Saturday, December 26, 2015

Tagung 2016 "Linguistik der Eigennamen"

http://www.namenforschung.net/tagungen/namengrammatik/

Linguistik der Eigennamen

Tagung 2016

Am 10. und 11. Oktober 2016 findet in der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz eine Tagung zum linguistischen (Sonder-)Status von Eigennamen statt.
Wegen des reichen Ertrags der Tagung "Linguistik der Familiennamen" im Jahr 2012 (s. dazu Debus et al. 2014) planen wir für 2016, diese linguistische Fokussierung auf den Eigennamen als sprachliche Kategorie auszudehnen. Erfreulicherweise gibt es derzeit in Deutschland mehrere namengrammatische Initiativen, die wir durch diese Tagung bündeln und stärken wollen. Dabei laden wir besonders LinguistInnen und GrammatikerInnen ein - sei es mit synchroner, diachroner und/oder kontrastiver Ausrichtung -, diese Tagung durch neue Forschungen und Erkenntnisse zu bereichern.
Insgesamt wurde die Namengrammatik von der Linguistik weitgehend übersehen und von der Onomastik selbst kaum als ihr Gegenstand wahrgenommen (sie befasst sich mehrheitlich mit der Etymologie von Namen). Dies erklärt die beträchtlichen Wissensdefizite bzgl. des grammatischen Verhaltens von Namen. Dabei weisen Namen als monoreferente Ausdrücke ohne Semantik auf allen sprachlichen Ebenen Sonderentwicklungen auf: Auf der phonologischen Ebene etwa durch (abweichende) phonotaktische und prosodische Eigenschaften, auf der flexionsmorphologischen durch ein geringeres Maß an Allomorphie und per se weniger Flexion, insbesondere Introflexion (weniger Ab-/Umlaut, Stufenwechsel), auf der syntaktischen durch andere Stellungsregeln (im Deutschen beim Genitiv). Auch der Artikel erlangt vor Eigennamen ganz andere Funktionen als vor Appellativen, indem er - zusammen mit Genus - alsclassifier fungiert, der Informationen über das denotierte Objekt liefert (der Continental→ Auto, das Continental → Hotel/Restaurant/Bier, die Continental → Motorrad/Flugzeug) (Nübling 2015). Ebenso können Eigennamen in der Wortbildung von den üblichen Mustern divergieren, indem sie, wie im Fall der Warennamen, von besonderen Wortschöpfungstechniken Gebrauch machen (Ronneberger-Sibold 2000, 2004) oder sich eigene Derivationsmuster leisten (die Frankfurter Opergrimmsche Märchenobamaeske Weise). Graphematisch sind Namen die einzige Wortart im Deutschen, die orthographisch nicht normiert ist und anderen Regularitäten folgt, was bspw. die Graphotaktik oder die Setzung von Syngraphemen wie Apostroph und Bindestrich betrifft. Aus diachroner Perspektive erweisen sich Eigennamen einerseits als konservativ (Erhalt des pränominalen Genitivs), vielfach aber auch als Vorreiter grammatischer Neuerungen - so bei der Entwicklung des ‑s-Plurals (Nübling/Schmuck 2010) oder der Substantivgroßschreibung (Bergmann/Nerius 1998). Dies unterstreicht einmal mehr die bislang unterschätzte Relevanz der Namengrammatik - ein Missstand, dem diese Tagung abhelfen soll.
Themenvorschläge im Umfang von max. einer DIN A4-Seite (inkl. Literaturliste) werden erbeten bis zum 31.05. 2016 an: E-Mail
Veranstalterinnen: Luise Kempf, Damaris Nübling, Mirjam Schmuck
  

Literatur


Bergmann, R./Nerius, D. (1998): Die Entwicklung der Großschreibung im Dt. von 1500-1700. Heidelberg.
Debus, F. et al. (2014): Linguistik der Familiennamen. Germanistische Linguistik 225-227. Hildesheim.
Nübling, D./Schmuck, M. (2010): Die Entstehung des s-Plurals bei Eigennamen als Reanalyse vom Kasus- zum Numerusmarker. Evidenzen aus der deutschen und niederländischen Dialektologie. In: ZDL 77/2, 145-182.
Nübling, D. (2015): Die Bismarck - der Arena - das Adler. Vom Drei-Genus- zum Sechs-Klassen-System bei Eigennamen im Deutschen: Degrammatikalisierung und Exaptation. In: ZGL 43/2, 306-344.
Ronneberger-Sibold, E. (2000): Creative competence at work: the creation of partial motivation in trade names. In: Doleschal, U./Thornton, A. (eds.): Extragrammatical and marginal morphology. München, 85-105.
Ronneberger-Sibold, E. (2004): Warennamen. In: Brendler, A./Brendler, S. (eds.): Namenarten und ihre Erforschung. Hamburg, 557-603.