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Monday, June 23, 2014

Fußball WM 2014: Deutschland

http://www.onomastikblog.de/namen_spiegel/fussball_wm_2014_deutschland_portugal_2/

Die Namen der deutschen Spieler

Tor:
Manuel Neuer: Manuel ist die Kurzform des biblischen Namens Emanuel bzw. Immanuel hebräischer Herkunft ('Gott (ist) mit uns'); in dieser Form ist er auch im spanischen und portugiesischen Kulturraum üblich. Der Familienname Neuer entspricht dem Adjektiv neu in starker Flektion, die genaue Interpretation des Übernamens (Neuling, Neumann u.ä.) ist schwer zu ermitteln.
Roman Weidenfeller: Roman ist die eingedeutschte Form von lateinisch Romanus, wörtlich 'der Römer'. Der Familienname Weidenfeller konzentriert sich sehr deutlich auf den Westerwaldkreis. Er könnte vielleicht Weidenfelder entsprechen und wäre damit ein Herkunftsname 'aus dem Ort Weidenfeld'; weniger wahrscheinlich scheint eine Tätigkeitsbezeichnung "Weidenfäller".
Ron-Robert Zieler: Der doppelte Vorname (mit Stabreim!) ist vermutlich aus dem Englischen zu interpretieren: Ron als Kurzform von Ronald und Robert. Der germanische Name Robert (hrod'Ruhm' + brecht 'glänzend') gelangte früh aus Frankreich mit den Normannen nach England, von wo aus er sich als Modename ausbreitete. Der seltene, nicht gedeutete Familienname Zielerkonzentriert sich auf Mitteldeutschland und den Landkreis Aurich, es könnte sich eventuell um einen "Tätigkeitsnamen", abgeleitet von zielen, handeln.
Abwehr:
Jérôme Boateng: Jérôme ist die französische Entsprechung des deutschen, aus dem Lateinischen übernommenen Hieronymus (aus griechisch hierós 'heilig' und ónyma 'Name'). Der ungedeutete Familiennamen Boateng ist in Westafrika, insbesondere Ghana als Vor- und Nachname verbreitet.
Erik Durm: Erik ist ein skandinavischer oder niederdeutsch-friesischer Vorname, die etymologische Bedeutung etwa 'der allein Mächtige' (die deutsche Entsprechung ist Erich). Der FamiliennameDurm konzentriert sich auf den Südwesten Deutschlands, mit Schwerpunkt in der Südwestpfalz. Das Namenelement steckt auch im Ortsnamen Durmersheim (bei Karlsruhe).
Kevin Großkreutz: Der Modename Kevin ist ein aus dem Englischen übernommener Name eines irischen Heiligen des 7. Jahrhunderts (gälisch Caoimhin 'schön von Geburt'). Großkreutz ist ein Herkunftsname (aus Groß Kreutz, Brandenburg).
Benedikt Höwedes: Benedikt ist die verkürzte Form von lateinisch Benedictus 'der Gesegnete' und geht wohl auf den Hl. Benedikt, den Begründer des europäischen Mönchtums zurück. Der sehr seltene, unerklärte Familienname Höwedes konzentriert sich auf den Landkreis Recklinghausen.
Mats Hummels: Mats ist die schwedische Kurzform von Matthias. Der hebräische Apostelname bedeutet 'Geschenk Jahwes'. Der Familienname Hummels ist vielleicht eine patronymische Bildung ('Sohn des') zu einer Koseform des Personenamens Humbold. Nicht auszuschließen ist jedoch ein Bezug zu einem Übernamen Hummel, etwa in der Bedeutung 'brummiger, aufgeregter, zudringlicher Mensch'; allerdings läge auch hier eine patronymische Beziehung vor.
Philipp Lahm: Philipp ist die gekürzte Form des griechischen Personennamens Philippos 'Pferdefreund'. Lahm ist ein "sprechender" Übername; der Familienname konzentriert sich auf den Südwesten (Südwestpfalz und Bad Kreuznach). In einigen Fällen kommt auch ein Herkunftsname in Betracht (Lahm in Oberfranken).

Per Mertesacker: Per, als Schreibvariante von Peer, ist die niederdeutsch-friesische Kurzform vonPeter (lateinisch Petrus). Der Familienname Mertesacker geht auf einen gleichnamigen Flurnamen (= Martinsacker) zurück.
Per Mertesacker Hairstyles
Mittelfeld:
Julian Draxler: Julian geht zurück auf lateinisch Iulianus, einer Ableitung des GeschlechternamensIulius (die Julier), auf den auch der Monatsname Juli zurückführt. Der Familienname Draxler ist eine bairisch-österreichische Variante der Berufsbezeichnung Drechsler.
Matthias Ginter: Die Mode von Matthias, Apostelname (Jünger Jesu und "Ersatzapostel" für Judas) hat vor allem von Trier (einziges Apostelgrab in Deutschland) ausgestrahlt. Der Name (nicht zu verwechseln mit Matthäus) entspricht einer gekürzten Form von hebräisch mattityah 'Geschenk Jahwes'. Ginter ist die "entrundete", vor allem in Baden (Schwerpunkt Rottweiler) vorkommende Form von Günter (althochdeutsch gund 'Kampf' und heri 'Heer') in patronymischer Funktion.
Mario Götze: Mario ist die romanische, insbesondere italienische Form des lateinisch-römischen Gentilnamens Marius. Der sehr häufige Familiennamen Götze (über 15.000 Telefonanschlüsse) entspricht einer Koseform eines mit Got- gebildeten Vornamens, insbesondere Gottfried (vgl. Heinzzu Heinrich, Dietz zu Dietrich usw.). Er ist insbesondere in Bayern (Oberpfalz) verbreitet. Die vor allem durch Luther geprägte sekundäre Bedeutung Götze 'Heiligenbild; falscher Gott' dürfte in der Namengebung keine Rolle spielen.
Sami Khedira: Sami ist ein arabischer (und türkischer) Name zu sāmi 'erhaben'. Der tunesische (arabische) Familienname Khedira könnte al-Qādir "der Mächtige" entsprechen, einem der 99 Beinamen von Allah.
Christoph Kramer: Christoph ist die im Deutschen übliche Form von griechisch-lateinischChristophorus (Christóphorus 'Christus-Träger'). Kramer ist eine ursprüngliche Berufsbezeichnung 'Kleinhändler, Krämer', er zählt mit den Hauptvarianten Krämer, Kremer, Kromer zu den häufigen deutschen Familiennamen.
Toni Kroos: Toni ist eine relativ junge Kurz- und Koseform von Anton oder Antonio, einem römischen, ungedeuteten Gentilnamen, der durch den Hl. Antonius von Padua (geb. in Lissabon) große Verbreitung gefunden hat. Der Familienname Kroos konzentriert sich vor allem in Westfalen (Landkreis Lippe, Münster). Ausgangspunkt ist gewiss mittelniederdeutsch krôs, kroos 'Krug, (Trink-)Kanne', es kann der Hersteller, der Wirt oder vielleicht auch ein Trinker gemeint sein. Als Alternative käme eventuell auch eine regionale Form von kraus 'Kraushaar' (Familienname Krauseusw.) in Frage.
Thomas Müller: Der Apostelname Thomas stammt aus dem Aramäischen und bedeutet 'Zwilling'. Die ursprüngliche Berufsbezeichnung Müller ist der häufigste deutsche Familienname.
Mesut Özil: Mesut ist eine türkische Variante des arabischen Namens Masud, in der Bedeutung 'glücklich, fröhlich' und Özil ist ein türkischer Familienname in der Bedeutung 'der wirklich aus diesem Land ist'.
Lukas Podolski: Der Name des Evangelisten Lucas geht vermutlich auf eine lateinische Kurzform von Lucanus 'aus der Landschaft Lucania stammend' zurück, doch ist der etymologische Werdegang kompliziert. Die Namenform ist zu trennen vom aktuellen männlichen Modenamen Luca, der dem Italienischen entlehnt ist (auslautendes –s wird im Italienischen normalerweise nicht artikuliert). Der polnische Familienname Podolski entspricht einer Herkunftsbezeichnung: aus dem Ort Podole (mehrmals in Polen), wörtlich 'von unten, aus dem Tal, im Tal wohnend' mit dem Suffix –ski.
Shkodran Mustafi trägt albanisch-muslimische Namen. Shkodran ist eine Ableitung zum Namen der uralten nordalbanischen Stadt Sc(h)odra (in der bestimmten) bzw. Shkodér (in der unbestimmten) Form. Mostafi ist Ableitung von Mustafā, arab. muçTafā 'erwählt, vorherbestimmt'; Al-Mustafā ist einer der Beinamen des Propheten Mohammed.
André Schürrle: André ist die französische Entsprechung von Andreas (griechisch andreios 'tapfer'). Der schwäbische Familienname Schürrle konzentriert sich sich auf Ansbach und Schwäbisch-Hall und ist erkennbar eine Verkleinerungsform von Schurr, zu süddeutsch schurr 'hitzig, voreilig' oder schur 'Zank'.
Bastian Schweinsteiger: Bastian ist die Kurzform von Sebastian. Der Name (und das Martyrium) des Hl. Sebastian brachte es zu großer Beliebtheit. Er geht zurück auf griechisch sebastós 'fromm'. Der deutlich zu lokalisierende Familienname Schweinsteiger (Landkreise Miesbach und Rosenheim) ist Herkunftsname 'aus Schweinsteig' (gebildet mit Steige = Stiege, etwa 'Schweinestall'). In Frage kommen die Ortsteile Schweinsteig in Brannenburg, Oberaudorf, Samerberg (alle Rosenheim) oderSchnaitsee (Traunstein).
Angriff:
Miroslav Klose: Der slavische Personenname Miroslav geht zurück auf *mirь 'Friede' und *slava' Ruhm'. Das Patronym Klose ist eine vor allem in Schlesien und der Lausitz verbreitete Variante (Kurzform) von Nikolaus. Dieser Namen gehört mit seinen zahllosen Varianten zu den beliebtesten Namen überhaupt (griechisch níkê 'Sieg' und laós 'Volk').

© Deutsche Gesellschaft für Namenforschung (GfN) e.V. (www.gfn.name.de)
Namenkundliches Zentrum der Universität Leipzig

Friday, June 13, 2014

Fußball-WM 2014: Brasiliens Spielorte / "Football" place-names in Brazil


http://www.onomastikblog.de/namen_spiegel/fussball_wm_2014_brasiliens_spielorte/
Gastgeberland der aktuellen Fußballweltmeisterschaft ist die Bundesrepublik Brasilien (República Federativa do Brasil), sie wird in insgesamt zwölf Spielorten ausgetragen. Im Folgenden einige, wenige Bemerkungen zu diesen Ortsnamen.
Brasilien wurde offiziell im Jahr 1500 entdeckt. Bereits im Vertrag von Tordesillas (1494) wurde die zu entdeckende Welt zwischen Portugal und Spanien aufgeteilt, Portugal fiel der östlich einer Grenzlinie liegende Teil zu (Brasilien, Afrika, Asien). Die portugiesische Kolonialzeit endete während der napoleonischen Kriege mit der Flucht des Königshofes nach Rio de Janeiro (1808), der Unabhängigkeitserklärung 1822 und der Kaiserkrönung von Pedro I. 1889 wird die Republik ausgerufen.
Staatssprache Brasiliens, mit bald 200 Mio Einwohnern das fünftgrößte Land der Erde, ist das Portugiesische. Diese in Europa verkannte Weltsprache, die außer in Portugal noch in fünf afrikanischen Staaten (den PALOP „países africanos de língua oficial portuguesa“), insbesondere Angola und Moçambique, offizielle Staatssprache, in Resten noch in Asien zu finden und vor allem als europäische "Gastarbeitersprache" (insbesondere Luxemburg) lebendig ist, ist nach dem Englischen und Spanischen die dritte europäische Weltsprache.
Die brasilianische Variante des europäischen Portugiesisch wird je nach Standpunkt auch als selbständige Sprache "Brasilianisch" betrachtet, vergleichbar mit dem britischen und amerikanischen Englisch oder auch dem europäischen und hispanoamerikanischen Spanisch. Unterschiede sind vor allem in der Aussprache und Intonation hörbar, der Wortschatz ist vielleicht stärker amerikanisiert als der europäische, gleichzeitig finden sich vor allem in den Ortsnamen zahlreiche indianische Einflüsse (Sprachgruppe der Tupi). Durch die schwächere Artikulation der Sibilanten (etwa des für das Portugiesische charakteristischen "Zischlautes" –s /sch/), der Palatalisierung der Gruppe Konsonant+i (verdade /verdádji/), der starken Palatalisierung des silbenschließenden –l (im Auslaut meist vokalisiert (Brasil /Brasíu/) und der velaren Aussprache des –rr- und –r (Ach-Laut: carro /cachu/, cantar /cantách/) ist der Klang des Brasilianischen deutlich anders als der des Portugiesischen.
Brasil
Der Staatsname (dt. Brasilien) ist ein "sprechender" Name wie Madeira (Holz) oder Açores (Habichte), er wird mit Artikel gebraucht (o Brasil). Das Land wurde nach der typischen Holzart brasil 'Brasil(ien)holz' benannt, das im späten Mittelalter (bereits vor der Entdeckung Brasiliens) zur roten Farbstoffgewinnung große Bedeutung hatte. Die Bewohner wurden ursprünglich alsbrasil 'Brasilianer' bezeichnet, die heutige Benennung ist brasileiro (spanisch brasileño).
Belo Horizonte
Drittgrößte Stadt Brasilien, sie wurde erst 1897 zum Verwaltungszentrum der Provinz Minas Gerais (nach dem Vorbild von Washington) erhoben; die alte Hauptstadt war Ouro Preto (Schwarzes Gold). Die alte Gemeinde Nossa Senhora da Boa Viagem de Curral d’El-Rei (Unsere liebe Frau von der guten Reise in Curral [Hürde, Zwinger] des Königs) erhielt per Dekret 1890 ihren neuen Namen 'Schöner Horizont', der auf die schöne landschaftliche Lage Bezug nimmt (vorgeschlagen von Luís Daniel de Carvalho). Die reichen Vorkommen von Erz, Gold und Edelsteinen gaben der Provinz ihren Namen, im Volksmund wird Belo Horizonte auch Minas, und deren Bewohner mineirosgenannt.
Brasília
Seit dem 21.4.1960 ist Brasília die neue Hauptstadt von Brasilien, im eigens eingerichteten Bundesdistrikt (Distrito Federal); sie löste Rio de Janeiro ab. Die Anlage einer neuen Hauptstadt in der Mitte Brasiliens war ein fast 200 Jahre alter Traum. Die auf dem Reißbrett entstandene Stadt, die für ihre Architektur, insbesondere die repräsentativen Bauten von Óscar Niemeyer berühmt ist, gilt als eine der kühnsten Entwürfe moderner Stadtarchitektur. Allerdings sind Sozialstruktur und Renovierungsbedarf gravierend.
Cuiabá
ist Hauptstadt des Bundesstaates Mato Grosso und rühmt sich als geographische Mitte Südamerikas. Sie wurde 1719 gegründet und nach dem gleichnamigen Fluss benannt. Die Etymologie ist diskutiert, dürfte aber im Tupi zu suchen sein.
Curitiba
Die Hauptstadt des Bundesstaates Paraná und Sitz der gleichnamigen Metropolregion gilt als eine de "bürgerfreundlichsten" Städte Brasiliens. Sie wurde 1693 als Vila Nossa Senhora da Luz e Bom Jesus dos Pinhais (frei: Unsere liebe Frau vom Licht und dem guten Jesus der Kiefernwälder) gegründet und erhielt 1721 ihren heutigen Namen. Er entspricht dem einheimischen (Tupi) ku’ri 'Kiefer', mit Kollektivsuffix tüba, also etwa 'kieferreiche Gegend' (Araukarien oder Brasilkiefer).
Fortaleza
Die fünftgrößte Stadt Brasiliens ist die Hauptstadt des Bundesstaates Ceará. Der Name Fortaleza 'Festung' ist auch Name zahlreicher weiterer Orte in Brasilien. Die Gründung der Anlage durch den Holländer Matias Beck als Befestigungsanlage von Schoonenborch um 1650 ersetzte frühere portugiesische Forts, die gegen Angriffe von Franzosen und Holländern schützen sollten.
Manaus
Die Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas (der Name [rio das] Amazonas) führt wirklich auf die antiken Amazonen zurück. Der spanische Entdecker Francisco Orellana lieferte sich 1541 flussaufwärts einen Kampf mit kriegerischen weiblichen Eingeborenen und benannte den Strom nach den mythologischen Amazonen. Dieser Name ersetzte die ursprüngliche Benennung rio d’Orilhana) wurde 1669 als portugiesischer Stützpunkt gegründet und hieß ursprünglich vila da Barra do Rio Negro. Mit der Erfindung des Verfahrens der Vulkanisierung von Kautschuk durch Charles Goodyear (um 1840) nahm die Stadt eine stürmische Entwicklung, da es "Gummibäume" nur im Amazonas-Gebiet gab. 1856  erhielt der Ort Stadtrechte und wurde nach dem dort beheimateten Stamm der Manaus /Manáus/ benannt.
Natal
Die Stadt Natal wurde am 25.12. 1599 gegründet, sie trägt also den Ereignisnamennatal 'Weihnachten'. Das am Atlantik, an der Mündung des Potengi liegende Zentrum ist Hauptstadt des Bundesstaates Rio Grande do Norte.
Porto Alegre
Der Name der Haupststadt des Bundesstaates Rio Grande do Sul, wörtlich porto 'Hafen' + alegre 'fröhlich', ist nicht zu verwechseln mit der portugiesischen Regionalhauptstadt Portalegre. Laut einer Vergleichsstudie der UNO hat Porto Alegre die beste Lebensqualität der Großstädte Lateinamerikas (Wikipedia).
Recife
ist die Hauptstadt des Bundesstaates Pernambuco im Nordosten Brasiliens, sie löste die nahe gelegene Stadt Olinda ab. Der Name der bedeutenden Hafenstadt geht auf das eindrucksvolle Riff (recife) zurück, das die Stadt vor dem Atlantik schützt.
Rio de Janeiro
Die ehemalige Hauptstadt (bis 1960) ist die zweitgrößte Stadt Brasiliens und Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates; zwischen 1808 und 1822 war sie auch Sitz des portugiesischen Hofes. Sie liegt an der Guanabara-Bucht, die von Gaspar de Lemos am 1. Januar (janeiro) 1502 entdeckt wurde und die er für eine Flussmündung hielt: daher Rio de Janeiro 'Januar-Fluss'. Der bekannte Bewohnername lautet carioca (aus dem Tupi kari’oka 'Haus des weißen Mannes'), das u.a. eine Kaffeezubereitung (portugiesisch carioca 'verdünnter Kaffee') bezeichnet.
Salvador da Bahia
Der eigentliche Name der Hauptstadt des Bundesstaates Bahia und drittgrößten Stadt Brasiliens lautete São Salvador da Bahia de Todos os Santos (Heiliger Erlöser der Allerheiligen- Bucht). Die weite Bucht wurde am 1. November (Allerheiligen) 1526 von Cristóvão Jaques entdeckt und entsprechend benannt. Bahia (in altertümlicher Schreibung, das Lexem lautet baía), so der frühere Rufname der Stadt, war bis 1763 Hauptstadt Brasiliens. Sie gilt als die portugiesischste der brasilianischen Städte (sozusagen ein Heimspiel der Portugiesen)
São Paulo
Die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates ist mit über 20 Mio Bewohnern die größte Stadt Brasiliens und der Südhalbkugel unserer Erde. São Paulo (Hl. Paul) wurde am 25. Januar 1554, dem Fest der Bekehrung des Apostels Paulus, von zwei jesuitischen Missionaren gegründet.

Tuesday, June 10, 2014

Onomastischer Fußbal von Onomastik-Blog: Fußball-WM 2014: Deutschland-Portugal

Die Leipziger Namenforschung möchte an dieser Stelle über die Namen der portugiesischen Fußballer informieren, die am 16. Juli im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 gegen die deutsche Mannschaft antreten.
von Dieter Kremer
Deutschland (Bundesrepublik Deutschland) ─ Portugal (República Portuguesa)
Die Namen der Portugiesen
Wieder treffen bei den wichtigsten Turnieren die Fußballmannschaften Deutschlands und Portugals aufeinander. Wie zur EM 2012 hier einige Bemerkungen zu den Namen der portugiesischen Auswahl. Bei ausländischen Namen haben nicht nur Reporter oft ihre Probleme, sowohl in der Aussprache als auch in der Unterscheidung Vornamen/Familienname/"Künstler"name. Auf die Aussprache wird nicht im Detail eingegangen, zu merken ist:
  1. Jedes Wort/Name wird auf der vorletzten Silbe betont, bei anderer Betonung steht immer ein Akzent. Ausnahme: bei Vokal+ -r [Gaspar /Gaspár/] bzw. Vokal + -l [Brasil /Brasíl/] wird die letzte Silbe betont, ebenso bei Wörtern/Namen, die auf -i oder -u enden.
  2. Vor allem zwei Lautungen sind ungewohnt: Im Portugiesischen werden alle Silben mit einem nasalen Endkonsonanten (-m/-n) nasaliert, der Klang richtet sich nach dem Vokal (also auch /ĩ/, /ũ/ oder /ãu/ [Coentrão] bzw. /õi/ [Simões]). Am Wort- oder Silbenende sowie vor Konsonant wird -s wie /sch/ ausgesprochen: Alves /álwǝsch/, Custódio /kuschtòdiu/ usw.. Anlautendes s-wird wie in allen romanischen Sprachen immer "scharf" gesprochen: Silvestre /ssilwèschtrǝ/.
Das portugiesische Namensystem entspricht in seiner Struktur dem Spanischen: bis zu zwei Vornamen, bis zu vier Familiennamen; diese setzen sich aus den Familiennamen des Vaters und der Mutter zusammen. In Fußballerkreisen ist allerdings meist nur der "Leitname" (Familienname des Vaters) unter den Familiennamen üblich. Doch ist ein wesentlicher Unterschied unbedingt zu beachten: Im Spanischen ist immer der erste Nachname der Leitname [Manuel Gómez Rodríguez], im Portugiesischen immer der letzte [Manuel Gomes Rodrigues].
Die große Mehrzahl der Familiennamen sind "Patronyme", d.h. der Name des Urahns (zuerst des Vaters) wird vererbt. Normalerweise sind diese Patronyme an ihrem charakteristischen Suffix -es(spanisch ´-ez, immer unbetont!) zu erkennen (Alves, Lopes). Gelegentlich kann aber auch der bloße Rufname in dieser Funktion erscheinen; bei unseren Fußballernamen ist ohne Überprüfung auch ein doppelter Vornamen, ohne Familiennamen möglich (hier João Mário und Cristiano Ronaldo). Eine zweite Gruppe von Nachnamen geht auf eine konkrete (Ortsname) oder allgemeine (Wohnstätte) Herkunftsbezeichnung zurück (diesmal keine Beispiele). Eine dritte Gruppe sind ursprüngliche Bei- oder Spitznamen (Fábio Coentrão, Ricardo Quaresma), dazu zählen letztlich auch ursprüngliche Berufs- und Standesbezeichnungen. Die Partikel "de" bezeichnet die Herkunft "aus", ist kein Adelsprädikat.
Die folgenden Namen spiegeln das charakteristische Namenverhalten. Normalerweise wird der Vorname und der am Ende stehende Familienname (Name der väterlichen Linie) genannt, gelegentlich nur der/die Vornamen, eher selten ein "Pseudonym"(Kosename, Spitzname).
Hier, in aller gebotenen Kürze, einige Notizen zu den Namen der portugiesischen Fußballer:
Tor:
Anthony Lopes: Vorname englische Form und Aussprache von António (patronymische Form: Antunes), emblematischer Namenträger ist der Hl. Antonius, geboren und aufgewachsen in Lissabon, bekannt als Antonio de Padova. Lopes /Lòpǝsch/ ist einer der häufigsten portugiesischen Familiennamen, patronymische Form von Lopo (lat. Lupus 'Wolf'). Dem entspricht im SpanischenLope, mit Patronym López.
Eduardo: Vorname, bedarf keiner Interpretation. Der volle Name lautet Eduardo dos Reis Carvalho.
Rui Patrício: Vorname Rui, Kurzform von Rodrigo, beliebter Name germanischer (westgotischer) Herkunft, bekanntester Namenträger der letzte Westgotenkönig (gest. 711). Patrício ist Vorname und Patronym, ursprünglich Vorname lateinischer Herkunft. Voller Name: Rui Pedro dos Santos Patrício.
Abwehr:
André Almeida: Der Vorname André entspricht Andreas und ist im Portugiesischen früh belegt, vermutlich ist er lautlich durch das Französische beeinflusst (gegenüber spanisch Andrés). Almeidaentspricht einem der zahlreichen gleichnamigen Orte (zu arabisch al-maidâ 'Hügel' u.ä.). Der volle Name lautet André Gomes Magalhães Almeida.
Antunes: Patronymische Form von António. Der volle Name lautet Vitorino Gabriel Pacheco Antunes.
Bruno Alves: Der Vorname entspricht dem deutschen Bruno ('braun'). Der Familienname Alves ist die portugiesische Entsprechung von spanisch Álvarez, Patronym zum Personennamen Álvaro, westgotischer Herkunft. Der volle Name lautet: Bruno Eduardo Regufe Alves.
Fábio Coentrão: Vorname lateinischer Herkunft. Coentrão ist Beiname, personifizierende Form (Vergrößerungsform) zu coentro "Koriander". Voller Name: Fábio Alexandre da Silva Coentrão.
João Pereira: Der (erste) Vorname entspricht dem deutschen Hans (Johannes). Pereira ist Wohnstättenname, zu pereira 'Birnbaum'. Die beiden Nachnamen Silva und Pereira gehören, auch in dieser Kombination, zu den häufigsten portugiesischen Familiennamen, durchaus vergleichbar mit Müller oder Schmidt. Der volle Name lautet: João Pedro da Silva Pereira.
Neto: Mit dem Familiennamen gerufen. Neto (lat. nepos) bedeutet 'Enkel'. Der volle Name lautet Luís Carlos Novo Neto.
Pepe: Pepe ist normalerweise die spanische Koseform von José. In diesem Fall könnte der Name spontan zum Vornamen Képler gebildet worden sein (Pepe ist gebürtiger Brasilianer). Der volle, für die Vornamen charakteristische, brasilianische Name lautet Képler Laveran Lima Ferreira.
Ricardo Costa: Ricardo entspricht dem deutschen Richard, ist früh über das Französische entlehnt worden. Der Familienname Costa gehört zu den häufigsten Namen Portugals, Wohnstättenname, zucosta 'Abhang' oder, wohl im Normalfall, costa 'Küste'. Voller Name: Ricardo Miguel Moreira da Costa.
 photo RICARDOCOSTA.jpg
Rolando: Vorname, entspricht genau dem deutschen Roland. Der volle Name lautet: Rolando Jorge Pires da Fonseca.
Mittelfeld:
André Gomes: Zum Vornamen siehe oben. Der häufige Familiennamen Gomes (spanisch Gómez) geht auf einen nicht definitiv gedeuteten Vornamen westgotischer Herkunft zurück (enthält got.guma 'Mann'). Der volle Name lautet André Filipe Tavares Gomes.
João Mário: Die beiden Vornamen entsprechen den klassischen Johannes und Marius. Der volle Name lautet João Mário Naval da Costa Eduardo.
João Moutinho: Moutinho ist Herkunftsname zu einem der zahlreichen gleichnamigen Orte. Der volle Name ist João Filipe Iria Santos Moutinho.
Miguel Veloso: Der Nachname ist entweder Herkunftsname zu einem der Orte Veloso oder aber Beiname mit veloso 'haarig, zottig'. Der vollständige Name ist Miguel Luís Pinto Veloso.
Raul Meireles: Der Vorname (/Raúl/) entspricht dem französischen Raoul, das auf germanischRadwulf ('Rat' und 'Wolf') zurückgeht. Der Familienname Meireles ist ein Herkunftsname zu einem der mehreren gleichnamigen Orte. Der volle Name ist Raul José Trindade Meireles.
Rúben Amorim: Der Vorname entspricht dem biblisch-deutschen Ruben. Amorim ist ein nicht seltener Ortsname ([villa] Amorini, zum lat. Personennamen Amorinus). Der volle Name lautet Rúben Filipe Marques Amorim.
William Carvalho: Carvalho (wie auch Silva) gehört zu den häufigsten portugiesischen Familiennamen, es handelt sich um einen "Wohnstättennamen" zu carvalho ‚Eiche‘. Der volle Name lautet William Silva de Carvalho.
Angriff:
Cristiano Ronaldo: Die beiden Vornamen verstehen sich von selbst, Ronaldo ist die portugiesische Anpassung von englisch Ronald. Sein vollständiger Name ist Cristiano Ronaldo dos Santos Aveiro.
Éder: Der in Bissau (Guiné-Bissau) geborene Fußballer gebraucht die Grundform seines hypokoristischen Taufnamens Éderzito (der volle Name lautet Éderzito António Macedo Lopes). Der seltene, diskutierte Name ist vermutlich nicht identisch mit Eder im deutschsprachigen Raum und könnte zu baskisch eder 'schön' (in Familiennamen als Ederra) gehören oder aber hebräische Wurzeln haben.
Hélder Postiga: Der typisch portugiesisch-brasilianische Vorname Hélder ist nicht sicher erklärt, offenbar besteht eine Beziehung zum nordholländischen Hafen Den Helder. Der Nachname bezieht sich ursprünglich auf die Wohnstätte, zu postigo, postiga 'Pförtchen, Luke'. Der komplette Name lautet Hélder Manuel Marques Postiga.
Hugo Almeida: Der Nachname Almeida ist Herkunftsname zu einem der gleichnamigen Orte (zu arabisch al-maidâ 'Hügel'). Der volle Name ist Hugo Miguel Pereira de Almeida.
Ivan Cavaleiro: Der Vorname wird vermutlich mit dem russischen Namen identifiziert, ist aber auch auf der Iberischen Halbinsel eine mögliche Variante von Johannes (mittelalterliche Schreibung Iuan, vgl. spanisch Ibáñez). Cavaleiro ist auch Ortsname, dürfte aber cavaleiro 'Ritter' entsprechen. Der volle Name lautet Ivan Ricardo Neves Abreu Cavaleiro.
Nani: Spielername des auf den Kapverden geborenen Luís Carlos Almeida da Cunha. Es handelt sich offensichtlich um einen Kosenamen (Aussprache normalerweise /Naní/, sonst müsste er *Nânigeschrieben werden), der ohne Hintergrundkenntnisse nicht interpretiert werden kann.
Rafa: Rafa ist eine (vor allem im Spanischen) mögliche Kurz- oder Koseform von Rafael. Der volle Name lautet Rafael Alexandre Fernandes Ferreira Silva.
Ricardo Quaresma: Der Nachname Quaresma ist ein charakteristischer Beiname, zu quaresma'Fastenzeit' (Quadragesima), etwa derjenige, der die Fastenzeit besonders befolgte oder aber für jemanden, dem man das Fasten ansieht. Der volle Name lautet Ricardo Andrade Quaresma Bernardo.
Silvestre Varela: Der Vorname entspricht dem Papst- und Heiligennamen Silvester, zu lateinischsilvester 'zum Wald gehörig'. Varela ist Herkunfts- oder Wohnstättenname, zu varela 'kleine Stange' u.ä. Der vollständige Name lautet Silvestre Manuel Gonçalves Varela.
Vieirinha: Eigentlich Adelino André Vieira de Freitas. Das Spielerpseudonym ist eine Koseform des ersten Familiennamens (dem der Mutter). Der verbreitete Familienname entspricht einem der häufigen Orte Vieira in Galicien und Nordportugal, der etymologisch vermutlich mit vieira 'Jakobsmuschel' (lateinisch veneria 'Venus-Muschel').
Trainer:
Paulo Bento: Der Vorname Paulo (Betonung auf dem a /Páulu/ und nicht wie im Deutschen falsch für italienisch Paolo, Paola /Páula/) entspricht lateinisch Paulus, spanisch Pablo. Bento ist das portugiesische Ergebnis von lateinisch Benedictus, hier in patronymischer Funktion.
© Deutsche Gesellschaft für Namenforschung (GfN) e.V. (www.gfn.name.de)
Namenkundliches Zentrum der Universität Leipzig