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Friday, March 10, 2023

Konrad Kunzes Namenkunde

 Link

Seit November 2022 läuft eine neue Sendereihe „Konrad Kunzes Namenkunde“ wo die unterschiedlichsten Namengebungen in Südbaden im Fokus stehen. 

Erklärt werden diese vom emeritierten Sprachwissenschaftler Konrad Kunze. 



Saturday, September 1, 2018

Prof. Teodolius Witkowski ist gestorben



Namenkundliches Zentrum der Universität Leipzig


Generationen von Studierenden haben sein Buch "Grundbegriffe der Namenkunde" seit 1964 in den Händen gehabt und konnten sich damit über die Terminologie der Namenforschung informieren. Nun ist Teodolius Witkowski 88-jährig in Potsdam gestorben. Er war ein Freund und Förderer der Leipziger Namenforschung und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Namenforschung.Sein Interesse galt insbesondere den Ortsnamen der Kreise Greifswald und Stralsund aber auch allgemein der slavistischen Namenforschung. Bei einem letzten Besuch in Potsdam schenkte er uns einen großen Teil seiner namenkundlichen Bibliothek. Dafür sind wir ihm sehr dankbar und wir werden in in guter Erinnerung behalten.

Tuesday, September 5, 2017

Hessische Namen und ihre Geschichten

Uni Giessen

Feldhinkel, Rübsamen, Sandrock – Hessische Namen und ihre Geschichten

Prof. Hans Ramge, Germanist der Universität Gießen, legt Neuerscheinung „Hessische Familiennamen – Namengeschichten, Erklärungen, Verbreitungen“ vor
Ist Goethe ein hessischer Name? Warum leben die Waldschmidt hauptsächlich in Mittelhessen? Wie kamen die Dörsam, die Nuhn, die Klingelhöfer zu ihren Namen? Wie die Rothschild und Oppenheimer? Wer hessische Wurzeln hat, sich dem Hessischen verbunden fühlt und den eigenen Familiennamen erforschen möchte, der kann sich ab sofort leicht einen Überblick verschaffen. Der Gießener Germanist Prof. Dr. Hans Ramge, Emeritus der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), legt zum 1. September sein neues Buch „Hessische Familiennamen“ vor, erzählt „Namengeschichten“, liefert Erklärungen und untersucht Verbreitungen.

Prof. Hans Ramge möchte „Namen in Geschichten lebendig werden lassen“; er hat den mehrdeutigen Begriff „Namengeschichten“ bewusst gewählt. Mit seinem neuen Buch wendet sich der Sprachwissenschaftler in erster Linie an Leserinnen und Leser ohne besondere philologische Vorkenntnisse. Die Messlatte an sein jüngstes Werk legt er hoch: wissenschaftlich fundiert, historisch korrekt, aber allgemeinverständlich soll es sein. Ramge weiß: Leserinnen und Leser wollen nicht nur gut verständlich informiert werden; sie wollen sich auch unterhalten fühlen. Er schreibt lebendig, hat sich „ein paar persönliche Geschichten, ein paar flapsige, sehr subjektive Bemerkungen und manche heiter-ironisch gemeinten Kommentare erlaubt“ – ohne die Standards der Namenforschung zu verletzen oder unangemessen zu verkürzen. 

Trägt der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier einen hessischen Nachnamen, wenngleich der Name offenkundig französischen Ursprungs ist? „Hesse ist, wer Hesse sein will“, schreibt Ramge im zweiten Kapitel „Mein Name in Zeit und Raum“. Und er erklärt im Vorwort: „,Hessische Familiennamen‘ und ,Familiennamen in Hessen‘ sind verschiedene Stiefel, teils mit gleichen, teils mit ganz verschiedenen Namen gefüllt. Kaya ist zweifellos ein ,Familienname in Hessen‘, aber ebenso zweifellos kein ,hessischer Familienname‘. Aber ist nicht Bouffier (mittlerweile) ein hessischer Familienname, auch wenn es noch ein paar Bouffiers in Südfrankreich gibt? Oder Besier, den es als Namen in Frankreich gar nicht mehr gibt? Ist Eisenhower ein hessischer Familienname, weil die ersten Eisenhauers im südlichen Odenwald nachgewiesen sind? Ramges Resümee: „Die Zeit ist vergeudet, sich mit solchen Spitzfindigkeiten lange zu befassen und abgrenzende Brandmauern zwischen ,hessisch‘ und ,außer-hessisch‘ zu errichten. ,Hessische Familiennamen‘ als Titel dieses Buchs meint also nur, dass hauptsächlich und ohne künstliche Einschränkungen Familiennamen behandelt werden, die schwerpunktmäßig in Hessen vorkommen.“

Das Buch gliedert sich in drei große Teile. Der erste Teil (Kapitel 1 – 4) beschäftigt sich mit dem Umgang und dem Interesse am eigenen Namen. Er zeigt ausführlich auf, mithilfe welcher Strategien und welcher Hilfsmittel auch interessierte Laien die Geschichte eines Familiennamens in Hessen und seine Deutung erforschen können. Im  zweiten Teil (Kapitel 5–10) werden die Entstehung und die geschichtliche Entwicklung der Familiennamen in Hessen in den wesentlichen Zügen dargestellt. Die Auswirkungen in der Gegenwart zeigen die abschließenden Kapitel 9 und 10. Einzelne Familiennamen und ganze Bündel von Familiennamen kommen heute schwerpunktmäßig in bestimmten Regionen vor und sind deshalb charakteristisch für diese Räume. Ergänzt wird die Darstellung in einem dritten Teil durch ein „Kleines Lexikon hessischer Familiennamen“. 

Hans Ramge, geboren 1940 in Berlin, ist emeritierter Professor an der JLU. An der Universität Gießen hat er von 1970 bis 1975 und dann wieder ab 1978 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2005 germanistische Sprachwissenschaft gelehrt. Namenforschung und Sprachgeschichte im hessischen Raum gehören zu seinen langjährigen Forschungsschwerpunkten. Bereits seine Doktorarbeit hatte er über rheinhessische Orts- und Flurnamen geschrieben. Weit über die Region hinaus bekannt wurde Prof. Ramge als Leiter des hessischen Flurnamenarchivs; 1986 erhielt er für seinen „Hessischen Flurnamenatlas“ den Henning-Kaufmann-Preis für Namenforschung.


  • Weitere Informationen
Hans Ramge: Hessische Familiennamen – Namengeschichten, Erklärungen, Verbreitungen, verlag regionalkultur, 336 Seiten, fester Einband 27,80 Euro;
Neuerscheinung 1. September 2017, ISBN 978-3-95505-026-9 

  • Kontakt


Telefon: 06409 7818
Pressestelle der Justus-Liebig-Universität Gießen, Telefon: 0641 99-12041

Sunday, May 14, 2017

Namenkundliche Informationen 107/108 (2016) ausgeliefert

GfN

Die meisten Mitglieder der GfN haben inzwischen (vorausgesetzt, sie haben ihren Jahresbeitrag entrichtet) den neuesten Band der Namenkundlichen Informationen erhalten. Als Schwerpunktthema sind hier die Akten der kleinen Tagung "Namen und Übersetzung" (Oktober 2016) abgedruckt, doch enthält der Band zahlreiche weitere Beiträge, mit einem kleinen, zufälligen Schwerpunkt zur Etymologie von "Leipzig".
Bild von NI aus dem Jahr 2007
Durch das Schwerpunktthema ist der Umfang wieder deutlich größer als die im Prinzip anvisierten rund 400 Seiten pro Jahrgang. Dieser Band ist der erste, der ohne Unterstützung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft erscheint. Das Ziel dieser langjährigen Förderung wurde inzwischen erreicht: Nach einem aufwendigen technischen Verfahren steht die Zeitschrift als Open- Access-Publikation im Internet zur Verfügung, auch die ursprünglich nicht digitalisierten Bände 1-94 sind leicht einsehbar (www.namenkundliche-informationen.de). Dieser Band wird ebenfalls, mit einer vorgeschriebenen Verzögerung, als Online-Zeitschrift für jedermann zugänglich sein. Allerdings ist die zukünftige Finanzierung nicht gesichert: Alleine über Mitgliedsbeiträge ist die Herstellung der Druckversion und der Online-Version (die einem allgemeinen Publikum in der ganzen Welt gratis zur Verfügung steht) nicht zu verwirklichen.
Erschienen ist der Band wieder im Leipziger Universitätsverlag: 522 Seiten, Broschur, 49,00 €, ISBN 978-3-96023-113-4 bzw. ISSN 0943-0849. Der Inhalt:

Inhalt / Contents

A. Themenschwerpunkt / Main Topic

Namen und Übersetzung / Names and TranslationAkten des Kolloquiums in Leipzig, 8. Oktober 2016 /Symposium Papers, Leipzig, 8 October 2016
Dietlind Kremer: Namen und Übersetzung oder besser: Wiedergabe von Namen in der Übersetzung/ Names and translation or better: Reproduction of proper names intranslations S. 10–26
Rosa Kohlheim / Volker Kohlheim: Dreieinhalb Jahrhunderte Don Quijote deutsch: Die Eigennamen in der Übersetzung/ Three and a half centuries of the German Don Quixote: The propernames in translation S. 27–41
Volker Kohlheim: Gradiva. Der übersetzte Name und sein Abbild / Gradiva. The translated nameand its image S. 42–53
Eliza Pieciul-Karmińska: Probleme der Wiedergabe von Anthroponymen und appellativischen Personenbezeichnungen in der gegenwärtigen polnischen Übersetzung der „Kinder- undHausmärchen“ der Brüder Grimm / Rendition of anthroponyms in the new Polish translation of the „Children’s and Household Tales“ by Brothers Grimm S. 54–76
Stanislava Gálová: Verfahren der Wiedergabe von Eigennamen im Sprachenpaar Deutsch-Slowakischam Beispiel von literarischen Texten / Translation processes of proper names ingerman-slovak literary texts S. 77–93
Ewa Makarczyk-Schuster / Karlheinz Schuster: Herr Wie-wenn-mann. Zur Frage der Übersetzbarkeit und der Übersetzung von„sprechenden Namen“ in Witkacys Bühnenstücken / The question of translatabilityand translation of „meaningful names“ in Witkacy’s plays S. 94–116
Carmen Cuéllar:  Lázaro Proper Names in Audiovisual Translation. Dubbing vs Subtitling / Eigennamen in audiovisueller Übersetzung. Synchronisation vs. Untertitelung S. 117–134
Rosemarie Gläser: Der Gebrauch von Namen in Victor Klemperers LTI, Notizbuch eines Philologen(1947) und die englische Übersetzung von Martin Brady, LTI, The Language of theThird Reich (2000) / The use of proper names in Victor Klemperer’s LTI – Lingua Tertii Imperii. Notizbuch eines Philologen (1947) and the english translation by Martin Brady, LTI, The Language of the Third Reich (2000) S. 135–160
Jarmila Opalková: Anthroponyme in der Amtskommunikation aus dem Blickwinkel der nationalenBedürfnisse – unter Berücksichtigung interkultureller Besonderheiten / Anthroponymsin office communication from the perspective of national needs – takinginto account intercultural peculiarities S. 161–173
Anikó Szilágyi-Kósa: Übersetzung von geographischen Namen – am Beispiel des SprachenpaaresDeutsch-Ungarisch / Translating of geographical names based on examples ofhungarian-german translations S. 174–185
Jean-Pierre Anderegg: Orts- und Familiennamen an der deutsch/französischen Sprachgrenze: Der Fall Freiburg im Üchtland (Stadt und Kanton) / Place names and proper names on the German/French language border: The case of Fribourg in Switzerland (city andcanton) S. 186–200

B. Aufsätze / Articles

Albrecht Greule: Das festlandkeltische Hydronym *Langvros: Rekonstruktion und Integration /The continental celtic hydronym *Langvros: reconstruction and integration S. 203–208
Karlheinz Hengst: Der slawische Adel, seine Sprache und seine Namen zwischen Saale und Elbe vom10. bis 13. Jahrhundert / Slavonic nobility, their language and names between therivers Saale and Elbe (10th-13th centuries) S. 209–279
Walter Wenzel: Die regio Neletici ubi est Vurcine civitas im Licht der Ortsnamen / The regioNeletici ubi est Vurcine in the light of toponymy  S. 280–298
Karlheinz Hengst: Namen in Urkunden zu sakralen Gründungen in Zwickau und Chemnitz Anfang des 12. Jahrhunderts. Onymische Zeugnisse für den Beginn des deutschen Landesausbaus an der Mulde vor 900 Jahren / Names in documents about clericalfoundationsin Zwickau and Chemnitz at the beginning of 12th century. Onymic witnesses from the beginning of the german settlement and cultivation along theriver Mulde 900 years ago S. 299–335
Peter Wiesinger: Die Ortsnamen Stainz/Stanz in der Steiermark und Steinz(en) in Oberösterreich /The place names Stainz/Stanz in Styria and Steinz(en) in Upper Austria S. 336–348
Peter Ernst: „Echte“ und „unechte“ -ing-Namen. Zu Terminologie und Sachbereich einer Siedlungsnamengruppe / On „authentic“ and „false“ -ing-names. Terminology and subject area of a group of settlement names S. 349–361
Volkmar Hellfritzsch: Der Familienname Nobis im Erzgebirge / The surname Nobis in the Erzgebirge region S. 362–368
Anja Stehfest / Barbara Aehnlich: Sozio- und pragmaonomastische Implikationen der Benennungspraxis am Beispiel der Christiana von Goethe / Socio- and pragma-onomastic implications of naming conventions exemplified by Christiana von Goethe S. 369–396
Daniela Pelka: Name und Kultur – die Vornamen der Oberschlesier als Zeichen der Gruppenzugehörigkeit/ Name and Culture – The first names of the Upper Silesians as anexpression of group affiliation S. 397–417
Dieter Kremer: Luther, Calvin, Protestant oder die frühe Wahrnehmung der europäischen Reformation in Portugal und der Neuen Welt / Luther, Calvin, Protestant or the Early Perception of the European Reformation in Portugal and the New World S. 418–438

C. Besprechungen und Diskussion / Reviews and Discussion

Bernd Koenitz: Leipzig – die Herkunft des Namens ist rein slawisch! / Leipzig – the origin of thename is purely Slavonic! S. 441–461
Karlheinz Hengst: Leipzig – slawische Ausgangsform des Namens möglich / Leipzig – slavic derivationof the name is possible S. 462–477
Walther Wenzel: Leipzig – ein altwestsorbischer Ortsname / Leipzig ‒ a place name of Oldwestsorbian origin S. 478–481
Volkmar Hellfritzsch: Heiligenverehrung und Namengebung, hg. von Kathrin Dräger, Fabian Fahlbusch und Damaris Nübling, Berlin/Boston 2016 S. 482–497
Volkmar Hellfritzsch: Familiennamen nach Beruf und persönlichen Merkmalen, hg. von Fabian Fahlbuschund Simone Peschke (= Deutscher Familiennamenatlas 5), Berlin/Boston 2016 S. 498–520
Autoren / Authors  S. 521–522

Wednesday, August 17, 2016

Der Ortsname Ziegenfauze in der Oberlausitz

http://www.onomastikblog.de/artikel/namen-spiegel/der-ortsname-ziegenfauze-in-der-oberlausitz/



Der Ortsname Ziegenfauze in der Oberlausitz als Rätsel in der Presse

Die "Sächsische Zeitung" vom 29. Juli 2016 (auch online nachlesbar) bietet unter der Überschrift "Ärger in Ziegenfauze" die Mitteilung, dass das Ortsschild zum wiederholten Male gestohlen worden sei. Und das liege eben an dem als originell empfundenen Ortsnamen. Auch "kämen ganze Reisebusbesatzungen hier vorbei, um sich das Schild anzuschauen." Allerdings gebe es bisher für die Entstehung des Namens "keine endgültige Erklärung. Man nimmt an, dass die Leute hier einst Ziegen hielten und irgendwann einmal einer Ziege, die nicht zum Bock wollte, eine Ohrfeige, oder auf Ostsächsisch eine 'Fauze' versetzten."



Im 2001 erschienenen Lexikon "Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen" sowie auch in den regionalen Vorgängerbänden zur Oberlausitz ist der Name Ziegenfauze nicht enthalten.
Bei dem kurios anmutenden Ortsnamen handelt es sich um eine lokale Prägung für eine ursprünglich kleine Siedlung in Steinbruchnähe aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an der Straße von Bautzen nach Löbau. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist dieser kleine Ort weiter gewachsen und schließlich sogar als Neukubschütz gekennzeichnet worden. Die Bauern des benachbarten Kubschütz aber hatten der kleinen Ansiedlung bereits im 19. Jahrhundert den Namen Ziegenfauze verliehen.

Das sogar im Internet verzeichnete "Ziegenfauze" in der Lausitz ist leicht erklärbar: Das hier so deutsch erscheinende Grundwort Fauze ist rückentlehnt aus obersorb. fawca 'Ohrfeige, Schlag' und dieses wiederum ist aus dem gleichbedeutenden mitteldeutschen Wort Faunze entlehnt. Das Sorbische kennt keine Diphthonge und hat daher das deutsche <au> mit dem in der Aussprache am nächsten kommenden <aw> wiedergegeben. Das -n- ist dabei in der entstandenen Konsonantenhäufung -wnc- im Sorbischen geschwunden.

In dem spöttisch gemeinten Ortsnamen wird auf die im Vergleich zu einem Bauerndorf auffällig kleine Ortsflur Bezug genommen, eben - natürlich mit Übertreibung - so winzig wie die Fläche bei einem "Ziegentritt, -schlag". Solche Überhöhungen sind gern zum Spott genutzt worden. So lässt sich z. B. vergleichen Flöhzunge für eine Ansiedlung auf einem durchaus längeren Flurstück, das sich von einer Ortsflur aus seitlich erstreckt. Und für eine kleine Ansiedlung bei Gaußig bei Bautzen ist Ende des 19. Jahrhunderts Ziegendorf verwendet worden (E. Eichler, H. Walther, Ortsnamenbuch der Oberlausitz. Berlin 1975, S. 381).

Das im Zeitungsartikel am Schluss genannte "ostsächsische Fauze" ist auch im vierbändigen "Wörterbuch der obersächsischen Mundarten" für die Lausitz verzeichnet, während das Deutsche sonst nur Faunze kennt. Ganz abwegig und falsch ist aber die Deutung mit der Ohrfeige für die Ziege. Solche Spottnamen wurden immer von den Bewohnern in Nachbarorten gegeben. Und es steckte stets mehr dahinter als etwa solch ein Klaps für eine Ziege!
Karlheinz Hengst

Sunday, May 1, 2016

Tagung "Linguistik der Eigennamen" in Mainz

http://www.onomastikblog.de/artikel/ankuendigungen/cfp-tagung-linguistik-der-eigennamen-in-mainz/

Am 10. und 11. Oktober 2016 findet in der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz eine Tagung zum linguistischen (Sonder-)Status von Eigennamen statt. Die Veranstalterinnen Luise Kempf, Damaris Nübling und Mirjam Schmuck laden mit nachfolgendem Text dazu ein.



Wegen des reichen Ertrags der Tagung "Linguistik der Familiennamen" im Jahr 2012 (s. dazu Debus et al. 2014) wird geplant, für 2016 diese linguistische Fokussierung auf den Eigennamen als sprachliche Kategorie auszudehnen. Erfreulicherweise gibt es derzeit in Deutschland mehrere namengrammatische Initiativen, die durch diese Tagung gebündelt und gestärkt werden sollen. Dabei werden besonders LinguistInnen und GrammatikerInnen eingeladen - sei es mit synchroner, diachroner und/oder kontrastiver Ausrichtung -, diese Tagung durch neue Forschungen und Erkenntnisse zu bereichern.

Insgesamt wurde die Namengrammatik von der Linguistik weitgehend übersehen und von der Onomastik selbst kaum als ihr Gegenstand wahrgenommen (sie befasst sich mehrheitlich mit der Etymologie von Namen). Dies erklärt die beträchtlichen Wissensdefizite bzgl. des grammatischen Verhaltens von Namen.

Dabei weisen Namen als monoreferente Ausdrücke ohne Semantik auf allen sprachlichen Ebenen Sonderentwicklungen auf: Auf der phonologischen Ebene etwa durch (abweichende) phonotaktische und prosodische Eigenschaften, auf der flexionsmorphologischen durch ein geringeres Maß an Allomorphie und per se weniger Flexion, insbesondere Introflexion (weniger Ab-/Umlaut, Stufenwechsel), auf der syntaktischen durch andere Stellungsregeln (im Deutschen beim Genitiv). Auch der Artikel erlangt vor Eigennamen ganz andere Funktionen als vor Appellativen, indem er - zusammen mit Genus - als classifier fungiert, der Informationen über das denotierte Objekt liefert (der Continental→ Auto, das Continental → Hotel/Restaurant/Bier, die Continental → Motorrad/Flugzeug) (Nübling 2015). Ebenso können Eigennamen in der Wortbildung von den üblichen Mustern divergieren, indem sie, wie im Fall der Warennamen, von besonderen Wortschöpfungstechniken Gebrauch machen (Ronneberger-Sibold 2000, 2004) oder sich eigene Derivationsmuster leisten (die Frankfurter Oper; grimmsche Märchen, obamaeske Weise).

Graphematisch sind Namen die einzige Wortart im Deutschen, die orthographisch nicht normiert ist und anderen Regularitäten folgt, was bspw. die Graphotaktik oder die Setzung von Syngraphemen wie Apostroph und Bindestrich betrifft. Aus diachroner Perspektive erweisen sich Eigennamen einerseits als konservativ (Erhalt des pränominalen Genitivs), vielfach aber auch als Vorreiter grammatischer Neuerungen - so bei der Entwicklung des ‑s-Plurals (Nübling/Schmuck 2010) oder der Substantivgroßschreibung (Bergmann/Nerius 1998). Dies unterstreicht einmal mehr die bislang unterschätzte Relevanz der Namengrammatik - ein Missstand, dem diese Tagung abhelfen soll.

Themenvorschläge im Umfang von max. einer DIN A4-Seite (inkl. Literaturliste) werden erbeten bis 31. Mai 2016 an: namengrammatiktagung@uni-mainz.de

Aktuelle Informationen zur Tagung unter: www.namenforschung.net/tagungen/namengrammatik
Literatur
Bergmann, R./Nerius, D. (1998): Die Entwicklung der Großschreibung im Dt. von 1500-1700. Heidelberg.
Debus, F. et al. (2014): Linguistik der Familiennamen. Germanistische Linguistik 225-227. Hildesheim.
Nübling, D./Schmuck, M. (2010): Die Entstehung des s-Plurals bei Eigennamen als Reanalyse vom Kasus- zumNumerusmarker. Evidenzen aus der deutschen und niederländischen Dialektologie. In: ZDL 77/2, 145-182.
Nübling, D. (2015): Die Bismarck - der Arena - das Adler. Vom Drei-Genus- zum Sechs-Klassen-System beiEigennamen im Deutschen: Degrammatikalisierung und Exaptation. In: ZGL 43/2, 306-344.
Ronneberger-Sibold, E. (2000): Creative competence at work: the creation of partial motivation in trade names.In: Doleschal, U./Thornton, A. (eds.): Extragrammatical and marginal morphology. München, 85-105.
Ronneberger-Sibold, E. (2004): Warennamen. In: Brendler, A./Brendler, S. (eds.): Namenarten und ihre Erforschung. Hamburg, 557-603.
Hier gibt es die Einladung als PDF zum Download.

Saturday, December 26, 2015

Online-Umfrage zum Thema "Wahrnehmung des eigenen Nachnamens"

http://www.namenforschung.net/aktuell/haben-sie-schon-ueber-ihren-nachnamen-nachgedacht/

Logo namenforschung.net

Haben Sie schon über Ihren Nachnamen nachgedacht?

TeilnehmerInnen an einer Online-Umfrage zum Thema "Wahrnehmung des eigenen Nachnamens" gesucht
Die Namenforscherin Friederike Kreil von der Universität Erlangen-Nürnberg untersucht die Wahrnehmung, Bedeutung und den Stellenwert des eigenen Nachnamens und hat dafür einen Online-Fragebogen erstellt. Die Umfrage ist Teil einer sprachwissenschaftlichen Untersuchung im Rahmen einer Masterarbeit an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Diese Studie beschäftigt sich erstmals mit diesem spannenden Thema und wir hoffen auf rege Teilnahme!

Weiterführende Links

 
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Liebe Teilnehmerin, lieber Teilnehmer,
herzlichen Dank für Ihr Interesse an meiner Studie!

Die folgende Umfrage ist Teil einer sprachwissenschaftlichen Untersuchung im Rahmen meiner Masterarbeit an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Sie untersucht erstmals die Wahrnehmung, Bedeutung und den Stellenwert des eigenen Nachnamens. Bei der Beantwortung der Fragen gibt es daher weder falsche noch richtige Antwortmöglichkeiten, sondern nur Ihre eigenen, individuellen Antworten.
Die Fragen beziehen sich dabei zum Teil auf sehr persönliche Umstände und Auffassungen. Bitte beachten Sie in diesem Zusammenhang, dass der Zweck dieser Untersuchung rein wissenschaftlich ist und damit keinerlei kommerzielles Interesse vorliegt. Alle Daten werden streng vertraulich behandelt, anonym ausgewertet und nur für diese Untersuchung verwendet. Eine spätere Zuordnung der Fragebögen und ein Rückschluss auf einzelne Befragte ist nicht möglich. Ihre Teilnahme ist freiwillig und kann zu jedem Zeitpunkt beendet werden.
Bitte nehmen Sie sich für diesen Fragebogen ca. 10-15 Minuten Zeit.
Sollten Sie Anregungen oder weitere Kommentare zur Studie haben, haben Sie am Ende dieser Umfrage die Möglichkeit dazu, diese mitzuteilen. Sie können mich unter friederike.kreil@fau.de auch direkt kontaktieren.
Vielen lieben Dank für Ihre Teilnahme!

Friederike Kreil

Friday, November 13, 2015

Familiennamen zu St. Martin

http://www.namenforschung.net/specials/st-martin/

Mit Lichtern, Gänsen und rotem Mantel - Familiennamen zu St. Martin

Der Martinstag am 11. November geht auf den Hl. Martin von Tours (4. Jh.) zurück. Er war Soldat im römischen Heer und bevor er aus Glaubensgründen aus dem Militärdienst austrat, wurde er durch einen besonderen Akt der Nächstenliebe berühmt. Der Reitersoldat begegnete vor den Stadttoren vom Amiens einem frierenden Bettler. Kurzerhand zerteilte er mit seinem Schwert den prächtigen roten Mantel und übergab das Teilstück dem armen Mann, der niemand anderes als Christus selbst war. Später wurde Martin Bischof von Tours, da er aber bescheiden war, wollte er die Wahl nicht annehmen und versteckte sich. Eine Schar schnatternder Gänse verriet ihn, so die Legende. Der Hl. Martin wurde schnell zum Schutzheiligen des fränkischen Reichs und wurde vor allem in Frankreich und den rheinischen Gebieten Deutschlands verehrt. Er ist auch Patron des Mainzer Doms und Bistums. In vielen Gegenden finden ihm zu Ehren Martinsumzüge statt, bei denen Kinder singend mit Laternen und oft von einem als römischer Soldat gekleideten St. Martin begleitet durch die Straßen ziehen. In evangelischen Gebieten werden die Umzüge auch zu Ehren Martin Luthers (der am 11.11. Namenstag hat) abgehalten. Der 11.11. ist im Rheinland nicht nur der Beginn der Fastnachtssession, er ist auch Beginn der 40-tägigen Fastenzeit vor Weihnachten. Für unsere Vorfahren ein Grund, noch mal so richtig zu schlemmen, bevor magere Zeiten anbrachen. Zudem waren an diesem Tag Zinsen und Abgaben fällig, das bäuerliche Wirtschaftsjahr ging zu Ende, das Gesinde wurde ausgezahlt. Dies war willkommener Anlass zu Festivitäten - besonders die Gänse waren jetzt fett genug, um für einen ordentlichen Braten herzuhalten.
Auch in Familiennamen treffen wir auf den heiligen Martin, seinen Mantel, Gänse und den Lichterglanz der Laternen.

Mantel

Verbreitung des Familiennamens Mantel
Sankt Martin teilte seinen Mantel mitten entzwei, um einen Erfrierenden zu wärmen. Doch wie entstand der Familienname Mantel? Diesen Namen teilen sich 2531 NamenträgerInnen (= ca. 904 Telefonanschlüsse). Er entstammt dem mittelhochdeutschen Wort mantel,mandel 'Mantel als Kleidungsstück' und bezeichnet meist jemanden, der einen Mantel trägt oder einen Schneider, der Mäntel herstellt. Gelegentlich konnte auch jemand gemeint sein, der an einem Föhrenwald wohnte. Dieser Wohnstättenname geht auf mittelhochdeutsch mantel 'Föhre; die äußersten Oberbäume eines Waldes' zurück. Seltenere Schreibvarianten des Namens sind Mantl und Mantell mit 22 und 21 Telefonanschlüssen (also ca. 62 und 59 NamenträgerInnen). Die Familiennamen Mendler (374 Telefonanschlüsse, ca. 1047 NamenträgerInnen), Mantler(184 Telefonanschlüsse, ca. 515 TrägerInnen), Mentler (52 Telefonanschlüsse, 146 TrägerInnen) und Mäntler (15 Telefonanschlüsse, ca. 42 TrägerInnen) gehen auf mittelhochdeutsch mantelermenteler zurück und meinen einen Trödler oder Kleiderhändler.

Licht und Lichter

Verbreitung der Familiennamen Licht undLichter
Der Lichterbrauch ist fester Bestandteil der Martinsbräuche, sei es in Form von Laternen und Fackeln oder als Martinsfeuer. Der Familienname Lichtkommt mit 1546 Telefonanschlüssen (d.h. ca. 4329 NamenträgerInnen) weit gestreut vor, der Name Lichter konzentriert sich mit 482 Telefonanschlüssen (entspricht ca. 1359 NamenträgerInnen) vor allem an der Mosel. In beiden Familiennamen steht Licht für jemanden, der auf andere besonders strahlend und hell wirkt (zu mittelhochdeutsch lieht) oder bezieht sich auf den Beruf eines Kerzenherstellers oder -verkäufers. Auch die Wohnstätte an einer hellen Stelle, nämlich einem gerodeten Waldstück, kann gemeint sein. Zuweilen liegt auch mittelhochdeutschlîht zugrunde, was einen leichtfertigen, unbeständigen Menschen bezeichnet. Darüber hinaus kommen Siedlungsnamen wie Lichta, Lichte (Thüringen) in Frage.

Gans

Verbreitung des Familiennamens Gans
Tatsächlich leitet sich der FamiliennameGans, den in Deutschland rund 2635 Personen tragen (941 Telefonbucheinträge), von dem allerorts bekannten Vogel ab, dem es traditionell zum Sankt-Martinstag an die Federn geht. Woher der Brauch des Gänsessens am 11. November kommt, ist nicht endgültig geklärt. Am wahrscheinlichsten ist die Erklärung, dass jährlich an diesem Tag eine Steuer fällig wurde, die in Form einer Gans bezahlt werden konnte oder deren Gegenwert entsprach. Der Familienname ließe sich demnach auf Pächter zurückführen, die für ein von ihnen bewirtschaftetes Land eine solche "Steuergans" erbringen mussten. Auch denkbar ist ein Übername für den Gänsezüchter, denn Gänse waren schon zur Zeit der Entstehung der Familiennamen auch fernab des Martinstages ein beliebter Speisevogel, sodass vielerorts Gänsezucht betrieben wurde.

Martin


Verbreitung des Familiennamens Martin
Die großräumige und intensive Verehrung des Hl. Martin hatte auch Auswirkungen auf die Namengebung. Ursprünglich geht der Rufname Martin auf den römischen Beinamen Martinus zurück, dieser wiederum auf Mars, den Namen des römischen Kriegsgottes.
Martin und seine dialektalen Formen wieMartenMertenMartiMertel usw. wurden vom Mittelalter bis heute häufig als Rufnamen vergeben. Und da Rufnamen eine wichtige Quelle für Familiennamen darstellen, finden sich Martin und seine Varianten auch oft in den heutigen Familiennamen wieder. So belegt Martinunter den häufigsten Familiennamen in Deutschland den 71., Martens den 300. undMertens den 301. Rang. Vereinzelt kann der Familienname Martin auch aus dem romanischen Sprachgebiet nach Deutschland eingewandert sein; er ist nämlich auch der häufigste französische Familienname. Nördlich an das Hauptverbreitungsgebiet des Familiennamens Martin, wie es auf der Karte zu sehen ist, schließen Namen wie Marten(s) oder Merten(s) an. In Bayern sind die Familiennamen aus Koseformen wie Mart(e)lMert(e)l oder Mört(e)lheimisch, sie sind jedoch insgesamt eher selten.

Sunday, November 1, 2015

Namen - Eine Einführung in die Onomastik 2. Auflage

http://www.namenforschung.net/aktuell/namen-eine-einfuehrung-in-die-onomastik-2-auflage/

Ab dem 28.10.2015 lieferbar: Die zweite Auflage des Einführungsbandes in die Onomastik
Die zweite Auflage des Bandes "Namen - Eine Einführung in die Onomastik" von Damaris Nübling, Fabian Fahlbusch und Rita Heuser ist ab dem 28.10.2015 lieferbar. Diese Einführung aus der Reihe narr-Studienbücher befasst sich aus linguistischer Perspektive mit der nominalen Sondergruppe der Eigennamen im Deutschen, bietet aber ebenfalls Ausblicke auf die Namen anderer Sprachen und Kulturen. Der erste Teil geht synchron ihren Funktionen und grammatischen Besonderheiten nach (phonologisch, morphologisch, syntaktisch, graphematisch), auch unter Berücksichtigung der Gebärdensprache. Des Weiteren werden das Spannungsfeld zwischen Name und Appellativ sowie die diachronen Übergänge beleuchtet, die zwischen ihnen stattfinden.Der zweite Teil befasst sich eingehend mit den wichtigsten Namenklassen: Neben neuen Perspektiven der Personen- und Ortsnamenforschung werden auch Tiernamen (Haus-, Nutz-, Zootiere), Objektnamen (Produkt-, Unternehmens-, Kunstwerknamen) sowie die Namen historischer Ereignisse (der 11. September) und von Naturereignissen (Orkan Lothar) behandelt. Die zweite Auflage wurde insbesondere im namentheoretischen und im namengrammatischen Teil überarbeitet und erweitert, ebenso im Kapitel zu den Tiernamen.

Saturday, October 24, 2015

Wie Namen entstehen und wirken

http://www.deutschlandfunk.de/nomen-est-omen-wie-namen-entstehen-und-wirken.866.de.html?dram:article_id=332465

Nomen est omen?

Wer Kevin, Dennis oder Jacqueline heißt, hat es als Kind schwerer bei Lehrern - das haben Studien herausgefunden. Auch in Internet-Partnerbörsen fallen bei diesen Namen die Vorurteilsklappen. Doch nicht nur Menschen werden Namen übergestülpt.
Von Rainer Praetorius
Kleiderhaken mit Namen von Kindern in einer Kita. (picture alliance / dpa / Volkmar Heinz)
Welchen Einfluss haben Namen auf die Wahrnehmung anderer? (picture alliance / dpa / Volkmar Heinz)
Konsumartikel oder ganze Unternehmen erhalten ebenfalls unverwechselbare Bezeichnungen. Fehler bei der Namenswahl können sich ruinös auswirken. Aus diesem Grund wird häufig die Suche nach einer neuen Waren- oder Unternehmensbezeichnung professionellen Namensagenturen übergeben. Auch Künstlernamen, Pseudonyme oder politische Namen entfalten eine spezielle Wirkung. Der große Trend auf allen Gebieten: exzessive Namensindividualisierung - manchmal bis zur Unkenntlichkeit. Davon bleibt selbst das Haustier nicht verschont.

Saturday, June 6, 2015

Ortsnamen: Eine Weide oder eine Furt?

http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg-land/Eine-Weide-oder-eine-Furt-id34258282.html


In unserer Serie betrachten wir den Ursprung Langweids einmal näher
Von Jürgen Dillmann
Unsere heutige Gemeinde liegt etwa 15 Kilometer nördlich von Augsburg am Lech. Bedeutend für die Entwicklung des einst ländlich strukturierten Ortes war der Bau des Lechkanals und des bis heute umweltfreundlich Strom liefernden Wasserkraftwerks Anfang des 20. Jahrhunderts.
Ein Teil der historisch bedeutsamen Anlage ist mittlerweile übrigens zu einem weithin renommierten, sehr sehenswerten Strommuseum umgebaut worden. Höhepunkt ist eine trockengelegte, begehbare Turbine, die das Funktionieren der Wasserkrafttechnik veranschaulicht.
All das ist sicher. Unsicher dagegen sind die Herkunft und auch die tatsächliche Bedeutung des Namens Langweid.
Im Gebiet des Ortes siedelten bereits die Römer und später, so belegen Reihengräberfunde, befand sich hier eine alemannische Niederlassung. Im Jahr 1143 wird die Siedlung als Lanchwate erstmals in einer Urkunde erwähnt.
Namen für Orte an Flüssen sind nicht selten
Im Laufe der Jahrhunderte änderte sich die Schreibweise, sicherlich auch mundartlich beeinflusst: Languatun, Lanqait, Lanckwayt, um nur einige aufzuzählen. Im Internet präsentiert sich heute die Gemeinde als „expandierende Insel in einer langen Weide“. Klingt gut, doch diese Deutung halten die Ortsnamen-Experten Walter Pötzl und Wolf-Armin Freiherr von Reitzenstein für fragwürdig.
Beide halten eine andere Bedeutung für wahrscheinlicher. Als Grundwort bietet sich das althochdeutsche Wort für Furt, nämlich wat, an. Unstrittig ist die Bedeutung der ersten Silbe, denn althochdeutsch heißt lanc lang. Demzufolge würde Langweid Siedlung an der langen, also seichten Stelle, an der man den Fluss überqueren konnte, kurz: Ort an der Furt bedeuten. Derlei Namen für Orte an Flüsse sind nicht selten, man denke beispielsweise an das unterfränkische Ochsenfurt oder auch an Frankfurt.
Ein Bezug zur Lage am Lech findet sich auch im seit dem Jahr 1955 geführten Wappen der Gemeinde. Gespalten von Rot und Silber durchquert schräg von oben rechts nach links ein stilisierter blauer Fluss das Wappen. Die Farben Rot und Silber weisen auf die Zugehörigkeit zum Augsburger Domkapitel hin.

Wednesday, October 1, 2014

Noch einmal zum Namen "Weida" in Ostthüringen

http://www.onomastikblog.de/namen_spiegel/weida_in_ostthueringen/

Von Karlheinz Hengst
Anlass zu dieser Äußerung ist der umfassende und zugleich auch den heutigen Forschungsstand zur Stadtentstehung in Ostthüringen bietende Beitrag des thüringischen Landeshistorikers Matthias Werner in dem gewichtigen Band Die Frühgeschichte Freibergs im überregionalen Vergleich mit dem Untertitel Städtische Frühgeschichte – Bergbau – früher Hausbau, hrsg, von Yves Hoffmann und Uwe Richter, erschienen in Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2013. Der bekannte Historiker Matthias Werner bereichert den umfangreichen Band mit Ausführungen Zur Stadtentstehung im östlichen Thüringen und Vogtland (S. 153-198).
In dem Beitrag wird bei Behandlung der Stadtwerdung von Weida im Zusammenhang mit den Erwägungen und Darlegungen zur Herkunft der Herren von Weida auf S. 173 in Anm. 158 auf die sprachgeschichtliche Darstellung zum geographischen Namen Weida durch mich in dem Zeitschriftenband Namenkundliche Informationen Nr. 99/100 (2011) Bezug genommen. Dabei ist ein Missverständnis seitens des Historikers zu meinen Ausführungen dort entstanden. Das zu korrigieren und möglichst zu beseitigen ist Anliegen dieser Zeilen.
Es heißt bei Werner: „Doch trotz der wichtigen jüngsten namenkundlichen Einwände von Hengst 2011, S. 215-223, … überwiegen nach Ansicht des Verfassers [M. Werner. - K.H.] dennoch weiterhin die Argumente, die angesichts der signifikanten Übereinstimmungen eine Gleichsetzung beider Familien wesentlich wahrscheinlicher erscheinen lassen als die Annahme zweier getrennter Familien“. Mit den beiden Familien sind die Herren von Weida mit übereinstimmenden Namen aus dem Raum Mühlhauen sowie im thüringischen Vogtland gemeint.
Als Sprachhistoriker ist es nun mein ausgesprochen ernsthaftes Anliegen zu betonen, dass ich keinerlei Einwände gegen die Überlegungen zur Herkunft des Geschlechts der Herren von Weida und zum Umfeld Heinrichs des Löwen sowie zur Herkunft aus dem Raum Mühlhausen im westlichen Thüringen in meinem Beitrag ausgeführt habe. Ich habe mich ausschließlich mit dem Namen des ostthüringischen Weida und seiner Überlieferung befasst. Es ging dabei einzig und allein um den Namen des Flusses und um den Namen der Stadt, nicht um die Aufklärung der Herkunft der Herren von Weida. Es war auch nicht mein Anliegen, etwas an Überlegungen zur Geschichte der Herren von Weida oder gar zu ihrer Herkunft als Ministeriale beizusteuern.
Anders formuliert: Mein Beitrag wird missverstanden oder leider falsch interpretiert, wenn er als „namenkundliche Einwände“ gegen die von Historikerseite ausführlich und begründet dargestellten Zusammenhänge bezüglich der Herkunft der Herren von Weida aus dem Raum Mühlhausen gekennzeichnet wird.
Weshalb habe ich den Beitrag in der onomastischen Fachzeitschrift überhaupt geschrieben? Dafür gibt es folgende Gründe:
  1. Wie im Beitrag auf S. 215 ausgeführt, lässt sich die Annahme einer Übertragung des Namens Weida aus Westthüringen auf Burg, Stadt und Fluss in Ostthüringen nicht erweisen. Die sprachgeschichtlichen Fakten sprechen dagegen. Der ostthüringische Flussname Weida sowie auch die Stadt gleichen Namens verdanken ihre Entstehung nicht dem Herkunftsnamen der späteren vogtländischen Herren von Weida. Der Name Weida in Ostthüringen hat schon vor Ankunft der späteren Vögte dort existiert, freilich nicht in dieser Lautung und Schreibung.
  2. Auf S. 216/217 ist mit einer Zusammenschau der Witha-Graphien aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts zugleich die Unsicherheit der Notare und die Angleichung des Widaa-Namens von 1143 in den folgenden Jahrzehnten an die Schreibungen mit <t> bzw. <th> bei den ostthüringischen Herren von Weida verdeutlicht worden – neben den aber auch beobachtbaren Graphien Wida bzw. Wyda als reinen graphischen Varianten. Die ältesten urkundlichen Schreibungen ab 1122 sind mit <t> eindeutige Wita-Formen.
  3. Der Grund für diese Alternationen im 12. Jahrhundert ist in dem ostthüringischen Gewässernamen Weida und seiner dort seit dem 10. Jahrhundert geläufigen Lautung [wītā] zu sehen. Möglicherweise beruht das Hydronym auf einer bereits in slawischer Zeit bekannten Vorgängerform (etwa *Vitava ‘die Gewundene’, vgl. dazu ausführlich S. 218-222). Aber in deutscher Zeit, spätestens im 10. Jahrhundert, wurde die ins Deutsche übernommene Namensform für den Fluss an das deutsche Sprachsystem angepasst, lautete dann [wītaha] und wurde bald verkürzt [wītā] gesprochen. Die dem Gewässernamen ursprünglich zugrunde liegende Motivierung aus slawischer Zeit war nicht mehr bekannt. Es erfolgte eine scheinbare sekundäre semantische Verankerung im Deutschen jener Zeit. Dazu bot die mittelalterliche deutsche Sprache gleich mehrere Möglichkeiten, um den gesprochenen Namen [wītā] als ganz heimisch zu empfinden. Bedeutungsmäßig kann dieser Name verstanden worden sein als ‘Waldgewässer’ (vgl. ahd. witu ‘Holz’) oder auch als ‘großes, breites Gewässer’ (vgl. ahd. wīt ‘von großer Ausdehnung’), vielleicht auch in Anlehnung an altniederdeutsch hwīt ‘weiß’ als ‘Weißbach, Weißwasser’. Die genannten Bedeutungen rechtfertigten zugleich auch die der Lautung entsprechenden Schreibungen mit <t> ab 1122 im 12. Jahrhundert.
  4. Die zitierten urkundlichen Schreibungen mit <t> lassen sprachgeschichtlich keine andere Zuordnung zu, d. h. eine Verbindung mit ahd. wīda ‘Weide’ scheidet bei dem Hydronym Weida in Ostthüringen für die älteste Zeit, hier also für den Zeitraum bis ins 12. Jahrhundert, definitiv aus. In jener Zeit erfolgten die urkundlichen Schreibungen von Namen durchaus nicht willkürlich, sondern folgten der Aussprache und unterschieden auch klar nach den Phonemen /t/ und /d/.
  5. Im Laufe des 12./13. Jahrhunderts sind die Namen von Fluss und Sitz Weida sowie auch der vogtländischen Herren von Weida vereinheitlicht worden. Inwieweit dabei vielleicht auch altniederdeutscher Sprachgebrauch die Schreibung beeinflusst hat, also möglicherweise auch altsächsisch wīd ‘von großer Ausdehnungֹ’ in die Graphie der Namen eingeflossen ist, bleibt ein „Geheimnis“ der Schreiber, lässt sich also heute nicht mehr sicher bestimmen. Im Hochmittelalter hat sich dann die Graphie mit <d> durchgesetzt. Ursache dafür war dabei die nun wiederum neue scheinbare sekundäre semantische Verankerung im Deutschen mit Anschluss des Namens an das mhd. Wort wīda ‘Weide(nbaum)’. Vermutlich hat diesen Prozess die in jener Zeit einsetzende binnendeutsche Konsonantenschwächung unterstützt, was zu einer Abschwächung der Unterschiede bei der Artikulation von /t/ und /d/ führte.
In der eingangs zitierten Anmerkung findet sich folgender Schlusssatz: „Eine nochmalige eingehende Beschäftigung des Verfassers [M. Werner. – K.H.] mit der Gesamtthematik ist beabsichtigt.“ Diese Absicht rechtfertigt zugleich die Ausführlichkeit dieser nochmaligen Stellungnahme zur Problematik des Namens Weida. Aus diesem Grund sei hier auch nochmals bekräftigt: Der Name der Herren von Weida – in Ostthüringen – ist letztlich seit rund achthundert Jahren gleichlautend (homonym in Laut- und Schriftbild) mit dem schon vor ihrem Erscheinen in Ostthüringen vorhandenen Flussnamen und seiner urkundlichen Bezeugung mit 1122 Withaa und Mosilwita (NI 2011, S. 218). Geändert hat sich gut erkennbar nur die Schreibung mit Wechsel von <t> zu <d>. Dieser sprachgeschichtlich gut erklärbare Entwicklungsprozess zeigt keinerlei außergewöhnliche Erscheinungen. Diese Fakten widersprechen aber voll und ganz dem Versuch einer Annahme, der Name Wida aus dem Raum Mühlhauen (also des wüst gewordenen westthüringischen Ortes) sei auf Burg, Siedlung und Fluss in Ostthüringen erst durch die Ministerialen von Weida übertragen worden.
Es ist sicher ein seltenes und für Thüringen einmaliges Phänomen, dass die augenfällige lautliche Ähnlichkeit zweier Namen als von zwei unterschiedlichen Lexemen abgeleitete Bildungen mit unterschiedlicher ursprünglicher Bedeutung zu einer Namenkongruenz geführt hat. Es ist aber eben ein sprachgeschichtlich erwiesener Tatbestand.
Einwände gegen eine Herkunft der Herren von Weida aus der westthüringischen Region um Mühlhausen ergeben sich aus sprachgeschichtlicher Sicht nicht. Nur hat eben der Name von Fluss und Ort in Ostthüringen sprachlich primär nichts mit dem Herkunftsnamen der späteren Ministerialen zu tun. Den Gewässernamen gab es bereits vor Ankunft der Herren von W. – genauso wie die Namen der anderen Sitze der Vögte zu Gera und Plauen. Lediglich der Name Greiz wurde von den Slawen erst in der Zeit der Erbauung der deutschen Burg gebildet (vgl. zu diesen drei Namen auch Manfred Niemeyer (Hrsg.), Deutsches Ortsnamenbuch, Berlin/Boston 2012, S. 203f., 494 und 220).
Eins steht zum Schluss ganz klar fest: Mit sprachlichen Mitteln ist das Problem der Herkunft der Vögte von Weida also keinesfalls zu klären – weder zu begründen, noch zu widerlegen.
Prof. Dr. Karlheinz Hengst
E-Mail: hengst@rz.uni-leipzig.de oder khengst@gmx.net
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