Monday, November 6, 2017

Warum es keine Metzger und Fleischhacker gibt

meinbezirk.at

GREIN, LEIPZIG. „Ich glaube, die Leute haben bei uns auch geschaut, dass sie manche Namen erst gar nicht bekommen oder gleich wieder loswerden. Stell Dir vor, du gehst wo und es schreit einer 'He, Fleischhacker!' Und in Wirklichkeit bist du Arzt oder Apotheker! Wie schaut das aus?“, meint Karl Hohensinner. 

Der Ruf der Universität Leipzig als namenkundliches Zentrum ist weltbekannt. Jetzt trafen sich Experten aus Deutschland, Schweiz, Polen, Russland, Lettland, Schweden, Finnland und Österreich zur internationalen Tagung „Namen und Berufe“. Als Repräsentant der österreichischen Familiennamen-Forschung nahm Karl Hohensinner aus Grein teil. 

In seinem international viel beachteten Referat präsentierte Karl Hohensinner nach einer neuen Methode geografische Verteilungskarten von Familiennamen. Es zeigt sich, dass in Deutschland wesentlich andere Familiennamen häufig und üblich sind als in Österreich. Im hochdeutschen Sprachbereich wurden vielfach Berufsbezeichnungen als Familiennamen herangezogen. So heißen in Deutschland um ein Vielfaches mehr Personen Müller, Schmied, Schneider, Schulze, Metzger und Köhler. 

Karl Hohensinner: „Der Name Müller ist in Österreich im Vergleich zu Deutschland selten. Der Familienname Müller stammt von der Berufsbezeichnung Müller. Bei uns in Österreich geht es bei Familiennamen oft um den Wohnort und nicht um den Beruf. Der häufigste österreichische Familienname ist Gruber. 
Im Österreichischen Donauraum wurde bei der Familiennamengebung um 1600 versucht, möglichst genau eine Art Wohnortsangabe ähnlich einer Adresse zur Familiennamenbildung heranzuziehen. Sehr oft findet sich als Ursprung eines Familiennamens ein mittelalterlicher Hofname, wie bei Rafetseder, Lumetsberger, Leonhardsberger, Steiner, Großebner, Oberklammer. In Österreich werden von den Ortsbezeichnungen Nußbaummühle, Bruckmühle, Kloibmühle die Namen Nussbaummüller, Bruckmüller und Kloibmüller abgeleitet. 

Nur in seltenen Fällen wurden im österreichischen Donauraum aus Berufsbezeichnungen Familiennamen gebildet. Berufe die mit Fleisch zu tun haben, kommen bei unds nahezu nicht vor, obwohl es viele Archivtexte von 1400 bis 1800 gibt, die das Fleischhacker-Gewerbe regeln. Im Innviertel ist das Dialektwort dafür Metzger, ansonsten Fleischhacker. „Ich glaube, die Leute haben bei uns auch geschaut, dass sie manche Namen erst gar nicht bekommen oder gleich wieder loswerden. Stell Dir vor, du gehst wo und es schreit einer "He, Fleischhacker!“. Und in Wirklichkeit bist Du Arzt oder Apotheker! Wie schaut das aus?“, meint Karl Hohensinner 

Die Tagung wurde von der "Deutschen Gesellschaft für Namenforschung" abgehalten. Eröffnet wurde die Tagung von Dieter Kremer, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Namenforschung. Einführende Worte brachte Dietlind Kremer, Leiterin der Namenberatung Leipzig. Die Referate werden im Frühjahr 2018 gedruckt als umfangreicher Sammelband erscheinen.

Karl Hohensinner: Als Repräsentant der österreichischen Familiennamen-Forschung nahm Karl Hohensinner aus Grein teil. Er ist durch die Forschungsprojekte Ortsnamenbuch des Landes Oberösterreich und Oberösterreichischer Familiennamenatlas bekannt und Gründungsmitglied der Institution VESNA (Vereinigung zur Wissenschaftlichen Namenforschung in Österreich).

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Namenkundliches Zentrum der Universität Leipzig  
Deutsche Gesellschaft für Namenforschung
 http://research.uni-leipzig.de/namenforschung/

Internationale wissenschaftliche Tagung 
Namen und Berufe, Leipzig 22017  

Universität Leipzig, Neuer Senatssaal, Ritterstr. 26