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Saturday, April 9, 2016

Zum Tod von Wilhelm F.H. Nicolaisen - ein Leipziger Nachruf

http://www.onomastikblog.de/artikel/wuerdigungen/zum-tod-von-wilhelm-fh-nicolaisen-ein-leipziger-nachruf/

Das erste Mal gesehen und zugehört habe ich Wilhelm F.H. Nicolaisen am 13. August 1984. Es war der Eröffnungstag des XV. Internationalen Kongresses für Namenforschung in Leipzig mit dem Generalthema "Der Name in Sprache und Gesellschaft". Als Präsident des vorangegangenen Internationalen Kongresses für Namenforschung 1981 in Ann Arbor (Michigan, USA) grüßte er die Teilnehmer in Leipzig. Ich saß mit im Präsidium und hatte die Veranstaltung zu protokollieren. Sehr beeindruckt war ich damals davon, was er alles über Leipzig sagte: "We are here not only because of the kind invitation of our Leipzig colleagues and their university, although that played an important part; we are here mainly because Leipzig is a place where important and exciting things are happening in the field of onomastics. There can be few academic locations today in which there is such a fine team of name scholars at work, backed by many similarly outstanding colleagues at universities, colleges and academies elsewhere in the country" (Nicolaisen 1985: 1).
Die zweite intensive Erinnerung geht zurück in das Jahr 1995, in dem wir beide an der VI. Akademie Friesach zum Thema "Personennamen und Identität" in Friesach, der ältesten Stadt Kärntens teilnahmen. Bei dieser Gelegenheit, genauer beim Nachmittagsprogramm, das die Akademieteilnehmer in das Benediktinerstift St. Lambrecht führte, wo u.a. auch über die Benennung von Ordensangehörigen in Benediktinerklöstern der Alpenländer berichtet wurde, nahm er mich beiseite und erklärte mir, dass auf Tagungen die Pausengespräche und Exkursionen das Wichtigste wären. Daran habe ich in den letzten zwanzig Jahren noch oft gedacht. Aus Halle stammend fragte er mich immer, wie es denn in Ostdeutschland jetzt so sei. Ich freute mich dann über sein Interesse an uns.
Die nächste Begegnung ließ nicht lange auf sich warten, denn im Sommer 1996 fand der XIX. Internationale Kongress für Namenforschung in Aberdeen statt, organisiert von ihm. Bereits die Begrüßung und das Angebot, ihn "Bill" nennen und ihn duzen zu dürfen, das war irgendwie besonders. Diese freundliche und zugewandte Art des Gastgebers prägte die Kongresstage mit dem anregenden und vielseitigen Tagungsprogramm und den verschiedenen Exkursionen (Pikten, Burgen, Küste und Whiskydestillerien wurden angeboten). Dies war zugleich der erste Kongress des neuen, umstrukturierten ICOS, wodurch die Mitgliedschaft nicht weiter auf dem Prinzip der Kooptation beruhte, sondern geöffnet wurde. Mit seinem Generalthema "Dimensionen, Perspektiven und Methoden der Namenforschung" bot Aberdeen ca. 170 Vortragenden die Möglichkeit, ihre Themen, Probleme und neuen Ansätze vorzutragen. Gerhard Koss fasste seinen Bericht über Aberdeen damals wie folgt zusammen: "Aberdeen war auch ein Kongress seines Präsidenten Wilhem dictus Bill NICOLAISEN, in der Neuen Welt als Mister Onomastica bekannt. Als letzter Generalsekretär des alten ICOS und ersten Präsidenten des neuen ICOS hat er die Stabilität der Vereinigung erhalten, so daß er jetzt getrost den Stab weiterreichen konnte. Den Dank an den Kongresspräsidenten, seinen Stab und seine Familienangehörigen für die gelungene Ausrichtung des XIX Kongresses kleideten die Anwesenden bei der Closing Session in minutenlange standing ovations, was mehr als Worten besagt" (1996, 84). In meiner Erinnerung organisierten Bill und seine Tochter den Kongress ohne Computer!
Im November 1997 weilte Bill eine Woche als Gast bei uns in Leipzig. Vor Studenten der Onomastik und der Anglistik berichtete er in einer Gastvorlesung über "Ergebnisse der Namenforschung in England". Am Geisteswissenschaftlichen Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas e.V. in Leipzig hielt er einen vielbeachteten Vortrag über " Ortsnamen und Siedlungsgeschichte in Schottland". Auf der Namenkundlichen Jahrestagung sprach er schließlich über die "Welt der Namen". Er spannte den Bogen damals über die (literarisch-namenkundliche) Analyse der Kurzgeschichte "Unter dem Garten" von Graham Greene über Themen wie Namen in Märchen, Name und Selbstverständnis, Namen als verbale Ikone, Namen als Verortungen in der Vergangenheit, Namen und Wort, Namen von ungewöhnlichen Objekten bis hin zu Namen von Haustieren u.v.a. Immer wieder betonte er die kaleidoskopische Variabilität der Welt der Namen. In meinem Verständnis regte er damit auch in Leipzig Untersuchungen zu Namen an, die bis dahin nicht zum traditionellen Untersuchungsgegenstand gehörten. Bei seinem erneuten Aufenthalt an der Universität im Jahr 2003 ging es Bill darum, die neuen Untersuchungen zur Literarischen Onomastik in Deutschland zu studieren, um sie in seinem Beitrag "Methoden der literarischen Onomastik" für das Lehrbuch "Namenarten und ihre Erforschung" (Nicolaisen 2004) berücksichtigen zu können.
Das letzte Mal sahen wir uns in Pisa zum XXII. Kongress für Namenforschung im Sommer 2006, und es ging ihm, nach eigenen Worten, nicht nur gut, aber er war überall dabei beim wissenschaftlichen Programm, bei den Exkursionen und in den Pausen! Zehn Jahre gab es dann keine Wiedersehen mehr, aber wir lasen voneinander, auch dank E-Mail. Die obligatorische Weihnachtspost fehlte 2015. Die Nachricht von seinen Tod kam also nicht unerwartet, aber sie hat uns traurig gemacht, weil wir mit Bill über Jahrzehnte eine enge Verbindung hatten und er uns fehlen wird.
In den "Namenkundlichen Informationen" erscheint sein Name erstmals 1974. Rosemarie Gläser rezensierte sein Buch "The Names of Towns and Cities in Britain" (Gläser 1974). Später rezensiert er auch für unsere Zeitschrift, so zum Beispiel ausführlich die Studie von Ines Sobanski: "Die Eigennamen in den Detektivgeschichten Gilbert Keith Chestertons. Ein Beitrag zur Theorie und Praxis der literarischen Onomastik" (Nicolaisen 2000). Vier Aufsätze hat Wilhelm F.H. Nicolaisen in unserer Zeitschrift veröffentlicht: "Über Namen in der Literatur" (Nicolaisen 1980a), "Zur Namenforschung in den USA" (Nicolaisen 1980b), "Die Welt der Namen" (Nicolaisen 1998) und "Ortsnamen als Zeugnisse der Siedlungsgeschichte Nord-Ost-Schottlands" (Nicolaisen 2002).
Wilhelm F.H. Nicolaisen war einer der allerersten, der Mitglied der 1991 gegründeten Gesellschaft für Namenforschung wurde und sich immer für sie interessiert und engagiert hat. Der Arbeitsstelle an der Universität Leipzig schenkte er alle seine Veröffentlichungen. Wir haben viele Gründe, Bill Nicolaisen in dankbarer Erinnerung zu behalten!
[Bill Nicolaisen ist sehr eng mit der Geschichte des ICOS (International Committee of Onomastica Sciences, seit 1993 International Council of Onomastic Sciences) verbunden; eine entsprechende Würdigung wird wohl von dort erfolgen. Unter seiner Präsidentschaft (1990-1996) fand der schwierige Umbruch von "einer nicht mehr zeitgemäßen und wissenschaftlich fragwürdigen nationalen Delegation" (ich selbst war als Vertreter für Portugal Mitglied) in eine internationale wissenschaftliche Gesellschaft. Ausgangspunkt war der Kongress in Ann Arbor (1981), dessen Akten nie erschienen sind (vgl. Kremer 2002) und wo ich erstmals Kontakt mit Leipziger (oder "ostdeutschen") Namenforschern hatte. Die vor allem von André Lapierre (Ottawa) und mir ausgehende Initiative und von heftigen Diskussionen begleitete Umwandlung erfolgte auf dem 18. ICOS-Kongress 1993 in Trier. Bill Nicolaisen spielte hier die zentrale Rolle, wir haben uns schließlich im besten Verständnis zusammengerauft. Wir sahen uns regelmäßig auf den Folgekongressen. Noch einmal besonders intensiv wurde unser Kontakt bei der gemeinsamen Vorbereitung des ICOS-Kongresses in Pisa (2005), zu der uns Maria Giovanna Arcamone und auch Albrecht Greule eingeladen hatte. Es sollte unser letztes Treffen sein. Dieter Kremer]
─ Gläser, Rosemarie (1974): Rez. zu Nicolaisen, W.F.H.(Hg), The Names of Towns and Cities in Britain. London, B.T. Batsford 1970. 215 S., in: NI 25, 34-35.

─ Koss, Gerhard (1996): XIX. Internationaler Kongreß für Namenforschung (Aberdeen/Schottland, 4.-11. August 1996), in: NI 70, 81-85.
─ Kremer, Dieter (Hg.) (2002): Onomastik. Akten des 18. Internationalen Kongresses für Namenforschung Trier, 12.-17. April 1993, Band I (= Patronymica Romanica 14), Tübingen: Niemeyer, XXXIIf.; Ausgewählte Beiträge (Ann Arbor, 1981), in: ib., Band VI (= Patronymica Romancica 19), 433-544.
Nicolaisen, W.F.H. (1980a): Über Namen in der Literatur, in: NI 38, 13-25.
─ (1980b): Zur Namenforschung in den USA, in: NI 39, 37-45.
─ (1998): Die Welt der Namen, in: NI 74, 9-28.
─ (2000): Rez. zu Ines Sobanski: Die Eigennamen in den Detektivgeschichten Gilbert Keith Chestertons: Ein Beitrag zur Theorie und Praxis der literarischen Onomastik (= Europäische Hochschulschriften, Reihe 21, Linguistik, 218), Frankfurt a.M. u.a.: Peter Lang 1999, 322 S., in: NI 77/78, 203-205.
─ (2002): Ortsnamen als Zeugnisse der Siedlungsgeschichte Nord-Ost-Schottlands, in: NI 81/82, 179-190.

Sunday, February 21, 2016

Professor Nicolaisen died in Aberdeen

http://www.gla.ac.uk/myglasgow/news/headline_445295_en.html

W. F. H. "Bill" Nicolaisen

Issued: Tue, 16 Feb 2016 10:46:00 GMT

The death has just been announced of W. F. H. "Bill" Nicolaisen, folklorist, linguist, medievalist, scholar of onomastics and literature, educator, and author with specialties in Scottish, European, and American folklore.

Professor Nicolaisen was a graduate of the Universities of Tubingen (Dr Phil) and Glasgow (MLitt).
We hope to provide a full obiturary in next week's Campus e-News.

http://www.heraldscotland.com/opinion/14287915.Bill_Nicolaisen/

... (56399674)

Expert on world place names

Born: June 13, 1927;

Died: 1February 15, 2016

PROFESSOR Emeritus Bill Nicolaisen, who has died aged 88, was an Aberdeen scholar who pioneered the use of mapping to establish the origin of place names. While spatial translation of maps into place name time-eras is now commonplace across the world, his laborious and enormously time-consuming work began in the pre-computer age.

From an Ordnance Survey sheet, he would strip out post-1500 place names, then establish the Scoto-Norman pattern underneath. He then similarly exposed those of Gaelic, Pictish and pre-Celtic eras right back to river names such as Tay or Spey whose meanings are now lost, but whose existence as ancient monickers confirmed in his view some primitive form of river worship.

Retiring at 65 from the University of Binghampton, New York, in 1992, he moved to Aberdeen, and soon became engaged with Aberdeen University, continuing place name research on a world stage.
He was one of the world’s foremost experts in his fields, blazing an academic path across universities of the northern hemisphere starting at Kiel, and going by Newcastle, Tübingen Glasgow, Dublin, Edinburgh, Columbus, Binghamton, Aberdeen and Aarhus. Along the way, he enthused three generations of students in language, folklore, literature and cultural history, and in 2001 celebrated a remarkable 60 years as a university tutor.

In May 1960, he pioneered a place name column in The Scots Magazine. The Story Behind The Name ran monthly for an astonishing 23 years, gaining an impressively interested audience. I was among his fans, with the upshot being that more half-a-century later, I became one of his students at Aberdeen University, discovering how much information this distinguished scholar would extract from an apparently simple item as a place name. Not for him merely the etymology: he anchored meaning in terms of time, space and cultural connection as well as form, function and narrative associated with it – undertaking this without once touching on the enveloping jargon of his trade, an argot of onomastics that starts with terms such as toponymy and hydronomy, and goes on to a great deal worse.

Dr Nicolaisen was no ivory-tower academic, but someone who cycled round Mull in the 1950s lugging a gigantic reel-to-reel tape machine, orally recording local place names from residents. On foot, bike and bus, he quartered Scotland to locate place names – and not just to record them, but to examine the locality to establish the resonance of the place name in the field.

His learning was lightly borne and exercised with dry wit, with notes for a two-hour lecture that might comprise simply seven words in spidery writing on a yellow Post-It. By contrast, a Niagara of publications poured from his pen - more than 700 articles, essays, addresses, reviews and papers. Unusually for an academic, he succeeded in popularising his speciality without dumbing down.

Wilhelm Fritz Hermann Nicolaisen was born on 13 June, 1927, in Halle, Germany, the eldest of three sons of Professor Andreas Nicolaisen, holder of a university chair of agriculture. His early interest in names showed in his quest for his own. It originates in Jutland, and means “son of Nicholas”, or as Bill would gleefully put it, “son of Santa Claus”.

He attended the University of Kiel from 1948, studying folklore, language, and literature – though not before being drafted into the Hitler Youth as a 14-year-old – a fate he shared with many born in 1927 including a young Joseph Ratzinger, now Pope Emeritus Benedict XVI. “It was compulsory to serve in the (Hitler) Youth” Bill once told me. “At that age, it seemed to us boys like the Scouts”. As with the former Pope, he was moved at age 17 into the Wehrmacht to serve on anti-aircraft batteries.
Years later in New York, he met an English academic, a wartime RAF bomber pilot. They swapped notes – to discover that while one was raining bombs down in 1944, the other was firing up. They shook hands, became lifetime friends, and would toast each other in having missed.

At the University of Tübingen, he chose river names of the British Isles as his doctoral thesis. His professor suggested he tackle the same subject in Scotland. This he did, attended Glasgow University to focus on Scottish river names, and learned Gaelic. Post-war paper shortages meant that students shared Gaelic books one between two, and thus he met fellow student May Marshall, and married her.

A big handsome man with a ready grin, Dr Nicolaisen delighted in word banter. Asked to name his greatest achievement, he would reply: “I have never been able to teach anyone – only to raise their level of confusion.” Appointed chairman of Scottish Mediaevalists Society, he protested “But I’m neither Scottish nor mediaeval.” He protested that he became chairman of American Folklore Society when he wasn’t in US - and of the (English) Folklore Society when he wasn’t in England.

“I love folk tales,” he once said “and folklore has occupied me for over 60 years.” As a boy he read märchen and delighted in fairytales (though he preferred the term “wonder tales”, posing the question: “When do fairies ever appear in these fairytales?”). Thus while his persona is that of a place name scholar, he preferred to be regarded as a folklorist specialising in folk tales and contemporary legends.

In later life, he suffered diabetes, spondelitis and Parkinson’s, all of which he shrugged off, saying “My brain still works fine.” A committed Christian, he sang as tenor in church choirs for 45 years, and was a kirk elder.

In 1997, he gifted his considerable personal library to the Elphinstone Institute at the University of Aberdeen. This is due to be integrated with the existing Buchan Library to create a research centre in Scottish ethnology.

Professor Nicolaisen died in Aberdeen, and is survived by May, his wife of nearly 60 years, four daughters Fiona, Kirsten, Moira and Birgit, and nine grandchildren.

GORDON CASELY