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Symposium des Mediävistenverbandes an der Universität Salzburg
23. – 26. 2. 2025
Organisation: Manfred Kern (Germanistik), Christina Antenhofer (Geschichte), Alexander Zerfaß
(Liturgiewissenschaft)
Konzept des Symposiums
In nomine domini, ich wil beginnen, sprechent âmen, mit diesen Worten eröffnet Walther von der
Vogelweide den sogenannten Unmutston, eine seiner berühmtesten politischen Strophenreihen
(L. 31,22). Die Berufung auf den Namen des Herrn, der dem Gebot entsprechend gar nicht
eigentlich genannt wird, besichert die Selbstermächtigung des Sängers als scharfer Kritiker der
soziopolitischen Zustände. Es folgt eine Nennung des Landes, in dem das Sänger-Ich „singen und
sagen“ gelernt haben will, auch des Regenten, des Herzogs von Österreich, Leopold. Mit diesem
Name-Dropping schreibt sich der Text in eine realhistorische Geographie und Hierarchie ein, die
(scheinbar) historische Faktualität vermittelt. Das poetische Subjekt selbst gibt sich konkrete
biographische Konturen, Orts- und Gönnername formen offenbar seine Identität und
Individualität, auch für die Rezipierenden. Die Namen machen das Subjekt, das sich nur Ich nennt,
identifizierbar, sie haben Wiedererkennungswert bis in die moderne Forschung. Man meint(e), über
ihre Spur die historische Künstlerpersönlichkeit mit ihren Erfahrungen greifen zu können, in der
Berufung auf den Herrn schließlich jenen selbstbewussten Sänger, den man bis heute in Walther
sehen will – auch wenn sein Name in diesem Fall gar nicht fällt.

Das konkrete Beispiel kann erste Aspekte und Potenziale andeuten, die das Thema des
Symposiums des Mediävistenverbandes 2025 in Salzburg bietet. Sie will sich Phänomenen,
Semantiken, kulturellen Erscheinungsformen und Praktiken widmen, die sich mit Namen (nomina
propria) und Benennung im Mittelalter verbinden. Ziel ist es, spezifische historische Perspektiven
inter- und transdisziplinär zu erschließen. Die Bedeutung von Namen und Benennung zeigt sich schon am Gottesnamen selbst, an seiner
Tabuisierung, seiner Umschreibung, aber auch im Sinne des Sprechens in nomine, wie es eben bei
Walther heißt. Name verbindet sich mit Autorität, er impliziert in gewisser, mitunter paradoxer
Weise eine namentliche, verbale Verkörperung, Personalisierung und Präsenz transzendenter wie
immanenter Instanzen (zumal Herrschaftsinstanzen), von Wissen und Wissenstraditionen, aber
auch von einem sich ausbildenden Begriff von Urheberschaft und Kreation, nicht zuletzt in den
Künsten. Namen visualisieren darüber hinaus Netzwerke, personelle, insbesondere familiäre, wie
geographische, und stellen Indikatoren für vormoderne Individualität dar. Individualisierung über
Benennung geht zudem einher mit Verfügbarmachen, wie es sich etwa auch an Phänomenen der
Namensmagie abzeichnet.
Das umfassende Thema lässt sich in folgende Felder unterteilen, die von einander natürlich nicht
streng zu scheiden sind und bei denen jeweils theoretische, geschichtliche, textuelle, ikonische und
performative Aspekte ineinandergreifen:
Themenfeld 1: Denkformen
Name und Heiligkeit – Gottesname – nomen est omen – Namensmagie – Namenstabu –
Name und auctoritas – Namensetymologie – Logik und Sprachphilosophie
Themenfeld 2: Kulturgeschichte/Kulturtheorie
Namen und Kulturgeschichte (Siedlungsgeschichte, Ortsnamen, Personennamen) – Kultur
und Interkulturalität von Namen – Name und Recht/Rechtspraxis – Eigen- und
Fremdbenennung – Name und Identität – Schimpfnamen, Spottnamen, Verballhornungen
Themenfeld 3: Ästhetik und Poetik des Nennens
Sprechakte und Namensrhetorik (Berufung, Anaklese/Epiklese, Katalog) – Name und
Klang – Strategien der Benennung (Namen und Sujets, Figurennamen, Namen und
Texttraditionen, Name und Antonomasie) – Sprechende Namen und Namenszusätze
Themenfeld 4: Subjekt, Objekt und Zuschreibung
Anonymität und Onymität – Name und Autorschaftsbewusstsein – Namenssignaturen und
non-verbale Signaturen (Steinmetzzeichen) – Bildkünstlerische Einschreibungen –
Zuschreibung und Pseudo-Namen – Tiernamen – Dingnamen
Studien zu Namen und Benennung erleben in der Gegenwart in allen genannten Feldern erhebliche
Transformationen durch den Digital Turn und die Digital Humanities. Wünschenswert sind daher
auch Beiträge, die wissenschaftshistorisch und/oder methodologisch nach innovativen Optionen
fragen, die sich mit neuen digitalen Erschließungs- und Analyseformen ergeben.
Alle Themenfelder bieten last but not least Chancen für eine fachdidaktisch attraktive
Umsetzung und Potenziale für mediävistische Gegenstandsbereiche im Schulunterricht.
Einreichung von Sektions- und Vortragsvorschlägen
Vorschläge für Sektionen und Einzelvorträge werden bis zum 1. 2. 2024 per Mail an
izmf@plus.ac.at erbeten.
Sektionen steht ein Slot von 1,5 Stunden zur Verfügung, sie bestehen in der Regel aus drei
Vorträgen, die interdisziplinär anschlussfähig sein sollen.
Die Vortragenden einer Sektion sollen
mindestens zwei unterschiedliche Fächer vertreten.
Jeder Beitrag (Einzelvortrag und Sektionsvortrag) soll mit einem kurzen Abstract von max. 2000
Zeichen versehen sein.
Bei Sektionseinreichungen soll zusätzlich ein kurzes Gesamtkonzept zu
übergreifenden Fragestellungen und Zielen (max. 2000 Zeichen) gegeben werden.
Es wird gebeten, die beabsichtigte Vortragssprache explizit anzugeben.