Saturday, February 14, 2015

Helau, Alaaf und Narri-Narro

http://www.namenforschung.net/specials/fastnacht/


Narrenfeste wurden schon immer gerne gefeiert, man kann sie bis in die Antike zurückverfolgen. Alles war erlaubt: Niedriggestellte konnten sich wie Herren verhalten, und die Weltordnung wurde auf den Kopf gestellt (man sprach auch von der "verkehrten Welt"). Besonders im späten Mittelalter entwickelten sich im Zusammenhang mit der vorösterlichen Fastenzeit allmählich viele heute noch bekannte Fastnachtsbräuche (und wurden auch hin und wieder erfolglos verboten): Umzüge und Tänze in Verkleidung, Narrenauftritte, Mummenschanz und Schlemmerei. Unsere Vorfahren wollten noch mal so richtig genießen, bevor sie die Fastenzeiten einhalten mussten. Daher wurden traditionell zu Beginn und am Ende besondere Festlichkeiten vorgesehen. Meist sind diese verbunden mit reichlichem Essen und Trinken. Nicht umsonst heißt der Höhepunkt der Fastnachtszeit in den USA (v.a. in New Orleans) Mardi gras 'fetter Dienstag'. Zum Schmausen eigneten sich vor allem in fett ausgebackene Teigwaren (Kreppel) und ähnliche kalorienreiche Gerichte. Eine besondere Note erhielt die rheinische Fastnacht im 19. Jahrhundert - sie verlagerte sich zunehmend in den Saal (Maskenbälle) und wurde politischer. Heute ist Fas(t)nacht/Fasching/Karneval vielfältig und bunt. Es wird in den unterschiedlichsten Ausprägungen ausgelassen gefeiert.
Allen Närrinnen und Narren wünschen wir eine gutgelaunte Zeit!

Kreppel

Verbreitung des Familiennamens Kreppel
Einen Krapfen aus Hefeteig, der in Öl oder Fett schwimmend gebacken wird, nennt man u.a. in Hessen, Rheinhessen und in der Pfalz Kreppel. Und dort, genauer gesagt im Raum Wiesbaden - Bad Camberg, ballt sich auch der entsprechende Familienname mit deutschlandweit rund 481 TrägerInnen. Die Bezeichnung spielt übrigens auf die ursprünglich gebogene Form des Gebäcks an, denn mittelhochdeutschkrapfe bedeutete 'Kralle, Haken'.



Jeck

Verbreitung des Familiennamens Jeck
Was in anderen Regionen der Narr, ist im Rheinland der Jeck. Diese Bezeichnung für einen aktiven Karnevalsteilnehmer ist aus dem mittelhochdeutschen, mittelniederdeutschen Substantiv geckmit der Bedeutung 'Narr, Tor, Wahnsinniger' entstanden. Eher selten dürfte dem Familiennamen jedoch dieses Wort zugrunde liegen. Vielmehr handelt es sich bei Jeck (378 Telefonanschlüsse, demnach ca. 1060 NamenträgerInnen) um ein Patronym, d.h., der Familienname geht auf den Rufnamen des Vaters des ersten Namenträgers zurück. Jeck stellt dabei eine Kurzform von Jakob dar. Etwas seltener ist die Schreibvariante Jäck mit 274 Telefonanschlüssen (ca. 770 NamenträgerInnen).


Narr

Verbreitung des Familiennamens Narr
Dort, wo sich in der schwäbisch-alemannischen Fastnacht die Feiernden mit "Narri, Narro" begrüßen, aber auch im Vogtland, ist der Familienname Narrzuhause. Die Narrengesellschaft umfasst rund 1500 NamenträgerInnen. Im Mittelalter hatte der Narr aber noch keine Session; er war ein Ganzjahresjeck. Als Narren wurden damals Menschen bezeichnet, die aus der Menge durch andersartiges Verhalten oder Aussehen hervorstachen. Die ersten Namenträger können ihren Namen auch durch die Rolle des Narren in einem Schauspiel erhalten haben.


Fastnacht und Fasching


Verbreitung der Familiennamen Faßnacht,Fastabend und Fasching
Die närrischen Tage tragen, von der jeweiligen Region abhängig, unterschiedliche Bezeichnungen. Deren ursprüngliche Bedeutung ist noch weitgehend ungeklärt. Im Mittelalter wurden sie aber (z.B. mittelhochdeutschvaschancvaschang bzw. mittelhochdeutsch vastnahtvasnaht) als 'Beginn bzw. Tag vor der Fastenzeit' verstanden. Die Bezeichnungsvielfalt spiegelt sich auch in den Familiennamen und ihrer Verbreitung wider. Der NameFasching kommt im Südostdeutschen vor, während Faßnacht (mit ca. 792 NamenträgerInnen) und Fassnacht (mit ca. 364 NamenträgerInnen) im alemannischen, fränkischen und rheinischen Raum aufreten. Daneben gilt v.a. im niederdeutschen Raum Fastabend(mit ca. 398 NamenträgerInnen). Der Name Fastnacht (ca. 255 NamenträgerInnen) ist hauptsächlich west- und ostmitteldeutsch. Wahrscheinlich wurden Bauern so benannt, weil sie zu diesem Zeitpunkt Abgaben zu leisten hatten (z.B. Fastnachtshühner). In manchen Fällen war vielleicht auch die Feierfreudigkeit und das frohsinnige Gemüt des ersten Namenträgers ausschlaggebend. Karneval ist übrigens erst im 17. Jahrhundert aus dem Italienischen entlehnt worden und kommt daher in deutschen Familiennamen nicht vor. Die heutige Verbreitung der Bezeichnungen für die Zeit vor Aschermittwoch kann man im Atlas der Deutschen Alltagssprache anschauen.