Monday, February 13, 2017

Rudolf Große (1924-2017)

http://www.onomastikblog.de/artikel/wuerdigungen/rudolf-grosse-1924-2017/

Rudolf Große (1924-2017) 

von Volkmar Hellfritzsch
Mit Rudolf Große, am 28. Juli 1924 in Heldrungen geboren, verlor die von Theodor Frings geprägte Leipziger Schule am 8.1.2017 einen ihrer letzten prominenten Vertreter. Nach dem Studium der Germanistik und des Lateinischen in Halle und Leipzig war er von 1952-1959 als Wissenschaftlicher Assistent am späteren Institut für Deutsche und Germanische Philologie bei Prof. Dr. Th. Frings tätig. 1954 hatte er mit seiner grundlegenden, die ostdeutsche Dialektologie fürderhin mitbestimmenden Arbeit "Die meißnische Sprachlandschaft: Dialektgeographische Untersuchungen zur obersächsischen Sprachgeschichte" promoviert und die Voraussetzung erworben, von 1959-1965 als Dozent für Germanistik tätig zu sein. Nach seiner Habilitation mit dem Thema "Die mitteldeutsch-niederdeutschen Handschriften des Schwabenspiegels in seiner Kurzform: Sprachgeschichtliche Untersuchungen" (1962) wirkte Rudolf Große an der Universität Leipzig: seit 1963 als Professor für Germanistik, ab 1969 bis zu seiner Emeritierung mit Erreichung der Altersgrenze 1989 als ordentlicher Professor für Geschichte der deutschen Sprache und Sprachsoziologie im Wissenschaftsgebiet Germanische Linguistik und Niederlandistik.
Der vielerlei Ämter und Funktionen bekleidende, von Studenten und Kollegen hoch geschätzte, bescheidene, freundliche und immer hilfsbereite Forscher und Hochschullehrer - der Unterzeichnete erinnert sich dankbar seiner Unterstützung und Zuwendung - hat rund 60 deutsche und ausländische junge Wissenschaftler zur Promotion geführt. (1) Rudolf Große, von dem es in der anlässlich seines 65. Geburtstags erschienenen Festschrift heißt, er verkörpere "in seinem Wirken in der neueren Entwicklung der germanistischen Linguistik wie kaum eine andere Gelehrtenpersönlichkeit die lebensvolle Einheit von wissenschaftsgeschichtlichem Erbe und aktuellen Erfordernissen, ... von Kontinuität und Innovation"(2), hat die Entwicklung der Namenforschung stets mit großem Interesse verfolgt und befördert. Hierzu gehören nicht nur eigene einschlägige Beiträge (3), seine beratende Anteilnahme an onomastischen Dissertations- (4) bzw. Habilitationsvorhaben (5) und seine Tätigkeit als Erstgutachter (6), sondern auch sein editorisches Wirken im Dienste von Publikationen, wie das auf Rudolf Großes Initiative mit Theodor Frings 1955 neu begründete "Wörterbuch der obersächsischen Mundarten" (7), die Mitwirkung an der Herausgabe der Reihe "Deutsch-Slawische Forschungen zur Namenkunde und Siedlungsgeschichte" oder die Herausgabe von Band II-IV des "Althochdeutschen Wörterbuchs" (8), auf die sprach- und regionalhistorisch orientierte namenkundliche Untersuchungen kaum verzichten können.
Rudolf Große ließ es sich nicht nehmen, sooft es ihm möglich war, an den Jahrestagungen und Kolloquien der Leipziger Namenforscher und ihrer Gäste teilzunehmen. Wir werden ihn sehr vermissen.
(1) Über sein Wirken und seine Publikationen geben folgende Hinweise zuverlässig Auskunft: Große, RudolfProf. Dr. sc. habil. Friedrich Paul GroßeRudolf Große, Prof. Dr. phil. habil.
(2) Heinemann, Sabine / Müller, Ulrich (Hg.): Soziokulturelle Kontexte der Sprach- und Literaturentwicklung. Festschrift für Rudolf Große zum 65. Geburtstag. Stuttgart 1989, zitiert nach Leipzig-Lese, Rudolf Große, Geburtstage-Jahrestage
(3) Große, Rudolf: Namenforschung und Sprachgeschichte im Meißnischen. In: Leipziger Studien. Theodor Frings zum 70. Geburtstag (= Deutsch-Slawische Forschungen zur Namenkunde und Siedlungsgeschichte 5), Halle (Saale) 1957, 63-79. Vgl. auch seine Mitarbeit an Eichler, Ernst / Lea, Elisabeth / Walther, Hans: Die Ortsnamen des Kreises Leipzig (= Deutsch-Slawische Forschungen zur Namenkunde und Siedlungsgeschichte 8), Halle (Saale) 1960, vgl. hier S. 3.
(4) Vgl. z.B. Göschel, Joachim: Die Orts-, Flur- und Flussnamen der Kreise Borna und Geithain. Namenkundliche Untersuchungen zur Sprach- und Siedlungsgeschichte Nordwestsachsens (= Mitteldeutsche Forschungen 31), Köln/Graz 1964, S. VIII.
(5)  Vgl. Naumann, Horst: Die bäuerliche deutsche Mikrotoponymie der meißnischen Sprachlandschaft (= Deutsch-Slawische Forschungen zur Namenkunde und Siedlungsgeschichte 30), Berlin 1972, S. 4.
(6) Hellfritzsch, Volkmar: Vogtländische Personennamen. Untersuchungen am Material der Kreise Plauen und Oelsnitz (= Deutsch-Slawische Forschungen zur Namenkunde und Siedlungsgeschichte 23); Neumann, Isolde: Die bäuerlichen Familiennamen des Landkreises Oschatz (= Deutsch-Slawische Forschungen zur Namenkunde und Siedlungsgeschichte 25), Berlin 1970; Solluntsch, Marit: Bei- und Familiennamen der Stadt Leipzig von den Anfängen bis 1500, Phil. Diss. Leipzig 1991.
(7) Vgl. dasselbe, Band 3, unter der Leitung von Gunter Bergmann bearbeitet von Gunter Bergmann, Ingrid Eichler et al. Berlin 1994, S. X.
(8) Althochdeutsches Wörterbuch. Auf Grund der von Elias von Steinmeyer hinterlassenen Sammlungen, im Auftrag der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, begründet von Elisabeth Karg-Gasterstädt und Theodor Frings, Berlin 1999-2007.
Volkmar Hellfritzsch