Natur des ersten Namenträgers denken lässt. Doch der sprachliche Befund zeigt, dass hier eine Zurückführung auf die Jahreszeit kaum möglich ist, denn das Wort Frühling war in mittelhochdeutscher Zeit, in der die Familiennamen entstanden, nicht gebräuchlich. Diese Jahreszeit hieß im Süden Lenz(e), im Norden Lente. Im größten Teil des deutschen Sprachraums wurde Lenz/Lente in der Neuzeit durch die Bezeichnung Frühjahr abgelöst; nur im schwäbischen Raum sowie in Brandenburg und Sachsen kam hierfür das Wort Frühling auf, das allmählich Eingang in die Standardsprache fand. Der Familienname Frühling jedoch findet sich weit von diesen Gebieten entfernt im Nordwesten des Sprachraums und muss folglich einen anderen Ursprung haben. Er geht zurück auf mittelniederdeutsch vrīlinc, womit ein freier Mann im Gegensatz zu einem Leibeigenen bezeichnet wurde. Die ursprünglichere Form Frieling, bei der die Rundung ī > ü ausgeblieben ist, findet sich etwas weiter südlich.


Wiedergrün


Verbreitung des Familiennamens Wiedergrün
Durch das mildere Wetter im Frühling erblüht nicht nur unsere Stimmung, auch die Pflanzen beginnen wieder in sattem Grün zu strahlen. Doch die naheliegende Vermutung, wir würden den Familiennamen Wiedergrün diesem jährlichen Wandel der Natur verdanken, ist ein Trugschluss. Die etwa 129 Namenträger/-innen (das entspricht 46 Telefonanschlüssen), die sich den Familiennamen teilen, heißen aus völlig anderem Grund so. Bei Wiedergrün handelt es sich um einen Übernamen zu mittelhochdeutsch widergrīn 'Gegenwehr, Gegenbrummen' für jemanden, der sich zu verteidigen weiß. Betrachtet man die historischen Belege, so lässt sich der Name in Freiburg im Breisgau nachweisen: Dort lebte im Jahre 1431 ein Mann namens Peter Widergrin.


Märzluft


Verbreitung der Familiennamen Märzluft und Mertzlufft
Sie ist noch etwas frisch, doch als Frühlingsbote fühlt sie sich mit jedem Sonnenstrahl ein bisschen wärmer an: die Märzluft. Ist auch bei dem gleichlautenden Familiennamen an eine Benennung nach einem weckenden Lüftchen zu denken, das um die Alpen weht, den Schnee langsam zum Schmelzen bringt und die Almen erblühen lässt? Geht man nach der Verteilung dieses Familiennamens, so erscheint diese Deutung passend, denn fast alle der etwa 93 Namenträger/-innen (32 Telefonanschlüsse) leben im Raum München. Vermutlich ist es aber kein heranwehender Frühling, der einst namengebend für diese bayrischen Familien war, sondern ein Urahn mit dem Rufnamen Marzolf (als Familienname verbreitet am Ober- und Mittelrhein). Dieser ist dem lateinischen Namen Marcellus nachgebildet, wobei die zweite Silbe durch das deutsche Rufnamenglied -(w)olf ersetzt wurde. Regional wurde Marzolf zu Merzlof und schließlich volksetymologisch zu Märzluft umgedeutet. Die etwas seltenere Variante Mertzlufft (27 Telefonanschlüsse, rund 78 Namenträger/-innen) ist außer im Raum München vor allem entlang des Rheins von Mannheim bis Germersheim verbreitet.


Pollen


Verbreitung des Familiennamens Pollen
Der Familienname Pollen kommt mit 37 Telefonanschlüssen (= 104 Namenträger/-innen) geballt im Raum Nettetal vor. Allerdings steckt nicht der allergieauslösende Pflanzensamen dahinter. Vielmehr kann es sich um einen Wohnstättennamen handeln zu Boll, Poll 'rundlicher Hügel'. Oder um ein Patronym (der Rufname des Vaters wird zum Familiennamen), das auf Rufnamen mit dem althochdeutschen Element bald 'kühn' (z.B. Leopold, Baldauf) zurückgeht bzw. auf Kurzformen aus den Heiligennamen Apollonius/Apollonia. Die heilige Apollonia ist die Patronin der Zahnärzte und hilft bei Zahnschmerzen, aber nach einer alten Bauernregel spielt ihr Gedenktag (9. Februar) auch eine wichtige Rolle für den Frühlingsbeginn:
"Kommt die Jungfrau Apollonia, sind auch bald die Lerchen wieder da".

Saturday, January 9, 2016

Von den rätselhaften Lunkenheimern und den Aydins aus der Türkei

http://www.rhein-main-universitaeten.uni-mainz.de/40.php


Dr. Rita Heuser ruft einen Namen auf. "Nehmen wir Aydin", sagt sie. "Dieser Familienname ist nicht selten in Deutschland. Er steht in der Häufigkeit immerhin auf Rang 1134." Auf dem Bildschirm ihres Computers erscheint eine schematische Karte der Bundesrepublik. Rote Kreise zeigen, wo Aydins registriert sind. Vor allem in Städten und Ballungsräumen wie dem Ruhrgebiet kommt der Name häufig vor. "Im ländlichen Bereich finden wir den Namen Aydin seltener, auch im Osten kommt er kaum vor." Verbreitung des Namens Aydin innerhalb Deutschlands (© DFD)Höchstwahrscheinlich kamen die ersten Aydins in den 1950er- und 1960er-Jahren als Gastarbeiter aus der Türkei nach Westdeutschland. Das erklärt die spezifische Verbreitung.
Heuser hat noch mehr Informationen zu bieten: "Der Name bedeutet 'hell' oder 'erleuchtet'." Das ist eine der Hauptdeutungen. Die Internetseite wartet mit weiteren Interpretationen auf. Der seldschukische Fürst Aydin aus dem 14. Jahrhundert kann Pate gestanden haben oder eine Region in der Türkei könnte gemeint sein, auch wenn das entschieden unwahrscheinlicher ist. Ein knapper, allgemein verständlich geschriebener Eintrag gibt darüber Auskunft. Der Autor: Mehmet Aydin, Student an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und wissenschaftliche Hilfskraft im Projekt "Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands" (DFD).
"Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bringen oft eine wichtige Expertise mit", sagt Univ.-Prof. Dr. Damaris Nübling vom Deutschen Institut der JGU. Gemeinsam mit Heuser, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Akademie der Wissenschaften und der Literatur arbeitet, zeichnet sie in Mainz für das Projekt verantwortlich. "Wir brauchen unter anderem Kenntnisse über nichtdeutsche Familiennamen", betont die Sprachwissenschaftlerin. "Dabei können durchaus auch studentische Hilfskräfte aus dem Baltikum, aus Schweden, aus der Türkei oder Leute mit entsprechenden Sprachkenntnissen eine große Hilfe sein."
"Es gibt keine Region in Deutschland, in der wir nur Familiennamen deutscher Herkunft finden", betont Heuser. Die Landschaft ist bunt – wie bunt, das wird erst mit diesem Wörterbuch so richtig klar.
Das DFD ist aus einem früheren Projekt, dem "Deutschen Familiennamenatlas", hervorgegangen, an dem die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die Johannes Gutenberg-Universität Mainz beteiligt sind. "Das ist ein sehr linguistisches Projekt und eher für die Fachwelt gedacht", erklärt Nübling. (v.l.) Dr. Rita Heuser und Univ.-Prof. Dr. Damaris Nübling (Foto: Peter Pulkowski)"Während der Arbeit daran bekamen wir aber viele Anfragen von Journalisten und Privatleuten. Das öffentliche Interesse an dem Thema ist ungeheuer groß." Also sollte ein Projekt her, dass nicht nur Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, sondern auch Laien den einfachen Zugang zu neuesten Erkenntnissen der Forschung ermöglicht: Im Jahr 2012 begann die Arbeit am Digitalen Familienwörterbuch Deutschlands.
"Am Anfang waren viele technische Fragen zu klären", erzählt Heuser. "In welcher Form stellen wir unsere Erkenntnisse ins Internet? Wie bleiben sie zitabel? Wir entwickelten ein digitales Konzept und mussten uns überlegen, was wir alles hineinnehmen." Zwei Jahre nahm das in Anspruch. "Dieser Aspekt wird oft unterschätzt, aber wir wussten, dass es so lange dauern würde." Hier war die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen der TU Darmstadt sehr eng. Von dort kam neben sprachwissenschaftlicher Fachkenntnis insbesondere die notwendige IT-Kompetenz. "Es begann als Zweckehe und ist zu einer Liebesehe geworden", skizziert Nübling die Kooperation der drei Institutionen mit einem Lächeln. "Inzwischen sind die Darmstädterinnen unsere Traumpartner."
Erstaunlich wenig ist bekannt über die Familiennamen in Deutschland. Ihre Zahl wird auf 800.000 geschätzt. Davon führen die bisher vorhandenen einschlägigen Lexika bestenfalls 70.000 auf. "Dort finden wir auch noch häufig Widersprüche oder Fehler, was Herkunft oder Bedeutung angeht", sagt Heuser. Und nirgends gibt es fundierte Karten zur Verbreitung von Familiennamen. Das leistet erst das digitale Wörterbuch und zeigt damit eindrücklich, wie wichtig die Familiennamengeografie auch für die Namensdeutung ist.
"Wir greifen auf die Telekom-Datenbank zurück", erzählt Nübling. "Das ist die einzige Quelle, die überhaupt zur Verfügung steht. Sie eignet sich hervorragend, da sie flächendeckend ist." Alle Festanschlüsse sind dort verzeichnet. Die Sprachwissenschaftler arbeiten mit dem Datensatz von 2005. "1990 oder 1995 hätte keinen Sinn gehabt, da war der Osten noch nicht in der Dichte dabei, die wir brauchen." Nach 2005 nahmen die Handy-Anschlüsse stark zu. Das Verzeichnis der Festanschlüsse verliert an Aussagekraft.
"Wir erfassen alle Familiennamen mit mindestens zehn Telefonanschlüssen", sagt Heuser. Am Ende wird das DFD rund 200.000 Namen enthalten. Ein Klick gibt Auskunft – schon jetzt. "Müller" etwa steht auf Rang eins. Er ist quasi allgegenwärtig, aber selbst hier gibt es Unterschiede. Nach Norden hin nimmt die Häufigkeit ab und auch im Südosten der Republik sieht es dünn aus.
"Müller scheint vielleicht gar nicht so interessant", räumt Heuser ein. "Aber das ist nur auf den ersten Blick so." Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter des DFD-Projekts beackert gleich ein ganzes Namensfeld. Es geht im Fall Müller also auch Das Digitale Familiennamenwörterbuch Deutschlands basiert auf dem seit 2005 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt 'Deutscher Familiennamenatlas'. (Foto: Peter Pulkowski)um Neumüller oder Kumpfmüller. Plötzlich werden Kenntnisse zu Mühlentypen interessant. Auch Varianten geraten ins Blickfeld. Bei Miller könnte man annehmen, der Name stamme aus dem englischsprachigen Raum. Die Karte zeigt aber, dass die Millers vor allem in Süddeutschland zu Hause sind. Vor Ort wurde aus dem "ü" aufgrund des Dialekts einfach ein "i".
Oft stammen Familiennamen tatsächlich aus dem Ausland, doch wird es in vielen Fällen nicht mehr wahrgenommen. Die Endrulats und Wowereits etwa kamen aus dem Baltischen, Schimanski und Grabowski weisen in Richtung Polen und Schirra nach Frankreich.
Die Lunkenheimer dagegen stammen aus Rheinhessen. Aber woher genau? "Der Name scheint eindeutig auf eine Siedlung namens Luinkenheim zu verweisen", berichtet Heuser. "Aber dieser Ort existiert heute nicht mehr und ist auch historisch nicht nachweisbar." Es ist eine Puzzlearbeit, die bei jedem Namen neu beginnt. "Es ist auch eine Pionierarbeit", ergänzt Nübling. Für Studierende, für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bietet diese Arbeit am DFD Chancen. "Sie übernehmen ein Namensgebiet, sind damit sofort mittendrin in der Forschung und können bei uns veröffentlichen. Die Verfasser des Artikels werden alle genannt."
Das DFD weist über die deutschen Grenzen hinaus. Kenntnisse zur Namenslandschaft im Ausland sind unabdingbar. "In den Niederlanden und in Schweden werden Familiennamen rigoros an die Rechtschreibung angepasst", nennt Heuser nationale Eigenheiten. "Dadurch gibt es dort viel weniger Schreibvarianten. Ein "Weißbrod" neben einem "Weisbrodt" wäre dort unzulässig. "Deutsche Familiennamen sind in ihrer Vielfalt also eine echte Besonderheit."
Mit dem DFD entsteht eine Quelle, die vielen Forschungsdisziplinen nutzen kann, eine Quelle, die in Zukunft mehr und mehr mit anderen Datenbanken vernetzt werden wird, und eine Quelle, in die jeder einfach mal reinschauen kann. Viele haben es bereits getan. Mancher muss noch etwas warten, bis sein Name auftaucht. Aber neue Beiträge kommen, Monat für Monat.

Friday, November 13, 2015

Familiennamen zu St. Martin

http://www.namenforschung.net/specials/st-martin/

Mit Lichtern, Gänsen und rotem Mantel - Familiennamen zu St. Martin

Der Martinstag am 11. November geht auf den Hl. Martin von Tours (4. Jh.) zurück. Er war Soldat im römischen Heer und bevor er aus Glaubensgründen aus dem Militärdienst austrat, wurde er durch einen besonderen Akt der Nächstenliebe berühmt. Der Reitersoldat begegnete vor den Stadttoren vom Amiens einem frierenden Bettler. Kurzerhand zerteilte er mit seinem Schwert den prächtigen roten Mantel und übergab das Teilstück dem armen Mann, der niemand anderes als Christus selbst war. Später wurde Martin Bischof von Tours, da er aber bescheiden war, wollte er die Wahl nicht annehmen und versteckte sich. Eine Schar schnatternder Gänse verriet ihn, so die Legende. Der Hl. Martin wurde schnell zum Schutzheiligen des fränkischen Reichs und wurde vor allem in Frankreich und den rheinischen Gebieten Deutschlands verehrt. Er ist auch Patron des Mainzer Doms und Bistums. In vielen Gegenden finden ihm zu Ehren Martinsumzüge statt, bei denen Kinder singend mit Laternen und oft von einem als römischer Soldat gekleideten St. Martin begleitet durch die Straßen ziehen. In evangelischen Gebieten werden die Umzüge auch zu Ehren Martin Luthers (der am 11.11. Namenstag hat) abgehalten. Der 11.11. ist im Rheinland nicht nur der Beginn der Fastnachtssession, er ist auch Beginn der 40-tägigen Fastenzeit vor Weihnachten. Für unsere Vorfahren ein Grund, noch mal so richtig zu schlemmen, bevor magere Zeiten anbrachen. Zudem waren an diesem Tag Zinsen und Abgaben fällig, das bäuerliche Wirtschaftsjahr ging zu Ende, das Gesinde wurde ausgezahlt. Dies war willkommener Anlass zu Festivitäten - besonders die Gänse waren jetzt fett genug, um für einen ordentlichen Braten herzuhalten.
Auch in Familiennamen treffen wir auf den heiligen Martin, seinen Mantel, Gänse und den Lichterglanz der Laternen.

Mantel

Verbreitung des Familiennamens Mantel
Sankt Martin teilte seinen Mantel mitten entzwei, um einen Erfrierenden zu wärmen. Doch wie entstand der Familienname Mantel? Diesen Namen teilen sich 2531 NamenträgerInnen (= ca. 904 Telefonanschlüsse). Er entstammt dem mittelhochdeutschen Wort mantel,mandel 'Mantel als Kleidungsstück' und bezeichnet meist jemanden, der einen Mantel trägt oder einen Schneider, der Mäntel herstellt. Gelegentlich konnte auch jemand gemeint sein, der an einem Föhrenwald wohnte. Dieser Wohnstättenname geht auf mittelhochdeutsch mantel 'Föhre; die äußersten Oberbäume eines Waldes' zurück. Seltenere Schreibvarianten des Namens sind Mantl und Mantell mit 22 und 21 Telefonanschlüssen (also ca. 62 und 59 NamenträgerInnen). Die Familiennamen Mendler (374 Telefonanschlüsse, ca. 1047 NamenträgerInnen), Mantler(184 Telefonanschlüsse, ca. 515 TrägerInnen), Mentler (52 Telefonanschlüsse, 146 TrägerInnen) und Mäntler (15 Telefonanschlüsse, ca. 42 TrägerInnen) gehen auf mittelhochdeutsch mantelermenteler zurück und meinen einen Trödler oder Kleiderhändler.

Licht und Lichter

Verbreitung der Familiennamen Licht undLichter
Der Lichterbrauch ist fester Bestandteil der Martinsbräuche, sei es in Form von Laternen und Fackeln oder als Martinsfeuer. Der Familienname Lichtkommt mit 1546 Telefonanschlüssen (d.h. ca. 4329 NamenträgerInnen) weit gestreut vor, der Name Lichter konzentriert sich mit 482 Telefonanschlüssen (entspricht ca. 1359 NamenträgerInnen) vor allem an der Mosel. In beiden Familiennamen steht Licht für jemanden, der auf andere besonders strahlend und hell wirkt (zu mittelhochdeutsch lieht) oder bezieht sich auf den Beruf eines Kerzenherstellers oder -verkäufers. Auch die Wohnstätte an einer hellen Stelle, nämlich einem gerodeten Waldstück, kann gemeint sein. Zuweilen liegt auch mittelhochdeutschlîht zugrunde, was einen leichtfertigen, unbeständigen Menschen bezeichnet. Darüber hinaus kommen Siedlungsnamen wie Lichta, Lichte (Thüringen) in Frage.

Gans

Verbreitung des Familiennamens Gans
Tatsächlich leitet sich der FamiliennameGans, den in Deutschland rund 2635 Personen tragen (941 Telefonbucheinträge), von dem allerorts bekannten Vogel ab, dem es traditionell zum Sankt-Martinstag an die Federn geht. Woher der Brauch des Gänsessens am 11. November kommt, ist nicht endgültig geklärt. Am wahrscheinlichsten ist die Erklärung, dass jährlich an diesem Tag eine Steuer fällig wurde, die in Form einer Gans bezahlt werden konnte oder deren Gegenwert entsprach. Der Familienname ließe sich demnach auf Pächter zurückführen, die für ein von ihnen bewirtschaftetes Land eine solche "Steuergans" erbringen mussten. Auch denkbar ist ein Übername für den Gänsezüchter, denn Gänse waren schon zur Zeit der Entstehung der Familiennamen auch fernab des Martinstages ein beliebter Speisevogel, sodass vielerorts Gänsezucht betrieben wurde.

Martin


Verbreitung des Familiennamens Martin
Die großräumige und intensive Verehrung des Hl. Martin hatte auch Auswirkungen auf die Namengebung. Ursprünglich geht der Rufname Martin auf den römischen Beinamen Martinus zurück, dieser wiederum auf Mars, den Namen des römischen Kriegsgottes.
Martin und seine dialektalen Formen wieMartenMertenMartiMertel usw. wurden vom Mittelalter bis heute häufig als Rufnamen vergeben. Und da Rufnamen eine wichtige Quelle für Familiennamen darstellen, finden sich Martin und seine Varianten auch oft in den heutigen Familiennamen wieder. So belegt Martinunter den häufigsten Familiennamen in Deutschland den 71., Martens den 300. undMertens den 301. Rang. Vereinzelt kann der Familienname Martin auch aus dem romanischen Sprachgebiet nach Deutschland eingewandert sein; er ist nämlich auch der häufigste französische Familienname. Nördlich an das Hauptverbreitungsgebiet des Familiennamens Martin, wie es auf der Karte zu sehen ist, schließen Namen wie Marten(s) oder Merten(s) an. In Bayern sind die Familiennamen aus Koseformen wie Mart(e)lMert(e)l oder Mört(e)lheimisch, sie sind jedoch insgesamt eher selten.

Friday, July 3, 2015

Kartographie der Familiennamen zum Thema Sommer, Sonne und Ferienzeit

http://www.namenforschung.net/specials/sommer/

Die Schulferien stehen bevor, die Temperaturen auf dem Thermometer steigen und viele tausend Deutsche machen sich auf den Weg in den Urlaub. Sie genießen die Sommerfrische am Meeresstrand, ein erfrischendes Bad im Swimming-Pool und viel Sonnenschein. Bei Temperaturen um die 36°C denken auch NamenforscherInnen zuweilen an Sonne, Meer und Strand. Wo unsere Vorfahren ihren freien Tage verbrachten, wissen wir nicht - sie hatten ja noch keinen Urlaubsanspruch, aber dafür sehr viele Feiertage. Man reiste allerdings nicht aus Vergnügen. Erst ab 1845 begann, mit der Gründung des ersten Reisebüros durch Thomas Cook in England, die Zeit der bürgerlichen Vergnügungsreisen. Mit der Durchsetzung des gesetzlich geregelten Urlaubsanspruchs zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Reisen in die Sommerfrische allmählich zum Massenphänomen.

Sommer


Verbreitung des Familiennamens Sommer
Überall in Deutschland herrscht Sommer! Zumindest, wenn man nach dem gleichlautenden Familiennamen geht. Dessen 19.207 Telefonbucheinträge (das entspricht ca. 53.780 Namenträgern) verteilen sich relativ gleichmäßig über die gesamte Bundesrepublik. Zugrunde liegt meist tatsächlich die Bezeichnung der Jahreszeit, mittelhochdeutsch sumer, mittelniederdeutsch som(m)er. Einerseits kann damit jemand gemeint sein, der im Sommer eine Arbeitsverpflichtung oder eine Zinsabgabe zu leisten hatte, andererseits aber auch der an der Sonnenseite Wohnende. Benennungen nach dem Beruf zu mittelhochdeutsch soumaere,sommer, mittelniederdeutsch somer(e)für den 'Führer von Saumtieren' oder zu mittelhochdeutsch sumbersommer in der Bedeutung 'Korb; Getreidemaß; Pauke' für einen Korbflechter, Hersteller bzw. Benutzer von Scheffeln oder Musiker sind ebenfalls möglich. In Norddeutschland kann der Familienname Sommer auch auf das mittelniederdeutsche Wort somer 'langer, schlanker, gerader Pfahl oder Baum' als Vergleich für die Gestalt eines Mannes zurückgehen. In Bayern kommt zudem ein Herkunftsname zum gleichlautenden Ortsnamen bei Aitrang in Frage.

Urlaub und Urlauber


Verbreitung der Familiennamen Urlaub und Urlauber
Die Verteilung des FamiliennamensUrlaub scheint auf ein unterschätztes Ferienziel hinzudeuten: Am Main um Würzburg finden sich die meisten der rund 700 NamenträgerInnen (234 Telefonanschlüsse). Die Bedeutung 'Ferien' erhielt das Wort Urlaub jedoch erst in der Neuzeit. Im Mittelalter stand mittelhochdeutsch urloup für 'Erlaubnis', besonders für die 'Erlaubnis, zu gehen' sowie für den 'Abschied' allgemein. Die Träger dieses Namens hatten also nicht unbedingt einen Vorfahren, der besonders gerne reiste. Er zeichnete sich aber offenbar durchaus dadurch aus, dass er einem Ort oder einer Verpflichtung häufiger oder für einen längeren Zeitraum fern blieb. Ebenso verhält es sich mit demUrlauber, der sich ebenfalls im Telefonbuch findet, wenngleich nicht sehr häufig (12 Einträge). Dieser Familienname gruppiert sich im Raum Stuttgart.

Sonnenschein


Verbreitung des FamiliennamensSonnenschein
Manche Menschen tragen die Sonne in ihrem Herzen, sie strahlen Heiterkeit und Wärme aus - das hat mit ihrem wonnigen Gemüt zu tun und deshalb nannte man sie schon im Mittelalter Sonnenschein. Rund 2480 NamenträgerInnen (= 892 Telefonanschlüsse), vor allem im deutschen Westen, können sich mit solch einem freundlichen Namen vorstellen. In einigen Fällen kann es sich auch um einen Wohnstättennamen handeln für jemanden, der in einem Haus "Zum Sonnenschein" oder an einem gleichnamigen Flurstück wohnte. Und letztlich gibt es auch mehrere Siedlungen in Nordrhein-Westfalen, die diesen Namen tragen, so dass man auch einen Herkunftsnamen in Betracht ziehen kann.

Pool



Verbreitung des Familiennamens Pool
Zu den großen Sommerfreuden gehört auch ein gepflegter Pool. Während die heutigen Badefreudigen ein hygienisches Becken und gechlortes Wasser erwarten, liegt der Ursprung des FamiliennamensPool eher im Trüben und Morastigen. Familienname und Schwimmbecken treffen sich in westgermanischer Zeit, also im Frühmittelalter, und zwar bei dem westgermanischen Wort *pōla-, das 'Sumpf, Morast' bedeutet. Daraus hat sich über altenglisch pōl das heutige englische Wort pool entwickelt. Noch heute trägt es neben der häufigsten Bedeutung 'Schwimmbecken', mit der es ins Deutsche entlehnt ist, auch Bedeutungen wie 'Teich, Tümpel, Lache'. Parallel dazu ist aus dem westgermanischen Wort *pōla- das mittelniederdeutsche pōlpūlhervorgegangen, was 'Pfuhl, Suhle, Sumpf' bedeutet. Und dieses mittelniederdeutsche Wort steckt im deutschen FamiliennamenPool mit rund 200 Namenträgern. Pool als Wohnstättenname für jemanden, der an einem Teich, einem Sumpf oder anderweitig schlammigen Gelände wohnte, ist nur eine von vielen Deutungsmöglichkeiten, aber die wahrscheinlichste.

Thursday, March 5, 2015

Namenforschung mit Rita Heuser im SWR


Konrad-Duden-Preis 2014 geht an Professor Dr. Damaris Nübling

https://www.mannheim.de/presse/konrad-duden-preis-2014-geht-professor-dr-damaris-nuebling


Professor Dr. Damaris Nübling wird die nächste Konrad-Duden-Preisträgerin. Das Preisgericht zur Verleihung des Konrad-Duden-Preises 2014 ist am 1. Oktober 2014 zusammengetreten. Der Gemeinderat hat den Vorschlag in nicht öffentlicher Sitzung am 25. November einstimmig angenommen.
„Das Bibliographische Institut und die Stadt Mannheim vergeben den Konrad-Duden-Preis gemeinsam an verdiente Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftler, die mit ihrer Arbeit über den akademischen Kreis hinaus in die Öffentlichkeit wirken. Professorin Damaris Nübling hat sich mit ihrer Forschung um Themen wie Zweifelsfälle im Deutsch oder Wechselwirkungen zwischen Sprache und Gesellschaft verdient gemacht. Ich freue mich, dass die Jury Nübling einstimmig den Konrad-Duden-Preis 2014 zuerkennt“, erklärt Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz. „Der Konrad-Duden-Preis ist der bedeutendste Preis der germanistischen Linguistik und dieser international renommierte Fachpreis passt in hervorragender Weise zur ‚Hauptstadt der deutschen Sprache‘“, so Kurz weiter.
Dr. Werner Scholze-Stubenrecht, Leiter der Dudenredaktion beim Verlag Bibliographisches Institut GmbH: „Damaris Nübling zeichnet sich durch die Vielfalt, die Klarheit und die Weite ihrer Perspektiven aus. Die Bandbreite ihrer Forschung, die zahlreichen internationalen Kooperationen und ihr Engagement für den wissenschaftlichen Nachwuchs machen sie zu einer würdigen Trägerin des Konrad-Duden-Preises. Die Dudenredaktion freut sich sehr über diese Entscheidung.“
Alle drei Jahre verleihen die Stadt Mannheim und der Dudenverlag den mit 12 500 Euro dotierten Konrad-Duden-Preis an einen Germanisten, eine Germanistin oder eine Institution. Der 52. Konrad-Duden-Preis wird am 11. März 2015 im Rahmen der Jahrestagung des Instituts für Deutsche Sprache an Damaris Nübling übergeben.
Informationen zum Konrad-Duden-Preis
Mit der Preisverleihung 2014/2015 blickt der Konrad-Duden-Preis der Stadt Mannheim auf eine lange Tradition zurück. Der Konrad-Duden-Preis wurde 1959 zum ersten Mal vergeben, Preisträger damals war Leo Weisgerber aus Bonn. Seit dieser Zeit wurden 28 Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftler ausgezeichnet, darunter zahlreiche Auslandsgermanisten wie Louis L. Hammerich (Kopenhagen, 1965), Gustav Korlén (Stockholm, 1967), Jean Fourquet (Paris, 1973), Ludwig Zabrocki (Posen, 1975), Mirra Guchmann (Moskau, 1983), Wladimir Admoni (Leningrad, 1987), Cathrine Fabricius-Hansen (Oslo, 2003) und Heinrich Löffler (Basel, 2005).
Mittlerweile ist der Konrad-Duden-Preis der bedeutendste Preis für wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der Linguistik des Deutschen.
Ausführliche Informationen zum Konrad-Duden-Preis finden Sie auf der Website des Dudenverlags unter www.duden.de/ueber_duden.
Pressekontakt Bibliographisches Institut GmbH: Dr. Nicole Weiffen, Leitung Presse- & Unternehmenskommunikation, Tel.: 030 89785 8286, Fax: 030 89785 978286, E-Mail: nicole.weiffen@duden.de
Stadt Mannheim | Carolin Bison | Medienteam (Dezernat II: Wirtschaft, Arbeit, Soziales und Kultur) | Rathaus E5, 68159 Mannheim | Tel: 0621 293-2914 | carolin.bison@mannheim.de

Saturday, February 14, 2015

Helau, Alaaf und Narri-Narro

http://www.namenforschung.net/specials/fastnacht/


Narrenfeste wurden schon immer gerne gefeiert, man kann sie bis in die Antike zurückverfolgen. Alles war erlaubt: Niedriggestellte konnten sich wie Herren verhalten, und die Weltordnung wurde auf den Kopf gestellt (man sprach auch von der "verkehrten Welt"). Besonders im späten Mittelalter entwickelten sich im Zusammenhang mit der vorösterlichen Fastenzeit allmählich viele heute noch bekannte Fastnachtsbräuche (und wurden auch hin und wieder erfolglos verboten): Umzüge und Tänze in Verkleidung, Narrenauftritte, Mummenschanz und Schlemmerei. Unsere Vorfahren wollten noch mal so richtig genießen, bevor sie die Fastenzeiten einhalten mussten. Daher wurden traditionell zu Beginn und am Ende besondere Festlichkeiten vorgesehen. Meist sind diese verbunden mit reichlichem Essen und Trinken. Nicht umsonst heißt der Höhepunkt der Fastnachtszeit in den USA (v.a. in New Orleans) Mardi gras 'fetter Dienstag'. Zum Schmausen eigneten sich vor allem in fett ausgebackene Teigwaren (Kreppel) und ähnliche kalorienreiche Gerichte. Eine besondere Note erhielt die rheinische Fastnacht im 19. Jahrhundert - sie verlagerte sich zunehmend in den Saal (Maskenbälle) und wurde politischer. Heute ist Fas(t)nacht/Fasching/Karneval vielfältig und bunt. Es wird in den unterschiedlichsten Ausprägungen ausgelassen gefeiert.
Allen Närrinnen und Narren wünschen wir eine gutgelaunte Zeit!

Kreppel

Verbreitung des Familiennamens Kreppel
Einen Krapfen aus Hefeteig, der in Öl oder Fett schwimmend gebacken wird, nennt man u.a. in Hessen, Rheinhessen und in der Pfalz Kreppel. Und dort, genauer gesagt im Raum Wiesbaden - Bad Camberg, ballt sich auch der entsprechende Familienname mit deutschlandweit rund 481 TrägerInnen. Die Bezeichnung spielt übrigens auf die ursprünglich gebogene Form des Gebäcks an, denn mittelhochdeutschkrapfe bedeutete 'Kralle, Haken'.



Jeck

Verbreitung des Familiennamens Jeck
Was in anderen Regionen der Narr, ist im Rheinland der Jeck. Diese Bezeichnung für einen aktiven Karnevalsteilnehmer ist aus dem mittelhochdeutschen, mittelniederdeutschen Substantiv geckmit der Bedeutung 'Narr, Tor, Wahnsinniger' entstanden. Eher selten dürfte dem Familiennamen jedoch dieses Wort zugrunde liegen. Vielmehr handelt es sich bei Jeck (378 Telefonanschlüsse, demnach ca. 1060 NamenträgerInnen) um ein Patronym, d.h., der Familienname geht auf den Rufnamen des Vaters des ersten Namenträgers zurück. Jeck stellt dabei eine Kurzform von Jakob dar. Etwas seltener ist die Schreibvariante Jäck mit 274 Telefonanschlüssen (ca. 770 NamenträgerInnen).


Narr

Verbreitung des Familiennamens Narr
Dort, wo sich in der schwäbisch-alemannischen Fastnacht die Feiernden mit "Narri, Narro" begrüßen, aber auch im Vogtland, ist der Familienname Narrzuhause. Die Narrengesellschaft umfasst rund 1500 NamenträgerInnen. Im Mittelalter hatte der Narr aber noch keine Session; er war ein Ganzjahresjeck. Als Narren wurden damals Menschen bezeichnet, die aus der Menge durch andersartiges Verhalten oder Aussehen hervorstachen. Die ersten Namenträger können ihren Namen auch durch die Rolle des Narren in einem Schauspiel erhalten haben.


Fastnacht und Fasching


Verbreitung der Familiennamen Faßnacht,Fastabend und Fasching
Die närrischen Tage tragen, von der jeweiligen Region abhängig, unterschiedliche Bezeichnungen. Deren ursprüngliche Bedeutung ist noch weitgehend ungeklärt. Im Mittelalter wurden sie aber (z.B. mittelhochdeutschvaschancvaschang bzw. mittelhochdeutsch vastnahtvasnaht) als 'Beginn bzw. Tag vor der Fastenzeit' verstanden. Die Bezeichnungsvielfalt spiegelt sich auch in den Familiennamen und ihrer Verbreitung wider. Der NameFasching kommt im Südostdeutschen vor, während Faßnacht (mit ca. 792 NamenträgerInnen) und Fassnacht (mit ca. 364 NamenträgerInnen) im alemannischen, fränkischen und rheinischen Raum aufreten. Daneben gilt v.a. im niederdeutschen Raum Fastabend(mit ca. 398 NamenträgerInnen). Der Name Fastnacht (ca. 255 NamenträgerInnen) ist hauptsächlich west- und ostmitteldeutsch. Wahrscheinlich wurden Bauern so benannt, weil sie zu diesem Zeitpunkt Abgaben zu leisten hatten (z.B. Fastnachtshühner). In manchen Fällen war vielleicht auch die Feierfreudigkeit und das frohsinnige Gemüt des ersten Namenträgers ausschlaggebend. Karneval ist übrigens erst im 17. Jahrhundert aus dem Italienischen entlehnt worden und kommt daher in deutschen Familiennamen nicht vor. Die heutige Verbreitung der Bezeichnungen für die Zeit vor Aschermittwoch kann man im Atlas der Deutschen Alltagssprache anschauen.