How do cities deal with street names inherited from the colonial era? Do they rename them, contextualize them with plaques, reinterpret them - or leave them unchanged?
A new digital project at the University of Würzburg is documenting precisely these processes. The DFG-funded project “Informieren, Dokumentieren, Beraten: Integrierte Namen-, Text- und Bilddatenbank über den Umgang mit kolonialen Straßennamen seit 1945 bis heute” (Informing, Documenting, Advising: An Integrated Name, Text and Image Database on the Treatment of Colonial Street Names from 1945 to the Present) collects cases of renaming, commentary and alternative forms of colonial remembrance in German urban space.
The historical background is substantial: more than 500 colonial street names in almost 100 cities can be documented up to 1945. While many such names were removed in the Soviet occupation zone after the Second World War, larger-scale renaming debates in western German cities gained momentum mainly from around the turn of the millennium.
An especially valuable feature of the platform is its Citizen Science approach. Members of the public can submit past and current debates from their own cities, helping to expand the database. The project does not prescribe a “correct” way of remembering colonialism; instead, it seeks to document naming conflicts and provide a research and advisory resource for scholars, citizens and municipalities.
Directed within the University of Würzburg context by Dr Verena Ebert, the current project runs from September 2025 to September 2027 and continues earlier research on linguistic practices of decolonization and colonial street-name renaming.
For onomastics, urban linguistics and memory studies, the platform is particularly interesting because it treats street names not simply as labels, but as places where historical memory, politics and public language meet.
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Koloniale Straßennamen neu lesen: Ein Citizen-Science-Projekt aus Würzburg
Wie gehen Städte heute mit Straßennamen aus der Kolonialzeit um? Werden sie umbenannt, durch Zusatzschilder kommentiert, neu kontextualisiert – oder bleiben sie unverändert?
Ein neues digitales Projekt der Universität Würzburg dokumentiert genau diese Prozesse. Das von der DFG geförderte Projekt „Informieren, Dokumentieren, Beraten: Integrierte Namen-, Text- und Bilddatenbank über den Umgang mit kolonialen Straßennamen seit 1945 bis heute“ sammelt Umbenennungen, Kommentierungen und alternative Formen kolonialer Erinnerung im öffentlichen städtischen Raum.
Der historische Hintergrund ist umfangreich: Bis 1945 lassen sich mehr als 500 koloniale Straßennamen in nahezu 100 Städten nachweisen. Während zahlreiche Namen nach dem Zweiten Weltkrieg in der Sowjetischen Besatzungszone beseitigt wurden, setzten größere Umbenennungsdebatten in westdeutschen Städten vor allem seit der Jahrtausendwende ein.
Besonders interessant ist der Citizen-Science-Ansatz. Bürgerinnen und Bürger können vergangene und aktuelle Aushandlungsprozesse aus ihren eigenen Städten einreichen und damit die Datenbank erweitern. Das Projekt will dabei ausdrücklich nicht festlegen, was „richtiges“ oder „falsches“ Erinnern ist. Vielmehr sollen Debatten dokumentiert, wissenschaftlich erschlossen und zugleich Informationen für Öffentlichkeit und Kommunen bereitgestellt werden.
Das aktuelle Projekt im Umfeld von Dr. Verena Ebert läuft von September 2025 bis September 2027 und führt frühere Forschungen zu sprachlichen Praktiken der Dekolonisierung und zur Umbenennung kolonialer Straßennamen fort.
Für Onomastik, Stadtsprachenforschung und Erinnerungskultur ist die Plattform besonders spannend: Straßennamen erscheinen hier nicht nur als Orientierungspunkte, sondern als Orte, an denen Sprache, Geschichte, Politik und kollektives Gedächtnis unmittelbar aufeinandertreffen.
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