Wednesday, July 9, 2014

Im Namen des Fußballs

http://www.namenforschung.net/specials/fussball/

Natürlich ist der Fußballsport nicht annähernd alt genug, um zur Zeit der Familiennamenentstehung, also ungefähr zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert, seine Spuren hinterlassen zu haben. In Deutschland konnte sich das Ballspiel erst Ende des 19. Jahrhunderts im Schulsport und dann durch Gründung erster Fußballvereine wirklich etablieren.
Nichtsdestotrotz finden sich unter den heutigen Familiennamen nicht wenige, die verdächtig nach Leder und Rasenplatz riechen.
Den Familiennamen Stürmer tragen z.B. ca. 4.500 Einwohner in Deutschland. Eigentlich handelt es sich hier um einen Berufs- oder Übernamen zu mittelhochdeutsch stürmære in der Bedeutung 'Kämpfer' und wurde einem Namenträger gegeben, der entweder im Militär diente oder sich durch ein kämpferisches oder aggressives Wesen hervortat.
Wir wissen zwar auch nicht, wer heute Abend als Sieger vom Platz geht, verraten aber gerne, was wir über den gleichlautenden Familiennamen berichten können: In Deutschland gibt es ca. 3.300 Namenträger, die meisten von Ihnen leben im Großraum Köln-Düsseldorf. Als Ursprungsbedeutung kommen zwei Möglichkeiten in Betracht. Aufgrund der heutigen geographischen Verteilung liegt am wahrscheinlichsten ein Wohnstättenname zum Flussnamen Sieg vor. In Einzelfällen kann auch eine patronymische Bildung, d.h. eine Benennung nach dem Vater, zum Rufnamen Sigiherzugrunde liegen.
Wenn Sie wissen wollen, woher die deutschen Kicker kommen und wo wir ein verborgenes Trainer-Nest aufgetan haben, sollten Sie unbedingt weiterlesen.

Balzuweit


Verbreitung des Familiennamens Balzuweit
Auf den ersten Blick scheint es fast, als sei in diesem Familiennamen das Schicksal eines erfolglosen Stürmers verewigt, doch die Namendeutung führt in eine ganz andere Richtung. Es handelt sich hier um ein Patronym, d.h. der Rufname des Vaters wurde auf die Nachkommen übertragen. In diesem Fall liegt eine Kurzform des RufnamensBalthasar zugrunde, der mit dem litauischen Suffix -eit erweitert ist, welches das patronymische Verhältnis ausdrückt. Unsere Datenbank verzeichnet für den Familiennamen 96 Telefonanschlüsse, d.h. ungefähr 270 Namenträger. Seine Ursprünge hat dieser Familienname im ehemaligen Ostpreußen, wie auch die historische Kartierung des Familiennamenamens auf www.gen-evolu.de zeigt.

 

Torwart, Tormann


Verbreitung der Familiennamen T(h)ormannund T(h)orwart
Für den Mann im Tor gibt es beim Fußball verschiedene Bezeichnungen: Torhüter, -mann, -wart, -wächter, Schlussmann, Keeper oder auch Goalie. Der Spieler mit der Rückennummer 1 ist beim Fußball oft der wichtigste Mann auf dem Platz; er soll schließlich verhindern, dass die gegnerische Mannschaft ein Tor schießt, auch unter erschwerten Bedingungen wie beim Elfmeterschießen. Auch im Mittelalter war derjenige, der das Tor zu bewachen hatte, eine wichtige Person. Die Familiennamen Tormann (insgesamt ca. 3735 Namenträger) und Torwart (insgesamt ca. 1230 Namenträger) sowie die häufigsten Schreibungen Thormann,Thorwart(h) haben jedoch nichts mit der Ballsportart zu tun, sondern sind Wohnstättennamen für Anwohner eines Tores bzw. Berufsnamen zu mittelhochdeutsch torwarte für einen Wächter eines (Stadt-)Tores. Die Aufgabe eines mittelalterlichen Torwächters war es, keine unerwünschten Personen in die Stadt zu lassen, Fremde nach dem Zweck ihres Besuchs zu befragen und nachts die Tore zu verschließen. Sie kassierten Tor- oder Wegegeld und regulierten den Verkehr von Waren und Vieh. Kam man abends nach Toresschluss an, musste man oft bis zum nächsten Morgen warten, bis das Tor wieder geöffnet wurde. Schließlich wollte man nachts die Ruhe in der Stadt bewahren und keine bösen Überraschungen erleben. Der Posten des Torhüters musste also mit Personen besetzt sein, die besonders gewissenhaft, ehrlich und stets wachsam waren und sicherlich auch Menschenkenntnis besaßen.

Trainer


Verbreitung des Familiennamens Trainer
Sollte Jogi Löw in Rente gehen und der DFB auf der Suche nach einem neuen Trainer sein, empfehlen wir nach Bayern zu schauen. Denn dort sitzen nicht nur die amtierenden Deutschen Meister sondern auch die Trainer dieser Republik. Ca. 160 Personen tragen diesen Namen, der wie gemacht für eine Karriere auf dem Rasenplatz scheint. Eigentlich liegt hier aber kein Berufs- sondern ein Herkunftsname zum bayerischen Ort Train vor, d.h der erste Namenträger wurde nach dem Ort, aus dem er stammte, benannt. Zur besseren Orientierung haben wir Train in der Namenkarte angezeigt. Wie Sie sehen, wohnen auch die heutigen Trainer nicht allzu weit vom Herkunftsort ihrer Vorfahren entfernt.

 

Kicker



Verbreitung des Familiennamens Kicker
Auch wenn englische Industrielle und Kaufleute den Fußball nach Deutschland gebracht haben: Wer vermutet, dem Familiennamen Kicker (ca. 157 Namenträger) liege vielleicht die aus engl.to kick 'treten, mit dem Fuß schießen' abgeleitete umgangssprachliche Bezeichnung für einen Fußballspieler zugrunde, muss leider enttäuscht werden. Vielmehr stellt der Name Kickerwahrscheinlich einen Herkunftsnamen zum Siedlungsnamen Kicke dar, einem Ortsteil von Bergisch-Gladbach-Refrath. Möglich ist auch, dass der Familienname auf eine Berufsbezeichnung zum mittelniederdeutschen Wort kīker mit der Bedeutung 'Beschauer, Zuschauer' zurückgeht. Der erste Namenträger war demnach ein amtlicher Prüfer, der z.B. auf die Qualitäts- oder Preiskontrolle von Handelswaren oder die amtliche Inspektion von Bauwerken spezialisiert sein konnte.