Thursday, August 13, 2015

Nomen et Gens - Jahrestreffen 2015

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Namen in Urkunden, Inschriften und auf Grabsteinen

Bericht von Albrecht Greule, Regensburg
Greule

Wie seit Jahren regelmäßig an Christi Himmelfahrt kamen auch in diesem Jahr die am Forschungsprojekt „Nomen et Gens“ Beteiligten im Schatten der altehrwürdigen Kirche Sankt Gereon zu Köln am 15. Mai zu ihrem Jahrestreffen zusammen. Unter dem Vorsitz von Gerhard Lubich (Universität Bochum), der das Treffen vorbereitet hatte, wurden in dessen Verlauf sechs Vorträge gehalten.
Drei Vorträge befassten sich mit der Kernfrage der Nomen-et-Gens-Gruppe, der kultur- und sprachhistorischen Aussagekraft von Personennamen der kontinentaleuropäischen Gentes vom 8. bis zum 10. Jahrhundert. Dabei stehen auch die Quellengattungen, in denen Namen überliefert werden, im Fokus des Forschungsinteresses. Nachdem ein umfangreiches DFG-Projekt zu den auf Merowingermünzen überlieferten Namen unlängst abgeschlossen wurde, standen in Köln die Namen auf Inschriften im Vordergrund. Winfrid Schmitz (Köln) berichtete über „Personennamen auf Kölner Grabsteinen“ und Irene Rettig (Bern) über „Germanische Personennamen in Schweizer Inschriften des Frühmittelalters“. Einer anderen Quellengattung, den Urkunden, war der Vortrag von Francesco Lo Monaco „Nomina und gentes in den bergamaskischen Urkunden im 11. und 12. Jahrhundert“ gewidmet.
 
Die junge Forscherinnen-Generation kam mit Cathrin Junker (Bochum) zu Wort; sie steuerte einen eine breite Diskussion anregenden Vortrag zu „Der Rabe in Namen“ bei. Wie die onomastische Behandlung von frühmittelalterlichen Personennamen aussehen kann, zeigte vorbildlich Wolfgang Haubrichs (Saabrücken) unter dem Vortragstitel „Variation von Personennamen im Frühmittelalter“ an dem Spezialproblem der „Doppelnamen“ (z.B. Badvila alias Totila). Er erläuterte systematisch aus sprachwissenschaftlicher Sicht, in welchem Verhältnis die beiden Namen zueinander stehen. Das andere Zentrum des Projekts „Nomen et Gens“ ist die Datenbank, in der zurzeit 25.000 Personen prosopographisch und onomastisch erfasst sind. In Köln widmete sich der Vortrag von Andreas Kuczera (Gießen/Mainz) der Zukunft der Nomen-et-Gens-Datenbank unter dem Thema „Von Registern zu visualisierten Netzwerken – ein Weg für die Datenbank von ‚nomen et gens‘?“ Das nächste Jahrestreffen wird an Christi Himmelfahrt 2016 in Tübingen stattfinden.