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Monday, March 18, 2019

Namenmoden syn- und diachron (2019)

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Namenmoden syn- und diachron behandelt Namenmoden und rezente Entwicklungen in der Namenforschung. Der Schwerpunkt liegt auf deutsch- und romanischsprachigen Kultur- und Sprachräumen. Die 14 Beiträge aus verschiedenen Disziplinen bieten Einblicke in Themen der Anthroponomastik (wie Namenmoden im Kulturkontakt, Faktoren bei der Vornamenvergabe, Nicknamenverwendung in den sozialen Medien), der Ergonomastik (wie Gaststätten- und Hotelnamen, Benennungen von Fußballmaskottchen und Namen digitaler Würmer) und der Toponomastik (wie Namen alpiner Kletterrouten und Kolonialtoponyme). Neben neuen Namenklassen werden auch Wortbildungsaspekte und Wirkungsmöglichkeiten diskursiver Akteur*innen untersucht.


Inhalt

Claudia POSCH
Auf keinen Fall Tschaklin, Schanin oder Tschennifer! Soziolinguistische Faktoren bei der Bewertung und Vergabe von Vornamen 3
Angela BERGERMAYER
Zu Moden der Vornamengebung in binationalen Ehen in Österreich 21
Johanna WARM
Personennamen auf der Social Networking Site Facebook: Typen und Funktionen 45
Eva Martha ECKKRAMMER & Verena THALER
Ökonyme im Wandel der Zeit 61
Holger WOCHELE
Kaiserin Augusta – Hotel nhow Milano. Hotelnamen im Wandel der Zeit. Eine diachrone Untersuchung 79
Svenja DUFFERAIN-OTTMANN
Tabernonyme. Sprachliche Persuasionsstrategien französischer und spanischer Restaurantnamen im Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Kultur 99
Anne-Kathrin GÄRTIG-BRESSAN
Gaststättenbezeichnungen als Ausdruck von Individualität. Neue Namen von Cafés und Bars in Florenz 115
Marietta CALDERÓN
I-love-you etc.: Wurmnamen 133
Nelson PUCCIO
Von Agatino bis Zef – zur Benennung von Maskottchen im europäischen Fußball 155
Antje LOBIN
Elativsuffigierung und Intensivierung in der Markennamenbildung 173
Gerhard RAMPL
Namen alpiner Kletterrouten. Ein onymischer Grenzgang mit appellativischer Absturzgefahr 183
Sonja SÄLZER
La Planche à Laver, Caracol, Sunny Benny und Suvretta Loop: Die Benennung von Mountainbike-Trails in der Romania 207
Sandra HERLING
Von der kolonialen Benennungspraxis zur Pseudo-Hispanisierung – diachrone und synchrone Fallbeispiele zu spanischen Toponymen in Florida und Kalifornien 225
Gernot Peter OBERSTEINER
Strukturreform und Namengut – am Beispiel von Toponymbildungen in der Steiermark 255


Autor/-inPosche ClaudiaAngela BergermayerJohanna WarmEva Martha EckkramerHolger WocheleSvenja Dufferain-OttmannAnne-Kathrin Gärtig-BressanMarietta CalderonNelson PuccioAntje LobinGerhard RamplSonja SälzerSandra HerlingGernot Peter Obersteiner
Herausgeber/-inSandra HerlingMarietta TichyMichael FringsSylvia ThieleAndre Klump
Anzahl der Seiten282
SpracheDeutsch
Erscheinungsdatum30.04.2019
Gewicht (kg)0.3660
ISBN-139783838207902

Friday, May 11, 2018

Programm der 131. Jahresversammlung des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung mit dem Schwerpunkt Namenkunde

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131. Jahresversammlung des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung mit einem Schwerpunkt „Namenkunde“

Kiel, 21.–24.05.2018

www.vnds.de

Programm

Montag, 21.05.2018

19.00 Uhr
Abendessen und geselliges Beisammensein, Restaurant LOUF, Reventlouallee 2, 24105 Kiel

Dienstag, 22.05.2018

9.00–9.30 Uhr
Eröffnung und Grußworte, Kunsthalle, Düsternbrooker Weg 1, 24105 Kiel

9.30–10.15 Uhr
Hubertus Menke (Kiel): Von Ahrensbök et eiusmodi similes. Zur Generalisierung und Differenzierung von toponymischen Greifvogelbezeichnungen

10.15–10.45 Uhr
Pause

10.45–11.30 Uhr
Friedel Roolfs (Münster): Familiennamen weiblicher Personen in Westfalen in historischer Perspektive

11.30–12.15 Uhr
Hanna Rieger (Kiel): Der Schatz des Fuchses. Zum Fuchs als metapoetische Figur im „Reynke de Vos“ (1498)

12.30–13.15 Uhr
Mitgliederversammlung

15.30–ca. 17.30 Uhr
Stadtrundgänge/Führungen

19.00 Uhr
Empfang durch den Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Kiel, Rathaus, Fleethörn 9, 24103 Kiel

Mittwoch, 23.05.2018

9.00–9.35 Uhr
Simone Busley (Mainz): Et Susanne is ne so eefach, dat hät so sien Kopp! Neutrale weibliche Rufnamen in (nieder)deutschen Dialekten

9.35–10.10 Uhr
Kirstin Casemir (Göttingen): SaffeSchickeBurtz und Ordenberg – Ostfälische Kurz- und Kosenamen bis 1650

10.10–10.40 Uhr
Pause

10.40–11.15 Uhr
Jürgen Udolph (Leipzig): Latein. aurum „Gold“, balt. áuksas, ausis „Gold“ in nord- und mitteldeutschen Ortsnamen?

11.15–11.50 Uhr
Renāte Siliņa-Piņķe (Riga/Lettland): Spuren des Mittelniederdeutschen in der lettischen Onomastik. Versuch eines Überblicks

11.50–12.25 Uhr
Katharina Oelze/Matthias Vollmer (Greifswald): Zu den Flurnamen der Schwedischen Landesaufnahme von Vorpommern (1692–1709)

12.25–14.25 Uhr
Mittagspause

14.25–15.00 Uhr
Damaris Nübling (Mainz): Frauen namens Klaas, Männer namens Frauke – Zur Durchlässigkeit der Geschlechtergrenze bei ostfriesischen Rufnamen

15.00–15.35 Uhr
Alexander Werth (Erlangen): Namengrammatik im Dienste der Indexikalität – Wie Sprecher des Niederdeutschen auf Personen referieren

15.35–16.05 Uhr
Pause

16.05–16.40 Uhr
Mirjam Schmuck (Mainz): die Alte kleintönnische Grete vs. klein Tonnieß Jorgen – Zur Diachronie des Definitartikels in erweiterten onymischen NPn im Niederdeutschen

16.40–17.15 Uhr
Theresa Schweden (Münster): Witen Pittet Schultens Annade Müller Karl und s Fischers Emma: Grammatik und Soziopragmatik inoffizieller Personennamen in (nieder)deutschen Dialekten

19.00 Uhr
Öffentlicher Abendvortrag, Kunsthalle, Düsternbrooker Weg 1, 24105 Kiel
Friedhelm Debus (Kiel): Namen: Woher sie kommen – was sie bedeuten

Donnerstag, 24. 05. 2018

9.00–9.45 Uhr
Annika Bostelmann/Doreen Brandt/Hellmut Braun (Rostock): „Künstlike Werltspröke“ und „Schönes Rimbökelin“. Zwei gedruckte mittelniederdeutsche Spruchsammlungen des 16. Jahrhunderts und ihre editorische und literarhistorische Erschließung

9.45–10.00 Uhr
Andreas Bieberstedt (Rostock)/Jörn Bockmann (Flensburg)/ Franz-Josef Holznagel (Rostock)/ Ingrid Schröder (Hamburg): Kurzvorstellung der neuen Editionsreihe „Mittelniederdeutsche Bibliothek“

10.00–10.45 Uhr
Marie-Luis Merten (Paderborn): Grammatikwandel digital-kulturwissenschaftlich: Mittelniederdeutscher Sprachausbau

10.45–11.15 Uhr
Pause

11.15–12.00 Uhr
Markus Schiegg (Erlangen)/Christina Eichhorn-Hartmeyer (Münster/Erlangen): Nord- und Niederdeutsches in Hamburger Patientenakten des frühen 20. Jahrhunderts

12.00– 12.45 Uhr
Lars Vorberger (Marburg): Niederdeutsch in Hamburger Straßennamen

12.45 Uhr
Ende des Vortragsprogramms


Tagungsort:
Kunsthalle Kiel, Düsternbrooker Weg 1, 24105 Kiel

Tagungsgebühr:
37,50 Euro (Studierende: 7,50 Euro)

Anmeldungen:
Prof. Dr. Michael Elmentaler, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Germanistisches Seminar, Niederdeutsche Abteilung, Olshausenstraße 40, 24098 Kiel, Tel. 0431-880-2318/-2331, elmentaler@germsem.uni-kiel.de

Tuesday, May 8, 2018

Call for Papers: Namenkundliche Informationen

Onomastikblog

Die Zeitschrift Namenkundliche Informationen (NI) erscheint seit 1964. Ursprünglich in Verantwortung Leipziger GermanistInnen, SlavistInnen und HistorikerInnen wird sie heute gemeinsam von der Philologischen Fakultät der Universität Leipzig und einem internationalen HerausgeberInnenteam als Publikationsorgan der  Deutschen Gesellschaft für Namenforschung e.V. (GfN) veröffentlicht. Die Zeitschrift erscheint in einem jährlichen Doppelband als Druckversion und als frei verfügbare Onlineausgabe. Alle Beiträge werden von international anerkannten WissenschaftlerInnen anonym begutachtet (peer reviewed / Doppelblindverfahren).
Wir nehmen Beiträge zu allen Themen der Namenforschung, insbesondere auch in ihren interdisziplinären Bezügen, entgegen. Publikationssprachen sind Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch.
Bitte senden Sie Ihren formatierten Beitrag an gfn@uni-leipzig.de. Das entsprechende Style-Sheet finden Sie aufwww.namenkundliche-informationen.de/fileadmin/ni/RedaktionsrichtlinienNI.pdf

Sunday, February 25, 2018

Tagung 2018 Namengeographie

GfN

Die Mainzer Namenforschung veranstaltet in Kooperation mit der Gesellschaft für Namenforschung e.V. am 17. und 18. September 2018 an der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz eine internationale Tagung zum Thema Namengeographie.

Anlass für die Tagung ist, dass der Deutsche Familiennamenatlas (DFA) mit Erscheinen des sechsten Bandes im Juli 2017 inhaltlich abgeschlossen ist. Ziel des Projekts war es, die häufigsten Familiennamen in Deutschland in ihrer räumlichen Verbreitung anhand grammatischer und lexikalischer Fragestellungen zu erfassen. Damit konnte der Atlas nicht nur die markante regionale Verbreitung vieler Familiennamen aufzeigen, sondern er erweist sich auch als Impulsgeber und Vorbild für weitere familiennamengeographische und -lexikographische Projekte im In- und Ausland. Beispiele sind das "Digitale Familiennamenwörterbuch Deutschlands", der "Familiennamenatlas Rheinland-Pfalz, Saarland, Hessen", der "Luxemburgischen Familiennamenatlas" bzw. das "Luxemburgische Familiennamenlexikon". Darüber hinaus zeigt sich, dass die geographische Auswertung auch in anderen Zweigen der Onomastik zu neuen Einsichten führt, wie Untersuchungen, beispielsweise zu Ruf-, Siedlungs-, Gasthaus- oder Straßennamen zeigen.
Als mögliche Themen bieten sich an:
- Auswertungen mit Material des DFA, Interpretation von DFA-Karten, auch unter Ein­bezug angrenzender Disziplinen.
- Präsentation von in Arbeit befindlichen, abgeschlossenen oder geplanten namengeographischen Projekten (Familiennamen und andere Namenarten) im In- und Ausland.
- Namengeographische Studien in bislang nicht oder wenig erforschten Bereichen wie Geschäftsnamen.
- Vorträge aus Nachbardisziplinen wie der Dialektologie, Geographie, Digital Humanities, Computerlinguistik, Informatik, die zur Weiterentwicklung der Namengeographie beitragen
(obligatorisch ist graphisches Material)
- Methodische Möglichkeiten, technische Lösungen, Visualisierung von Namendaten.
Ihren Themenvorschlag können Sie in Form eines Abstracts (maximal eine DINA4-Seite) bis zum 31.03.2018 per E-Mail an namengeographie@adwmainz.de senden. Ihre Anmeldung als Teilnehmer/Teilnehmerin senden Sie bitte bis zum 30.06.2018 an die selbe Adresse.

Monday, February 13, 2017

Rudolf Große (1924-2017)

http://www.onomastikblog.de/artikel/wuerdigungen/rudolf-grosse-1924-2017/

Rudolf Große (1924-2017) 

von Volkmar Hellfritzsch
Mit Rudolf Große, am 28. Juli 1924 in Heldrungen geboren, verlor die von Theodor Frings geprägte Leipziger Schule am 8.1.2017 einen ihrer letzten prominenten Vertreter. Nach dem Studium der Germanistik und des Lateinischen in Halle und Leipzig war er von 1952-1959 als Wissenschaftlicher Assistent am späteren Institut für Deutsche und Germanische Philologie bei Prof. Dr. Th. Frings tätig. 1954 hatte er mit seiner grundlegenden, die ostdeutsche Dialektologie fürderhin mitbestimmenden Arbeit "Die meißnische Sprachlandschaft: Dialektgeographische Untersuchungen zur obersächsischen Sprachgeschichte" promoviert und die Voraussetzung erworben, von 1959-1965 als Dozent für Germanistik tätig zu sein. Nach seiner Habilitation mit dem Thema "Die mitteldeutsch-niederdeutschen Handschriften des Schwabenspiegels in seiner Kurzform: Sprachgeschichtliche Untersuchungen" (1962) wirkte Rudolf Große an der Universität Leipzig: seit 1963 als Professor für Germanistik, ab 1969 bis zu seiner Emeritierung mit Erreichung der Altersgrenze 1989 als ordentlicher Professor für Geschichte der deutschen Sprache und Sprachsoziologie im Wissenschaftsgebiet Germanische Linguistik und Niederlandistik.
Der vielerlei Ämter und Funktionen bekleidende, von Studenten und Kollegen hoch geschätzte, bescheidene, freundliche und immer hilfsbereite Forscher und Hochschullehrer - der Unterzeichnete erinnert sich dankbar seiner Unterstützung und Zuwendung - hat rund 60 deutsche und ausländische junge Wissenschaftler zur Promotion geführt. (1) Rudolf Große, von dem es in der anlässlich seines 65. Geburtstags erschienenen Festschrift heißt, er verkörpere "in seinem Wirken in der neueren Entwicklung der germanistischen Linguistik wie kaum eine andere Gelehrtenpersönlichkeit die lebensvolle Einheit von wissenschaftsgeschichtlichem Erbe und aktuellen Erfordernissen, ... von Kontinuität und Innovation"(2), hat die Entwicklung der Namenforschung stets mit großem Interesse verfolgt und befördert. Hierzu gehören nicht nur eigene einschlägige Beiträge (3), seine beratende Anteilnahme an onomastischen Dissertations- (4) bzw. Habilitationsvorhaben (5) und seine Tätigkeit als Erstgutachter (6), sondern auch sein editorisches Wirken im Dienste von Publikationen, wie das auf Rudolf Großes Initiative mit Theodor Frings 1955 neu begründete "Wörterbuch der obersächsischen Mundarten" (7), die Mitwirkung an der Herausgabe der Reihe "Deutsch-Slawische Forschungen zur Namenkunde und Siedlungsgeschichte" oder die Herausgabe von Band II-IV des "Althochdeutschen Wörterbuchs" (8), auf die sprach- und regionalhistorisch orientierte namenkundliche Untersuchungen kaum verzichten können.
Rudolf Große ließ es sich nicht nehmen, sooft es ihm möglich war, an den Jahrestagungen und Kolloquien der Leipziger Namenforscher und ihrer Gäste teilzunehmen. Wir werden ihn sehr vermissen.
(1) Über sein Wirken und seine Publikationen geben folgende Hinweise zuverlässig Auskunft: Große, RudolfProf. Dr. sc. habil. Friedrich Paul GroßeRudolf Große, Prof. Dr. phil. habil.
(2) Heinemann, Sabine / Müller, Ulrich (Hg.): Soziokulturelle Kontexte der Sprach- und Literaturentwicklung. Festschrift für Rudolf Große zum 65. Geburtstag. Stuttgart 1989, zitiert nach Leipzig-Lese, Rudolf Große, Geburtstage-Jahrestage
(3) Große, Rudolf: Namenforschung und Sprachgeschichte im Meißnischen. In: Leipziger Studien. Theodor Frings zum 70. Geburtstag (= Deutsch-Slawische Forschungen zur Namenkunde und Siedlungsgeschichte 5), Halle (Saale) 1957, 63-79. Vgl. auch seine Mitarbeit an Eichler, Ernst / Lea, Elisabeth / Walther, Hans: Die Ortsnamen des Kreises Leipzig (= Deutsch-Slawische Forschungen zur Namenkunde und Siedlungsgeschichte 8), Halle (Saale) 1960, vgl. hier S. 3.
(4) Vgl. z.B. Göschel, Joachim: Die Orts-, Flur- und Flussnamen der Kreise Borna und Geithain. Namenkundliche Untersuchungen zur Sprach- und Siedlungsgeschichte Nordwestsachsens (= Mitteldeutsche Forschungen 31), Köln/Graz 1964, S. VIII.
(5)  Vgl. Naumann, Horst: Die bäuerliche deutsche Mikrotoponymie der meißnischen Sprachlandschaft (= Deutsch-Slawische Forschungen zur Namenkunde und Siedlungsgeschichte 30), Berlin 1972, S. 4.
(6) Hellfritzsch, Volkmar: Vogtländische Personennamen. Untersuchungen am Material der Kreise Plauen und Oelsnitz (= Deutsch-Slawische Forschungen zur Namenkunde und Siedlungsgeschichte 23); Neumann, Isolde: Die bäuerlichen Familiennamen des Landkreises Oschatz (= Deutsch-Slawische Forschungen zur Namenkunde und Siedlungsgeschichte 25), Berlin 1970; Solluntsch, Marit: Bei- und Familiennamen der Stadt Leipzig von den Anfängen bis 1500, Phil. Diss. Leipzig 1991.
(7) Vgl. dasselbe, Band 3, unter der Leitung von Gunter Bergmann bearbeitet von Gunter Bergmann, Ingrid Eichler et al. Berlin 1994, S. X.
(8) Althochdeutsches Wörterbuch. Auf Grund der von Elias von Steinmeyer hinterlassenen Sammlungen, im Auftrag der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, begründet von Elisabeth Karg-Gasterstädt und Theodor Frings, Berlin 1999-2007.
Volkmar Hellfritzsch

Tuesday, November 22, 2016

Onomastik des Rolandsliedes (2017)

https://www.degruyter.com/view/product/470038?format=EPUB

Beckmann, Gustav Adolf

Onomastik des Rolandsliedes

Namen als Schlüssel zu Strukturen, Welthaltigkeit und Vorgeschichte des Liedes

DE GRUYTER MOUTON

Produktinfo

Diese ambitionierte Untersuchung aller Eigennamen des Rolandsliedes stützt sich für die Geographica auf eine systematische Erfassung der einschlägigen Literatur von der Antike bis nach 1100, für die Namen der Hauptpersonen (Marsilie, Baligant, Ganelon, Turpin, Naimes, Olivier, Roland, Karl) auf eine Durcharbeitung (nahezu) der gesamten urkundlichen Überlieferung Frankreichs und seiner Nachbarregionen von 778 bis ins frühe 12. Jahrhundert.
Auf dieser Basis gelingen für die nichtchristliche Seite unter anderem detaillierte (und strukturell einfache!) Erklärungen des Völker-Katalogs, der überdachenden Organisation von Baligants Reich, des muslimischen Nordafrika, des Korpus der Zwölf Anti-Pairs sowie der ‘Heiden’götter. Ähnlich umfassend sind die Ergebnisse für die christliche Seite. Selbst die Namen der Waffen erweisen sich, indem sie sehr dezent auf ihren jeweiligen Besitzer abgestimmt sind, als kleines strukturiertes Ganzes.
Das Gesamtergebnis ist eindeutig: Das erhaltene Lied ist bis in kleinere Szenen hinein straffer und profunder durchstrukturiert als allgemein angenommen, es ist zudem erheblich welthaltiger, und es hat eine sehr lange Vorgeschichte, die sich in den Umrissen, wenn auch mit abnehmender Sicherheit, fast bis zur fränkischen Niederlage von 778 zurückverfolgen lässt.

Details

Ca. 975 Seiten
DE GRUYTER MOUTON
Sprache:
Deutsch
Werktyp:
Monographie
Schlagwort(e):
Rolandslied; Epenforschung; Namenforschung
Zielgruppe:
Mediävisten, Frankoromanisten, Sprachwissenschaftler, Namensforscher

199,95 € / $229.99 / £163.99*

eBook (EPUB)
Erscheinungsdatum:
2017
Erscheint:
Februar 2017
ISBN
978-3-11-049188-3

Monday, October 10, 2016

Namenkundliche Informationen Band 105/106 (2015)

http://www.onomastikblog.de/artikel/neuerscheinungen/namenkundliche-informationen-band-105106-2015/

Endlich erschienen!
Dank der guten Zusammenarbeit mit dem Leipziger Universitätsverlag konnte Band 105/106 (2015) unserer Zeitschrift Namenkundliche Informationen pünktlich zur Mitgliederversammlung am 8. Oktober erscheinen. Der stattliche Band erhält ein besonderes Gewicht durch die Akten der Regensburger Tagung „Namen und Recht in Europa“, die im vergangenen April in Zusammenarbeit der GfN und des Arbeitskreises Sprache und Recht der Universität Regensburg stattgefunden hat. Erstmalig wird hier ein zusammenfassender Überblick über europäische Rechtsvorschriften zur Namengebung geboten. Als Online-Ausgabe wird der Band Anfang 2017 erscheinen. Wir wünschen dieser über rein namenkundliche Themen hinausgehende Publikation ein breites Publikum.
Das Cover finden Sie hier zum Download.

Inhalt / Contents

A. Themenschwerpunkt / Main Topic

Namen und Recht in Europa / Names and the Law in Europe
Akten der Tagung in Regensburg, 16. und 17. April 2015 /Conference Papers, Regensburg, 16 and 17 April 2015
Christian Lohse / Albrecht Greule: Vorwort / Preface
Dieter Kremer: Begrüßung / Welcome 
Festvortrag / Lecture
Michael Stolleis: Die Benennung der Welt / The naming of he world 
Einführung / Introduction
Friedhelm Debus: Was ist ein Name? / What is a name?
Waren- und Firmennamen und Recht / Brand-names, Business Names and the Law
Elke Ronneberger-Sibold: Deutsche Firmennamen aus sprachwissenschaftlicher Sicht / German companynames from a linguistic perspective
Jörg Fritzsche: Das Unionsrecht der Warennamen / The Union law of trade names
Personennamen und Recht in Deutschland / Personal names and the law inGermanyKonrad KunzeDeutsche Familiennamen aus sprachwissenschaftlicher Sicht / German surnamesfrom the linguistic perspective
Dieter Schwab: Deutsche Familiennamen aus rechtswissenschaftlicher Sicht / German surnamesfrom a legal perspective
Personennamen und Recht in Großbritannien / Personal names and the lawin Great Britain
Richard Coates: Britische Personennamen aus sprachwissenschaftlicher Sicht / British personalnames from a linguistic perspective
Saskia Lettmaier: Britische Personennamen aus rechtswissenschaftlicher Sicht / British personalnames from a legal perspective
Personennamen und Recht in der Romania / Personal names and the law inthe Romance Languages
Dieter Kremer: Personennamen der Romania aus sprachwissenschaftlicher Sicht / Romance personal names from a linguistic perspective
Walter Pintens: Personennamen der Romania aus rechtswissenschaftlicher Sicht / Romancepersonal names from a legal perspective
Personennamen und Recht in Russland / Names and the Law in Russia
Natalija Vasil'eva: Russische Personennamen aus sprachwissenschaftlicher Sicht / Russian personalnames from a linguistic perspective
Antje Himmelreich: Russische Personennamen aus rechtswissenschaftlicher Sicht / Russian personalnames from a legal perspective
Zum Abschied / Fairwell
Christian LohseWie der Name unseres Erdteils entstand / How the name of our continentarose

B. Aufsätze/Articles

Stefan Ruhstaller: Der Name des bedeutendsten steinzeitlichen Baudenkmals der Iberischen Halbinsel / The name of the most important Stone Age monument of the Iberian Peninsula
Harald Bichlmeier: Ein neuer Blick auf die ältesten Orts- und Gewässernamen in (Mittel-)Europa /A new view of the oldest toponyms and hydronyms in (Central) Europe
Michael Belitz: Milde-Biese-Aland. Quellenkritische Überlegungen zu den Namen eines altmärkischenFlusssystems / Milde-Biese-Aland. Source-critical reflections on the namesof a river system in the Altmark
Karlheinz Hengst: Ostthüringisch Magdala und Ma(g)del, aber Maina und Moinwinida? Kritische Betrachtungen zu einigen geographischen Namen und ihrer Geschichte / East-Thuringian Magdala and Ma(g)del, but Maina and Moinwinida? Critical reflections on some geographical names and their history
Achim Fuchs: Vacha ‒ Faschau ‒ Jachsheim. Kritische Betrachtungen zu Überlieferung und Sprachgeschichte dreier Südthüringer Ortsnamen / Vacha ‒ Faschau ‒ Jachsheim. Critical observations on the documentary and linguistic history of three South-Thuringian toponyms
Walter Wenzel: Der Slawengau Quezici im Licht der Ortsnamen. Mit zwei Karten / The Slavonicdistrict Qzezici in the light of place names. With two maps

C. Besprechungen und Diskussionen / Revues und Discussion

Harald Bichlmeier und Karlheinz Hengst: Der Ortsname Merseburg - zur Konjunktur seiner Erforschung / On the boom in research on the toponym Merseburg.
Harald Bichlmeier: Einige Anmerkungen zum Ortsnamen Merseburg / Some remarks on the toponymMerseburg
Karlheinz Hengst: Der Ortsname Merseburg und sein Geheimnis / The toponym Merseburg and itssecret

D. Berichte und Würdigungen / Reports and Appreciations

Nachruf auf / Obituary of Hans Walther (Karlheinz Hengst)
Nachruf auf / Obituary of Horst Naumann (Friedhelm Debus)
Nachruf auf / Obituary of Wilhelm F.H. Nicolaisen(Dietlind Kremer)
Nachruf auf / Obituary of Rob Rentenaar (Volker Kohlheim).

Autoren / Authors

Das Inhaltsverzeichnis finden Sie hier zum Download.

Saturday, September 3, 2016

Rez.: Familiennamen nach Beruf und persönlichen Merkmalen (DFA 5)

http://www.onomastikblog.de/artikel/ni-rezensionen/rez-dfa5/

Fabian Fahlbusch und Simone Peschke: Familiennamen nach Beruf und persönlichen Merkmalen (Deutscher Familiennamenatlas 5), Berlin-Boston: De Gruyter 2016, XLI + 1065 S., 419 Karten – ISBN: 978-3-11-042446-1, Preis: EUR 299,00 (DE).


Rezensiert von Volkmar Hellfritzsch, Stollberg
Nachdem im Anschluss an die Behandlung grammatischer Phänomene mit Band 4 des innovativen, auf seine Weise bisher einzigartigen anthroponomastischen Atlas-Werkes und den Namen nach Herkunft und Wohnstätte die lexikalische Abteilung eröffnet wurde, legen Herausgeber und Autoren mit Band 5 nunmehr eine Darstellung der Namen vor, die durch Beruf, Stand oder Amt (Teil I: Berufsnamen) bzw. durch körperliche, charakterliche oder biographische Merkmale (Teil II: Übernamen, außer Beruf, Stand oder Amt) motiviert sind. (Anm. 1) Zweifellos wurde die Bearbeitung dieser beiden umfangreichen und komplexen, auf nicht-onymischem Material beruhenden Motivationsgruppen mit speziellem Interesse erwartet, lassen sie doch vielerlei neuartige und vertiefte Einsichten in nicht zuletzt unter sprachhistorischem, dialektgeographischem, kulturgeschichtlichem und psychologischem Aspekt besonders instruktive Bereiche des deutschen Wort- und Namenschatzes erwarten.

Ebensolche Gesichtspunkte und Beziehungen behalten die Autoren von Anfang an konsequent im Blickfeld, indem sie nicht von der Benennungsweise ausgehen oder vorrangig bestrebt sind, die Verbreitung einzelner Namen zu dokumentieren. Stattdessen werden – den Teil  „Übernamen“ stark entlastend – „jeweils vom Motivationsbereich her zusammengehörige Namen zusammen behandelt, gleich, ob sie durch direkte oder indirekte Benennung [metonymisch oder metaphorisch V. H.] entstanden sind (Metzger, Kalbfleisch usw.; Langbein, Storch usw.)“ (S. XXIV). Demzufolge wurden die jeweiligen Onyme bei der Konstituierung der Kartenthemen „im Spektrum ihrer Varianten“ dargestellt (K.: 95 Schlieper, Schlipper, Schleifer, Schliefer; K. 101: Diller, Dillschneider) und ins Umfeld konkurrierender Namen eingebettet, „um Strukturen und Bedingungen onymischer Raumbildungen aufzudecken“. (S. XXV) Methodisch ebenfalls neuartig und diesem Anliegen höchst dienlich ist die Einbeziehung lateinisch-deutscher Vokabularien wie des Liber ordinis rerum (Esse-Essencia-Glossar), des Stralsunder Vokabulars, des Vocabularius Ex quo usw. (vgl. S. XXVI, Anm. 10), womit die beim Vergleich der betreffenden Namen verschiedentlich auftretende Schwierigkeit minimiert wird, spätmittelalterliche Bedeutungsfelder und Benennungsanlässe präzise zu benennen und die lokal bzw. regional geltende Bedeutung der deutschen Wörter exakt zu ermitteln. Wie das aufschlussreiche Beispiel von lateinisch spelta und die Übersetzungen als spelt/spelz bzw. vesen/dinkel zeigen (K. 21–23), können manche der vorgelegten Kartenkonzepte „erstmals im umfassenden Rahmen eines Namenatlasses neue Indizien und Impulse zur Klärung von Fragen der historischen Semantik und der Namenmotivation bieten“. (S. XXVI)

Die Gliederung der behandelten dominanten Motivationsbereiche „richtet sich nach den gängigen Handbüchern“ (S. XXIV): im ersten Teil (S. 2–655, K. 1–251) von den „Urberufen“ der Landwirtschaft (Bauern, Landarbeiter; Getreide-, Gemüse-, Obstbauern; Weinbauern, Bienenzüchter; Hirten; Tierkastratoren) über die verschiedenen Gewerbe (Nahrungsmittel, Ton-, Metall-, Holzverarbeitung; Bau-, Leder-, Textil- und Pelz-, Dienstleistungsgewerbe) bis hin zu Ämtern in der weltlichen und kirchlichen Verwaltung (grundlegend Bach 1952/53 I, 1: §§ 245–246, danach z. B. Gottschald 1982: 51–53; Naumann 2009: 34–38; Duden FamN 2005: 33–38). Unter dem Titel „Familiennamen nach persönlichen Merkmalen“ vereint der zweite Teil (S. 656–1065, K. 252–419) nicht nur Übernamen, „die sich ausschließlich auf ein Merkmal/eine Eigenschaft der benannten Person selbst“ (Kohlheim/Kohlheim 2014: 149) und damit auf den gesamten Körper (Größe, Umfang, Plumpheit, Haare und Körperteile) sowie den Charakter und bestimmte Verhaltensweisen beziehen: Wesensart; Sprachverhalten und – nahe Beieinanderliegendes notwendigerweise zusammengefasst – Klugheit, Tapferkeit, Temperament; Freundschaft, Feindschaft, Aggressivität; Ess-, Trink-, Schlafgewohnheiten. Einbezogen sind auch „Biographische Merkmale“ (Generationen, personale Beziehungen; Jahreszeiten, Monate; Tage, Tageszeiten), also Benennungen, die andernorts (Kohlheim/Kohlheim ebd.) – unseres Erachtens terminologisch zutreffend – als „Relationale Übernamen“ bezeichnet werden, d. h. „Übernamen, die auf soziale oder familiäre Beziehungen des Namenträgers Bezug nehmen“. Wie kompliziert sich die Erarbeitung eines solchen semantischen Rasters gestaltet, dass Kompromisse bei der Fülle des Materials unumgänglich sind und sich thematische Überschneidungen nicht völlig vermeiden lassen, zeigt der den biographischen Merkmalen zugeordnete Bedeutungskomplex „Leid, Freude“ (S. 979–999) mit Namen wie Kummer, Sorg (K. 383–384), Glück (K. 390) oder Ansorge (K. 389) und ihrer Varianten und konkurrierenden Formen, die man sich auch dem Komplex „Charakter, Verhaltensweisen“ zugeordnet vorstellen kann.
So vereinen bei den FamN (Anm. 2) nach Berufen etwa K. 90: Nagel, Nägele und Nagler für den Nagelschmied und K. 92 Spohr, Sporn, Spor(r)er, Spör(r)er für den Sporenmacher. Um diese innovative, in ihrer Komplexität und Konsequenz bisher noch nicht dagewesene onomasiologisch-onomastische Herangehensweise der Autoren an einem weiteren Beispiel genauer zu verdeutlichen, sei im Rahmen der FamN des Textil- und Pelzgewerbes – infolge des umfangreichen Materials letztlich nur andeutungsweise möglich – auf die Untergruppe der Schneider, Seidensticker und Kürschner (8.2, S. 446–483) verwiesen. Hier werden nicht nur die direkten Berufsnamen Schneider (dazu auf das Sorbische, Polnische, Ungarische oder Englische zurückgehende Formen wie Krautz[ig], Krawczyk, Szabo, Taylor usw.), Schröder, Näther, Seidenspinner, Seidenst(r)icker und ihre zahlreichen regionalen (graphischen) Nebenformen (K. 172–175, 177), sondern des Weiteren eine erstaunlich große Vielzahl indirekter Berufsnamen (Simplizia, Komposita, Derivata, Satznamen) dargestellt. In diesem Kapitel mit 15 Nebenkarten findet man – immer unter Berücksichtigung möglicher Deutungskonkurrenzen – Namen unterschiedlichster Art, mithin oft über die Semantik der „Grundformen“ hinausgehende, diese vielfältig erweiternde und dabei Überschneidungen mit anderen Motivationsgruppen nicht ausklammernde Bildungen und Spezialfälle: Speer-, Bogen-, Wand-, Hof(f)-, Ulm-, Baderschneider; Schneiderheinze, -bauer, -meier, -mann, -win(d); Feld-, Kamp-, Wernekenschnieder; Schniederjohann etc. Hinzu treten eine Anzahl nicht nur auf das Werkzeug oder das Arbeitsverhalten des Schneiders bezogene Übernamen wie Stich, Faulstich, Fingerhut (K. 176), sondern vor allem eine Menge von Bildungen, denen Bezeichnungen für Kleidungsstücke zugrunde liegen: Bunt-, Blau-, Schwarzrock (K. 178); Schoppe, Jopp, Janker (K. 179) mit auffälliger Konzentration des Letzteren im Südosten; Kitt(e)l, Kittler, Kittelmann (K. 181); Kagel, Kogel, Jugel und Ähnliche (K. 182) zu mhd. gugel(e), kugel, kogel, mnd. kog(g)el, kagel ‘Kapuze’.

Man darf den Autoren bereits an dieser Stelle versichern, dass es ihnen mit den insgesamt 46 thematischen Komplexen und den 419 zugehörigen Karten auf Grund der festgelegten Auswahlkriterien überzeugend gelungen ist, die repräsentativsten, am dichtesten besetzten Variantenfelder zu erfassen. Damit ermöglicht Band 5 des Deutschen Familiennamenatlas – trotz aller notwendiger Beschränkung – im Vergleich zur bisherigen Forschung substantiell vertiefte Einsichten in Wesen, Motivik und Semantik der Berufs- und Übernamen.

Die konzeptionell wohlbegründete Zusammenschau von BerufsN und BerufsÜN sowie die vielfältigen Möglichkeiten, die eine Zuordnung bestimmter Namen nach persönlichen Merkmalen gestatten, machen anderseits deutlich, welch teilweise radikale Beschränkungen sich die Autoren auferlegen mussten. Deshalb darf es beispielsweise nicht verwundern, dass eine ganze Anzahl von weit verbreiteten Namen keine Aufnahme in den Atlas gefunden haben bzw. (in solchen Fällen allerdings häufig mit Verweisen, vgl. u. a. S. 752 zu Ra[a]b[e], Rapp) in den vorhergehenden Bänden unter anderem Aspekt nachzuschlagen sind. Vogel, um ein weiteres Beispiel zu nennen, dient in Band 1, K. 318, zusammen mit Vogl der Demonstration der Synkope von -el zu -l. Aber auch in solchen Fällen lohnt sich eine genaue Recherche. Während König (Rang 38 der häufigsten FamN in Deutschland) zunächst in Band 3 als Komponente von Bindestrich-Doppelnamen (590–593) behandelt wird, erscheint er in Band 5 zusammen mit Kaiser auf K. 400 und erneut auf der folgenden Karte (K. 401: Könning, Köning, Könings, Koning, Künning), um zu demonstrieren, wo das -n- von mnd. kon(n)ink ‘König’ erhalten ist. Wie dem auch sei: Bei sorgfältigerer Lektüre der einzelnen Kapitel ist man immer wieder überrascht, ja erstaunt, wie weit die Autoren semantische Bezüge hergestellt und welche Fülle von Namen – oftmals regelrechte Namenfelder – sie aufgedeckt haben. Hier ist bereits deutlich zu erkennen, welch wichtige Rolle das als Band 7 geplante Register (Anm. 3) bei der Erschließung des im Deutschen Familiennamenatlas vereinten Reichtums an Namen und sprachwissenschaftlichen Erkenntnissen einnehmen wird.

Aus der Vielfalt der dargestellten Sachverhalte ragen auch in Band 5 wieder Karten hervor, die Fälle relativ gleichmäßiger Verteilung zeigen, wie unter 4.3 Jahreszeiten, Monate K. 402: Winter, Sommer, im Großen und Ganzen auch Herbst auf K. 405. Dem gegenüber stehen Karten, die starke regionale Konzentrationen bestimmter Formen zutage fördern: K. 404 mit den Typen Fröhling, Frieling, Frühling im Nordwesten. Der kontrastierend hierzu gestellte Name Spätling, gehäuft im Dreieck Bamberg–Bayreuth–Nürnberg, der „sich gegen das ältere Herbst nicht durchsetzen“ konnte (S. 1035), ist in dieser Bedeutung hauptsächlich für das Alemannische bekannt (Fischer 1904–1924, 5: 1489) und gehört wohl als Bezeichnung für einen von seinen Eltern spät Geborenen bzw. für jemanden, der bei/mit etwas (zu) spät kommt (DWB 2004, 16: Sp. 1999; Scheffler-Erhard 296) eher in den Bereich 3.1 „Wesensart“ oder 4.2 „Generationen, personale Beziehungen“.

Um einige weitere Beispiele zu nennen: Äußerst eindrucksvoll wird die Verteilung und Bedeutungsdifferenzierung von Schnitzler sichtbar: im Rheinland in der Regel ‘Tischler’, in Süddeutschland vorwiegend ‘(Bild-)Schnitzer’ (S. 282f., K. 108), so dass im Zusammenhang mit Schreiner und Tischer (K. 106) eine geographisch klar zu unterscheidende Bezeichnung für den Tischler zu erkennen ist. Auffällig, wie sich Typ Hamacher (K. 157), auf mnd. hamaker ‘Hersteller von Geschirren für Zugtiere’, rhein. Hammacher (RhWB III: Sp. 174f.: Hamen) zurückgehend, mit starker Verdichtung im Dreieck Solingen–Dortmund–Duisburg, von Sattler abhebt oder südwestsächsisches Tuchscherer, im Verbund mit Weißflog, von südlichem Kratzer bzw. Kemmler und westlichem Flock (K. 168). Oder Faßnacht (vor allem im Südwesten) gegenüber Fastabend (im Westen) und Fasching mit Faschingbauer im Süden bzw. Südosten (K. 417) und so fort.

Hervorzuheben sind auch Karten, die durch kontrastierende Darstellungen im semantischen Bereich neuartige Perspektiven eröffnen: Bereits Unterkapitel „1.1 Körpergröße“ des mit „1 Gesamter Körper “ den zweiten Hauptteil („II Familiennamen nach persönlichen Merkmalen“) und damit die Darstellung der Übernamen im engeren Sinne eröffnenden Kapitels, das auf besonders zahlreiche, bereits in den Bänden 1–3 dokumentierte Formen zu lang, groß und klein verweisen kann, überrascht nicht nur durch eine in diesem Umfang in der Fachliteratur bisher noch nicht dargebotene Fülle von FamN. (Anm. 4) Die konsequent eingehaltene onomasiologische Sicht bietet neben den dialektalen Varietäten der drei Grundformen (K. 252: Klein, Kleen, K. 253: Kleine, Kleinen, Kleen, Kleene gesondert; K. 254: Kurz, Kurze, Kurth, Korte) neuartige Synopsen, wie K. 255: Klein, Kurz oder K. 256: Lang, Groß; K. 257: Groß, Klein; K. 258: Lang, Kurz, die nicht nur Einsichten in bislang kaum beachtete lexikalische Distributionen gestatten. Sie werfen auch Fragen nach der Wertigkeit einzelner Bedeutungskomponenten sowie hinsichtlich wahrnehmungspsychologischer und das Wort- bzw. Namenfeld und seine semantische Strukturierung betreffender Aspekte auf. Ergänzend treten auch hier Verbreitungskarten zu entsprechenden Komposita (K. 259f.: Groß-, Groth-/Kurz-, Kortmann; Klein[hans] usw. und (hier in Auswahl) Konkurrenten wie Ries, Riese, Reese; Dorsch, Dirsch; Stange, Stangl, Stengel, Stingl; Strack, Stracke; Sperling, Spatz, Lüning, Mösch, Sperk und andere mehr hinzu (K. 261–K. 266).

Die besondere Bedeutung von Band 5 des großen Atlas-Werkes über die deutschen Familiennamen reicht weit über die Anthroponomastik hinaus. Der Sprach-, Wirtschafts-, Sozial- und Kulturgeschichte sowie zahlreichen anderen wissenschaftlichen Disziplinen liefert er nicht nur wertvolle Erkenntnisse und vertiefte Einsichten, sondern, was viel schwerer wiegt, von ihm gehen vielfältige Impulse aus, die gebotenen Sachverhalte zu hinterfragen, zu interpretieren und neu zu bewerten, mithin die Forschung zu befördern, sowohl in Bezug auf das geschichtlich Gewordene als auch hinsichtlich zukünftiger Entwicklungen. Unter diesem Aspekt sind die folgenden Ausführungen lediglich als Bemerkungen zu dem einen oder anderen Einzelproblem, nicht aber als Kritik an einer Hochachtung und Dankbarkeit gebietenden Publikation zu verstehen, die in die Reihe der großen Sprach- und Wortatlanten des Deutschen gehört.

In diesem Sinne wollen wir in der Reihenfolge der beiden Motivationsgruppen zu einigen Aspekten Stellung nehmen, zu denen uns der Atlas angeregt hat:

(1) Familiennamen nach dem Beruf

Da die Autoren die gesamte einschlägige Literatur souverän beherrschen und auswerten, sind die gebotenen Etymologien – zumal Konkurrenzen stets beachtet werden – in hohem Maße zuverlässig. Dies schließt jedoch nicht aus, dass im Detail – dies bleibt die Ausnahme – Einwände erhoben, Ergänzungen vorgenommen oder Hinweise gegeben werden können. So ist den Bearbeitern eines der Hauptprobleme – sie nennen es „ein prinzipielles Defizit des DFA“ (Dräger/Kunze 2015: 18) –, die Schwierigkeit, zielsicher auf HerkunftsN zu rekurrieren (Anm. 5), sattsam bekannt. Ob also bei Typ Höner (K. 2) für den Hufenbesitzer SiedlungsN wie Hohn oder Höhn einzubeziehen sind, ist angesichts deren teilweise geringen Alters mehr als fraglich. (Anm. 6) Für den zu den BerufsN für den Gerber gestellten, im Raum Erfurt nur mit geringer Frequenz bezeugten FamN Lederhausen (S. 359) kommt der ostthür. Ort Lederhose sicherlich kaum in Betracht, zumal bereits Zoder 1968 II: 29, auf den Bezug genommen wird, „entstellt“ vermerkt und Fragezeichen setzt. Man wird am ehesten – wie bei dem OrtsN selbst – an einen den hosen- oder strumpfförmigen Umriss des Grundstücks bezeichnenden FlurN, auch nicht an mhd. lederhūs ‘Gerberei’ (vor allem obd. incl. schweizerdt.7), zu denken haben (Rosenkranz 1982: 43; Südhess. FlNB: 634).

Bei den BerufsN, die sich auf den Obstbauern beziehen, werden außer Obst, Obser, Obstfelder, Obstmeier (K. 30, gutes Beispiel für die Zusammenschau beider Motivationsgruppen) und den Bildungen zu Kirsche Obstarten wie Apfel, Birne, Pflaume u. a. ausgelassen. Dies ist nicht nur angesichts der notwendigen Begrenzung vollkommen verständlich, sondern auch wegen zahlreicher etymologischer Unwägbarkeiten bei entsprechenden Formen. So können beispielsweise bei häufig belegtem Apfel, das man hier – etwa als ÜberN für den Obstverkäufer – zunächst erwartet, die einzubeziehenden hochfrequenten (nd.) Appel-Varianten wie Apel Kurzformen zu Albrecht sein und die Aussagekraft des Kartenbildes in Bezug auf die Speyerer Linie (vgl. hingegen Band 2, K. 22: Hopf, Hoppe) stark beeinträchtigen.

Abb. 1: Verbreitung der Familiennamen Appel, Apfel in Deutschland (Entwurf V. Hellfritzsch)
Maisch/Meisch in den Großräumen Karlsruhe und Stuttgart (S. 90), zu mhd. meisch ‘Traubenmeische’ gestellt, erweist sich eindeutig als indirekter BerufsN für den Weinbauern. Hinzufügen wollen wir den besonders im Westerzgebirge mit Konzentration im Raum Auerbach–Gornsdorf vorkommenden FamN Meischner, der zu Meische als Zwischenprodukt des Bierbrauens gehört.

Abb 2: Verbreitung des Familiennamens Meischner in Deutschland (Entwurf V. Hellfritzsch)

Bei den folgenden Ausführungen nutzen wir von Fall zu Fall unsere zur Kartierung aktueller Namenverbreitungen entwickelte Software (vgl. Felske/Hellfritzsch 2009), um auf das bedeutsame, der gründlichen onomastischen Auswertung noch immer harrende Reichssteuerregister des Fürstentums Brandenburg-Ansbach-Kulmbach von 1497 (RSR) zurückzugreifen (vgl. Hellfritzsch 2011: besonders 8–10) und historische Sachverhalte einzubeziehen. Diese Quelle deckt nicht nur weite Gebiete Mittel- und Oberfrankens ab, sondern reicht unmittelbar an Obersachsen heran, so dass es möglich ist, sprachliche Prozesse gegen Ende des 15. Jh. – in einem sensiblen sprachlichen Kontaktgebiet zumal – genauer zu beleuchten.

Die im DFA Band 5 den BerufsN für den Hirten beigeordneten Namen zu Geiß und Ziege (K. 40 und S. 107–110) ergänzen wir trotz relativ geringer Belegzahl durch Ziegengeist, eine aufschlussreiche, durch Unsicherheit im Gebrauch und schließlich durch sekundäres -t umgedeutete tautologische Kompromissbildung, die ursprünglich wohl im vogtl.-oberfrk. Raum, nördlich „der heutigen Geiß-Ziege-Grenze bis zu einer Linie Straßburg–Nürnberg–Eger“ (König 2005: 211), zu Hause war. Unsere Karte zeigt neben dem heutigen Vorkommen zugleich die historische Verbreitung vom 14. bis 16. Jh. nach Hellfritzsch 1992: 223 (zuerst: Plauen 1382), RSRoG, 35 (Hof) und Grünert 1958: 450.

Abb. 3: Heutige und historische Verbreitung des Namens Ziegengeist in Deutschland (Entwurf V. Hellfritzsch)

Pfister, aus lat. pistor ‘Bäcker’, erscheint auf K. 46 außer im Südwesten relativ stark gehäuft im Raum Schweinfurt. Für das ausgehende Mittelalter und die beginnende Neuzeit kennzeichnet Kunze 2005: 114 (A) ein ungefähres Gebiet noch südlich von München. Die vermutlich einstige Grenze eines deutschen pistor-Gebiets lässt er nördlich von Nürnberg bis an den Main heranreichen. Abb. 4 kann diese Annahme noch für das ausgehende 15. Jh. bestätigen.

Abb. 4: Verbreitung des Bei- bzw. Familiennamens Pfister 1497 (Entwurf V. Hellfritzsch)

Fleischer, heute die offizielle Bezeichnung des Fleischerhandwerks, sei, so wird allgemein angenommen (Kluge/Mitzka 1975: 204f.; Braun 1976: 77), als Klammerform aus Fleischhauer entstanden (so zunächst auch wir selbst, vgl. Hellfritzsch 2007: 69).

Im vorliegenden Atlas, S. 155, wird auch Fleischhacker als Ausgangsform einer Verkürzung (Klammerform) zu Fleischer angesehen. Ob die Identität des Verbreitungsgebietes beider Konkurrenten und die Tatsache, dass Grünert 1958: 242 a. 1436 Kune Fleyschower und a. 1441 Chune Fleischer verzeichnet, worauf Kluge/Mitzka ebd. ausdrücklich verweisen, die Entstehung von Fleischer aus Fleischhauer zweifelsfrei bestätigen (Anm. 8), scheint fraglich. Solche Namengleichungen zeigen unseres Erachtens eher das Nebeneinander zweier gleichzeitig existierender Namenformen, als dass sie die Entstehung von Fleischer aus Fleischhauer eindeutig beweisen. Bei Fleischer, als Vleischer 1365 in Schlesien früh bezeugt (Reichert 1908: 103), appellativisch 1374 (Bahlow 1953: 104) (Anm. 9), dürfte, ausgehend von mhd. vleischer ‘Fleischer, Metzger, carnifex; lanista; Henker’ und mhd. vleischen ‘zerfleischen; schlachten’ (Lexer 1872–1878, II: 395f.) die negative Bedeutung im Sinne eines Scharfrichters von vornherein sekundär gewesen und rasch zugunsten der in den Lebensmittelbereich gehörenden Handwerker-Bedeutung verblasst sein, so dass es sich schließlich im Ostmitteldeutschen und darüber hinaus als Wort der Schriftsprache etablieren konnte.



Abb. 5: Verbreitung der Bei- bzw. Familiennamen Fleischmann, Metzler, Metzger 1497 (Entwurf V. Hellfritzsch)

Wie auf Abb. 5 zu erkennen ist, wird unser Gebiet stark von Metzler dominiert, Metzger spielt noch eine untergeordnete Rolle (vgl. dazu die beiden Karten bei Kunze 2004: 112) und fehlt im oberfrk. Raum völlig. Ansonsten gilt Fleischmann (zur heutigen Verbreitung vgl. Klausmann 2009: Karte 34). Fleischhauer ist überhaupt nicht vertreten. Auch Fleischhacker fehlt bis auf einen Einzelbeleg in Nürnberg.

Fleischer, nicht mit kartiert, bringt es in Oberfranken nur auf einen Beleg: Michel Flayscher in Wunsiedel (RSRoG: 42). Im Übrigen gilt neben dem FamN Fleischmann in Hof appellativisch aber Fleischer: Hans Kewsel, fleischer; Hans Dobenecker, flaischer (RSRoG: 33 und 36). Noch um 1500 stehen in einer Chemnitzer Kirchenmatricul (Stadtarchiv Chemnitz: IV I 50) die fleischer (4a) und die fleischhauer (10b) appellativisch synonym nebeneinander. – All diese Belege sprechen unseres Erachtens für eine frühe Parallelität von Fleischhauer und Fleischer, so dass nicht unbedingt auf eine aus Fleischhauer entstandene, im eigentlichen Sinn ohnehin nicht existierende „Klammerform“ (Bußmann 1990: 381) zu schließen, sondern eher von einem nomen agentis zu Fleisch (vgl. Kunze/Dräger 2016: 197) auszugehen ist, das, sprachökonomisch gesehen, nicht zuletzt wegen seiner relativen Kürze gegenüber den Komposita (vgl. König 2015: 197) obsiegen konnte.

Wenn Postleitzahl (PLZ) 985 Suhl die höchste Konzentration des Namens Messerschmidt (K. 94) aufweist, dazu noch Messer und synonymes Klingenschmitt (S. 255), Waffenschmidt mit Nest in Freudenberg und Verbreitung im westlichen Deutschland (S. 264) dagegen fehlt (vgl. auch Messer- und Klingenschmitt bei Steffens 2013: Abb. 76), so könnte dies darauf hinweisen, dass die weltberühmte Suhler Waffenproduktion letztendlich aus dem Basis-Handwerk der Messerschmiede hervorgegangen ist.
Der DFA kann gegebenenfalls auch Angaben von Dialektwörterbüchern konkretisieren bzw. ergänzen und dazu führen, dass die (ehemalige) Verbreitung bestimmter Lexeme genauer zu bestimmen ist. So nennt OsäWB 4: 146 für das seltene, veraltende Schuffe ‘langstieliges Schöpfgefäß’ global die Oberlausitz, das Vogtland und früher auch das Meißnische als (ehemalige) Verbreitungsgebiete. K. 110: Tröger, Schuff, Schuffenhauer, Schuppenhauer zeigt, wesentlich genauer, im Osten des Tröger-Gebietes deutliche Einschlüsse von Schuffenhauer im Raum Annaberg-Buchholz, Chemnitz und Freiberg (S. 287). Historische Belege bestätigen diesen Sachverhalt und führen ins westliche Erzgebirge nach Oberwiesenthal, Schwarzenberg, Schlettau, Scheibenberg, Grünhain, Elterlein, Geyer, Schneeberg, Wiesen: 1505–1544/45 Schufner, Schüffner, schuffner (QOFGE 37 [2004]: 9, 31; 26 [2001]: 9), 1575–1580 Schuffenhauer, -haier, -hayer, -heyer (QOFGE 24, 1 [2000]: 34; 18; 1 [1998]: 16f.; 5 [1998]: 40; 32 [2002] 57).

K. 146: Schubert, Schobert, Schuberth, Schubart, Schuhwerk und die Ausführungen S. 378 veranlassen uns zur Selbstkorrektur: Wir stellen Schober(t) – bis auf mögliche Ausnahmen – nicht länger generell zu Schubert(h) (Hellfritzsch 1992: 180, 184), sondern verstehen es nunmehr mit Naumann 2009: 427 als BerufsÜN des Bauern zu Schober (mhd. schober ‘Heuhaufen’) und seiner Variante mit sekundärem -t. Dennoch ist infolge der Gemengelage beider Namen (vgl. auch Klausmann 2009: 93), im angrenzenden Oberfranken bereits Ende des 15. Jh. gut sichtbar, keine eindeutige Entscheidung möglich (vgl. S. 378). In Abb. 5 – einige wenige Schoberlein wurden zu Schober genommen – haben wir auf die Einträge des dominanten Namens Schuster verzichtet. Für Schubart, appellativisch selten auch schulbart, gilt zwischen Hof und Bayreuth heute die abgeschwächte Form Schuberth (Klausmann 2009: Karte 41).

Abb. 6:Verbreitung der Bei- bzw. Familiennamen Schubart, Schober, Schoberlein 1497 (Entwurf V. Hellfritzsch)

Mutze im Raum Dresden (S. 475) gehört wohl eher zu Mutze, Schimpfwort für eine faule Frau, denn zu mhd. mutze, mütze ‘Mütze’, dessen Mundartform hier [midsä] lautet. (Osä. WB 3: 270f.). – Der im Raum Chemnitz–Freiberg ein Nest bildende, etymologisch als unklar bezeichnete Name Rehwagen, S. 488, den Namen für Fuhrleute zugeordnet, dürfte eine Umgestaltung von Rehwange sein, das uns bei Recherchen irgendwann begegnet ist, für das wir derzeit aber leider keinen Beleg beibringen können. Es wird in die Reihe von Formen wie Reh-aug, -bein, -fell, -fuß, -or (Gottschald 1982: 403) gehören.

Sehr klar (K. 201) kommt die räumliche Verteilung von Krüger, Wirth und des aus dem Slawischen kommenden Namens Kretschmer zum Ausdruck. Wenn man allerdings bedenkt, dass keiner der große Gebiete Mittel- und Oberfrankens abdeckenden Bände des RSR weder Kretschmer noch eine seiner in K. 202 kartierten Varianten Kretzschmer oder Kret(z)schmar kennt (nur RSRoG: 60f. haben für Wirsberg Kreschmon(n) und Raw Kerschmo(n) sowie ebd.: 75, 168, 173, 174 einige wenige Kret(z)schman(n) im Raum Kulmbach–Bayreuth), so erhebt sich die Frage, ob die für Nordbaden, Württemberg und das westliche und südliche Bayern bezeugten Kratzmeier, Kratschmay(e)r, Kretschmeier, -maier, Kratzmeier, S. 525 von Brechenmacher 1957–1963 II: 112 übernommen, tatsächlich von Kretschmer umgedeutet wurden, auch wenn in Westfalen und Niedersachsen für das 16. Jahrhundert ähnliche Vorgänge bezeugt sind (Wechsel von -mann und -meyer, in: Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands, http://www.namenforschung.net/id/thema/9/1 [15.08.2016]). Angesichts der Belege 1497 Kres(ch)man, Krestmon (LSRoG: 274) und Kratzmaier, Kretzman, Cretzman = Creczmair (RSRuG II: 772) sowie der Formen 1507 Cretze, 1497 Kretzer und Krezenmacher (ebd.: 772, 773) wäre in diesen Fällen wohl eher an Bildungen zu mhd. kretze ‘Tragkorb’ oder mhd. kratzen, kretzen ‘kratzen’ zu denken.

Zu K. 230: Schulz, Richter, Burmeister: Dass Richter ebenso häufig und in gleicher Weise verbreitet ist wie Schulz deutet darauf hin, dass dieser Name, im Gegensatz zum Ortsvorsteher in Sachsen und darüber hinaus, im Fränkischen doch eher in den Bereich von Rechtsprechung gehört.
Wie ein Blick auf das von RSR abgedeckte Gebiet mit der historischen Ausgangsform Schultheis (Schulz[e] fehlt) und dem dazugestellten Typ Richter zeigt (Abb. 7), erstreckt sich die frnhd. Variante Schultes (Götze 1967: 196, Baufeld 1996: 212) vorwiegend in nordöstlicher Ausdehnung nach Oberfranken hin, so dass die heutige Konzentration der abgeschwächten Form im Raum Weiden–Marktredwitz (K. 231) bereits Ende des 15. Jahrhunderts vorgeprägt ist. Schultes/-is findet sich neben Schultheiß im 15. Jh. auch im Vogtland (Hellfritzsch 1992: 184f.), den Schönburgischen Landen (EZB: 16a, 83b, 85b und öfters) – die Ausgangsform erscheint hier, schon nicht mehr verstanden, umgedeutet als Schuldhase (57a, 61a) – und darüber (Hellfritzsch 2007: 241f.). Das Zwickauer Land hat fast ausschließlich Schultes (Hellfritzsch 2010). Gelegentlich wird Schultes – abseits der nd. Form – weiter verkürzt zu Schulte (Grünert 1958: 293; Naumann 2003: 93). Die heute dominierende Variante Schulz(e) (K. 230, S. 600) entfaltet sich in Sachsen nach früheren dominanten Belegen für Leipzig (Solluntsch 1991, 158: 1427ff.) allmählich in der 2. Hälfte des 15. Jh. (Hellfritzsch 2007: ebd.), kommt, insgesamt gesehen, allerdings erst im 16. Jh. (Neumann 1970, 93 u. 1981: 161; Grünert ebd.; Naumann ebd.) stärker zur Geltung. Die fünf ältesten Stadtbücher Dresdens liefern im Gegensatz zu reichlich bezeugtem Richter (StBD 1 und 2) kein diesbezüglich verwertbares Material.

Abb. 7: Verteilung der Bei- bzw. Familiennamen Schultheis, Schult(t)es, Richter 1497 (Entwurf V. Hellfritzsch)

(2) Familiennamen aus Übernamen

Die Namen Mock, Möck, Möckel, Mockenhaupt (K. 273) wollen wir um Mocker mit über 300 Telefonanschlüssen ergänzen, dessen dichtestes Vorkommen sich in direkter Nähe zu Möckel im Raum Plauen findet, darüber hinaus im Gebiet um Selb – Rehau (1497 Hans Mocker RSRoG: 103) – Schönwald, fernab auch um Geislingen. Hier dürfte frnhd. mocken ‘heimlich herumstreichen’ (Götze 1967: 161); bair. mocken, mockeln ‘nur leise verstohlene Bewegungen machen oder Laute von sich geben, aus Furcht, Trägheit, Hinterlist, besonders aber aus Ärger oder Verdrüßlichkeit’ (Schmeller 1/2: 1566), etwa für eine Benennung nach der Wesensart oder dem Sprachverhalten, zugrunde liegen.
K. 291, die der Verbreitung von sieben räumlich im Wesentlichen auf das (westliche) Mittel- und das Oberdeutsche konzentrierten, häufigeren Komposita mit -haar als Grundwort gilt (Weiß-, Kraus-, Rothaar, Pfleghar usw.), fügen wir den S. 743 als „verstreut“ aufgeführten Gehlha(a)r und Varianten eine Abb. hinzu, die zeigt, dass bestimmte dieser Formen vorwiegend auf nd. Gebiet begegnen.
Abb. 8: Verbreitung des Familiennamens Gelhaar, Gelhar in Deutschland (Entwurf V. Hellfritzsch)
Band 5 des Deutschen Familiennamenatlas bestätigt auf’s Neue die geradezu revolutionäre Wende, die mit der kreativen Auswertung digitaler onomastischer Korpora in die Wege geleitet wurde. Nicht nur dass für die germanistische Linguistik von ihm starke Impulse ausgehen – man denke allein an die regionalen deutschen Familiennamen-Atlanten, die bisher erschienen sind –, auch international, in zahlreichen europäischen Ländern, hat die Onomastik ähnliche Projekte auf den Weg gebracht und ist damit ein wesentliches Stück vorangekommen. Zudem bildet der DFA die denkbar beste Grundlage für das in seiner Nachfolge entstandene Forschungsprojekt „Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD)“ (http://www.namenforschung.net/dfd/projektvorstellung/). Band 6, der die an Varianten und Kurzformen besonders reiche Klasse der FamN aus RufN behandelt (vgl. Kunze/Dräger 2016, 201ff.), und der abschließende Registerband werden ein beeindruckendes Werk vollenden, dessen Bedeutung man gar nicht hoch genug anschlagen kann.
Anmerkungen
(1) Vgl. unsere Rezensionen in dieser Zeitschrift: zu Band 1 (zusammen mit Karlheinz Hengst) NI 97 (2010), S. 19–39, zu Band 2: 98 (2010), S. 181–191, zu Band 3: 101/102 (2012/2013), S. 451–469, zu Band 4: 103/104 (2014), S. 504–521.
(2) Für -name wird verschiedentlich nur N geschrieben. Wir verwenden die Abkürzungen des DFA.
(3) Der Index für die Bände 1–4 liegt vor unter http://www.namenforschung.net/fileadmin/user_upload/dfa/Inhaltsverzeichnisse_etc/Index_Gesamt.pdf (01.08.2016)
(4) Man vgl. z. B. die Mitte des vorigen Jahrhunderts entstandene, für die weitere Forschung bedeutsam gewesene Übersicht zur Bedeutung der deutschen Personennamen bei Bach 1952/53: §§ 188–273, hier besonders § 255 „1. Körperliche Eigenschaften, Körperteile“. Neuere, betont theoretisch orientierte, aktuelle linguistische Perspektiven bietende Gesamtdarstellungen wie Nübling et al. 2015 oder Debus 2012 setzen andere Schwerpunkte.
(5) Auf mögliche Siedlungs- oder Flur- bzw. Herkunfts- oder WohnstättenN als Grundlage der jeweiligen Berufs- oder ÜberN wird, wohl eine gewisse etymologische Wertigkeit andeutend, zumeist erst gegen Ende der Namenerklärungen eingegangen, vgl. z. B. K. 20: Gerstner, Gerster, Gerstl, Gerst, Gerstmeier, Gerstmann. Erst nach diesen Namen werden (S. 53f.) auch Gerstenberg(er), Gerstendorf(f), Gerstacker, Gerstäcker u. a. behandelt.
(6) Vgl. die Orte dieses Namens unter https://de.wikipedia.org/wiki/Hohn_(Begriffskl%C3%A4rung). Zu den anders lautenden Belegen von Höhn vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Hohn_(Begriffskl%C3%A4rung).
(7) Für entsprechende Hinweise sei Prof. Jürgen Udolph herzlich gedankt.
(8) Vgl. auch Duden FamN: 248. Grünert kennzeichnet entgegen den für ihn eindeutigen Fällen bei diesen Belegen keine Personengleichheit. Namengleichungen beider Varianten liegen allerdings nahe in verschiedenen Zwickauer und Chemnitzer Belegen (Hellfritzsch 1992: 69). Eher schon könnten Formen wie Flaswer 1438 (Hellfritzsch 1992: 78) und Fleyschwer Ende des 14. Jh. (Walther 1993: 448) in die genannte Richtung weisen.
(9) In den Dresdener Stadtbüchern erscheinen 1410 Fleishouwer, 1459 Vleischhauwer, 1474 noch appellativisch: zcum fleischhawern recht. Etwa gleichzeitig gilt Fleischer (1416), das sich allmählich durchsetzt (StBD I: 71, 150; III: 157, 505). Ab Ende des 15. Jh. gilt nur noch Fleischer: Peter und Bartusch Fleischer (StB IV: 108). Die Entwicklung in Freiberg verläuft ähnlich. Zur Entwicklung im Südwesten Sachsens vgl. Hellfritzsch 1992: 78; 2007: 69; 2010: 162.
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Empfohlene Zitierweise
Volkmar Hellfritsch: [Rezension zu] Fabian Fahlbusch, Simone Petschke, DFA 5, in: Onomastikblog [01.09.2016], URL: http://www.onomastikblog.de/artikel/ni-rezensionen/rez-dfa5/
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