Saturday, April 25, 2026

Ein Blick ins Programm der Tagung „Onomastik im digitalen Zeitalter“

KI-generierte Illustration – kein offizielles Tagungsposter
 Die Tagung „Onomastik im digitalen Zeitalter“, die Ende September 2026 an der Universität Bremen stattfindet, verspricht einen ausgesprochen breiten und zugleich sehr aktuellen Einblick in die digitale Namenforschung. Schon das Programm zeigt, dass es nicht nur um Digitalisierung im technischen Sinn geht, sondern um einen tiefgreifenden Wandel onomastischer Arbeitsweisen, Infrastrukturen und Fragestellungen.

Ein deutlicher Schwerpunkt liegt auf digitalen Ressourcen und Portalen: Vorgestellt werden unter anderem die onomastischen Plattformen des Schweizerischen Idiotikons, digital erhobene Flurnamen als Forschungsinfrastruktur, der Familiennamenatlas der Deutschschweiz, das Historische Ortsverzeichnis von Sachsen sowie das Rheinland-Pfälzische Flurnamenlexikon. Damit rücken zentrale Fragen in den Vordergrund: Wie lassen sich Namendaten langfristig sichern, kartieren, vernetzen und für Forschung wie Öffentlichkeit nutzbar machen?

Auffällig ist außerdem die starke Präsenz von Raum-, Karten- und Geodatenperspektiven. Mehrere Beiträge widmen sich der räumlich-zeitlichen Analyse von Namenverzeichnissen, der webbasierten Kartierung von Toponymen sowie der Lokalisierung und geografischen Nutzung von Flurnamen. Das zeigt, dass digitale Onomastik heute immer stärker auch als raumbezogene Datenwissenschaft gedacht wird.

Daneben öffnet sich die Tagung bewusst für neue Namenwelten und neue Methoden. Besonders spannend wirken Beiträge zu Hannoveraner Pferdenamen, zu Produktnamen und Logos von Lernmanagementsystemen, zu Namenübergriffen im politischen Diskurs sowie zur Onomastik im Dialog mit KI, konkret zu Namen von KI-Chatbots und KI-Agenten. Gerade hier dürfte sichtbar werden, wie sehr sich die Namenforschung inzwischen auch mit gegenwartsnahen, medialen und technologischen Phänomenen verbindet.

Ein weiterer wichtiger Zug des Programms ist seine internationale Reichweite. Beiträge aus Zürich, Innsbruck, Bratislava, Tbilisi, Uppsala, Riga, Bern, Cherson/Münster und anderen Orten machen deutlich, dass digitale Onomastik längst in transnationalen Netzwerken arbeitet. Thematisch reicht das von onomastischer Terminologie über mittelalterliche Personennamen Schwedens bis hin zu deutsch-ukrainischen Vergleichen bei digitalen Ressourcen zur Straßenbenennung.

Bemerkenswert ist schließlich auch, dass die Tagung nicht bei der Theorie stehen bleibt. Mit Themen wie partizipativer Onomastik, Digitalisierung und Ehrenamt im Thüringischen Flurnamenprojekt, einer onomastischen Stadtführung sowie der Vorstellung des International Network for Personal Names Research wird deutlich, dass hier auch über Kooperation, Vermittlung und die Zukunft der Fachcommunity nachgedacht wird. Insgesamt kündigt das Programm eine Tagung an, die klassische Namenforschung, digitale Infrastruktur, Öffentlichkeit und innovative Themenfelder produktiv zusammenführt.


Programm Tagung „Onomastik im digitalen Zeitalter“
(Stand 05.03.2026)
Ort: Universität Bremen
Veranstalter*innen: Barbara Aehnlich, Andreas Jäger, Anna Mattfeldt, Andreas Rothenhöfer

28.09.2026

12:00: Öffnung des Tagungsbüros
13:00: Eröffnung der Tagung

13:30–14:00: This Fetzer und Martin Graf (Zürich):
Die onomastischen Plattformen des Schweizerischen Idiotikons und ihr Potenzial und ihre Herausforderungen für Forschung und Öffentlichkeit

14:00–14:30: Elisabeth Gruber-Tokić und Gerhard Rampl (Innsbruck):
Die Nutzung digital erhobener Flurnamen als Forschungsinfrastruktur

14:30–15:00: Simone Berchtold (Zürich):
Digitalisierung: Familiennamenatlas der Deutschschweiz

Kaffeepause

15:30–16:00: Eric Iwanski (Dresden):
Das Historische Ortsverzeichnis von Sachsen (HOV) heute – digitale Fortschritte, neue Erkenntnisse und Herausforderungen

16:00–16:30: Michael Albus, Andreas Görres und Holger Meyer (Rostock):
Techniken zur räumlich-zeitlichen Analyse von Namenverzeichnissen

16:30–17:00: Christoph Nölle (Wuppertal):
Web-basierte Kartierung von Toponymen am Beispiel der apa-Namen

17:00–17:30: Daniel Kroiß (Mainz):
Das Rheinland-Pfälzische Flurnamenlexikon – Herausforderungen und Perspektiven eines 20 Jahre alten Digitalprojekts

18:30: Verleihung Henning-Kaufmann-Preis

29.09.2026

09:00–09:30: Kristin Loga (Münster):
Alles digital, oder was? – Eine Momentaufnahme beim Deuten von Orts- und Familiennamen

09:30–10:00: Milan Harvalík und Iveta Valentová (Bratislava):
Digitale Bearbeitung der onomastischen Terminologie

10:00–10:30: Marina Andrazashvili (Tbilisi):
Toponyme Deutschlands unter der Lupe der Auslandsgermanistik

Kaffeepause

11:00–11:30: Anja Hasse und Martina Heer (Zürich/Bern):
Von Frühsport bis Johnny Depp. EquinOn – Das digitale Namenprojekt zu Hannoveraner Pferden

11:30–12:00: Stefan Hackl (München):
Onomastik im Dialog mit KI: eine explorative Studie zu Namen von KI-Chatbots und KI-Agenten im KI-gestützten Forschungsdesign

12:00–12:30: Luca Winklmüller (Mainz):
„Gavin New-Scum, he’s the governor of California“. Positionierung mit Namenübergriffen im öffentlich-politischen Diskurs

12:30–13:00: Michael Reichelt (Halle/Saale):
Von Abara bis Zywave, von Adler bis Zylinder – Produktnamen und -logos von Lehr- und Lernmanagementsystemen (LMS)

13:00–14:00: Mittagspause

14:00–14:30: Rita Heuser und Jonatan Jalle Steller (Mainz):
Mehr Selbstwirksamkeit im konsolidierten Portal für Namenforschung

14:30–15:00: Daniel Solling (Uppsala):
Das Wörterbuch der mittelalterlichen Personennamen Schwedens und seine Digitalisierung

15:00–15:30: Renāte Siliņa-Piņķe (Riga):
Historisches lettisches Vornamenbuch (digital): Berührungspunkte mit dem Deutschen

15:30–16:00: Martina Heer und Michael Prinz (Bern/Uppsala):
SaRa-Digital: Datenarchäologie und Familiennamengeographie auf der Grundlage der Sammlung Ramseyer

17:00: Onomastische Stadtführung
18:30: Abendessen

30.09.2026

09:00–09:30: Verena Kohlmann und Florian Landes (München):
Von Aach bis Zwölfling – Zum aktuellen Stand der „Erfassung der mundartlichen Form der Ortsnamen in Bayern“

09:30–10:00: Ulrich Ritzerfeld (Marburg):
Das Hessische Ortslexikon als Grundlage einer modernen Onomastik

10:00–10:30: Stefan Aumann (Marburg):
Wege zur Lokalisierung Hessischer Flurnamen

Kaffeepause mit Postervorstellungen

11:15–11:45: David Brosius und Petra Kunze (Jena):
Partizipative Onomastik: Digitalisierung und Ehrenamt im Thüringischen Flurnamenprojekt

11:45–12:15: Hans-Peter Ederberg und Christian Zschieschang (Cottbus):
Die Digitalisierung Niederlausitzer Flurnamensammlungen. Aus der Werkstatt

12:15–12:45: Axel Heinze (Aurich):
Die geografische Nutzung einer digitalen Flurnamensammlung

12:45–13:45: Mittagspause

13:45–14:15: Maria Kopf (Hamburg):
Herausforderungen der Gebärdensprach-Toponomastik

14:15–14:45: Larysa Kovbasyuk (Cherson/Münster):
Kontrastive Studie zur Straßenbenennung im Deutschen und Ukrainischen: Vergleich der digitalen Forschungsressourcen

14:45–15:15: Anna-Maria Balbach (Münster):
Vorstellung des Netzwerks: International Network for Personal Names Research

15:15: Verabschiedung
15:45: Mitgliederversammlung GfN

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