Thursday, May 14, 2026

Dr. Kirstin Casemir (1968–2026)

Mit großer Trauer nimmt die onomastische Fachwelt Abschied von Dr. Kirstin Casemir, die am 4. Mai 2026 nach schwerer Krankheit im Alter von nur 57 Jahren verstorben ist. Ihr Tod bedeutet einen schweren Verlust für die Namenforschung, die historische Sprachwissenschaft, die Lexikographie und für alle, die mit ihr wissenschaftlich und persönlich verbunden waren.

Dr. Kirstin Casemir war der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen seit 1989 verbunden. Zunächst war sie als Hilfskraft, später als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Projekt „Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm“ tätig. Diese langjährige lexikographische Arbeit verband sich bei ihr mit einem tiefen Interesse an der Ortsnamenforschung, das bereits während ihres Studiums der historisch-vergleichenden und allgemeinen Sprachwissenschaft sowie der Germanistik an der Georg-August-Universität Göttingen geweckt wurde.

Ihre Promotion widmete sie den Ortsnamen ihrer Heimatregion: 2002 wurde sie mit einer Arbeit über die Ortsnamen im Landkreis Wolfenbüttel promoviert. Die Studie erschien 2003 unter dem Titel „Die Ortsnamen des Landkreises Wolfenbüttel und der Stadt Salzgitter“ als dritter Band des Niedersächsischen Ortsnamenbuchs.

Seit 2007 leitete Kirstin Casemir die Forschungsstelle „Ortsnamen zwischen Rhein und Elbe – Onomastik im europäischen Raum“. In dieser Funktion prägte sie das Akademieprojekt maßgeblich. Als Arbeitsstellenleiterin und Mitherausgeberin der Reihen Westfälisches Ortsnamenbuch und Niedersächsisches Ortsnamenbuch trug sie entscheidend zur breiten überregionalen Anerkennung des Projekts bei. Ihr wissenschaftliches Werk umfasst zahlreiche Beiträge zur Toponomastik, insbesondere zur niederdeutschen Ortsnamenforschung, aber auch zur Lexikographie, historischen Kartographie und historischen Sprachwissenschaft.

Neben ihrer Forschung engagierte sich Dr. Kirstin Casemir in mehreren wissenschaftlichen Gesellschaften und Kommissionen. Sie war unter anderem Mitglied der Gesellschaft für Namenkunde, der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen, des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung sowie der Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens. Zeitweise war sie auch Mitherausgeberin der Zeitschrift Beiträge zur Namenforschung. Für ihre herausragenden Leistungen wurde sie 2019 mit dem Henning-Kaufmann-Preis ausgezeichnet.

Ein weiterer wichtiger Teil ihres Wirkens war die akademische Lehre. Seit 2002 war sie Lehrbeauftragte an der Georg-August-Universität Göttingen, seit 2007 auch an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Viele Studierende lernten durch sie die Namenforschung kennen; einige von ihnen konnte sie für eine wissenschaftliche Laufbahn in diesem Fach gewinnen.

Diejenigen, die Kirstin Casemir kannten, erinnern sich nicht nur an ihre große fachliche Kompetenz, sondern auch an ihre Herzlichkeit, ihre Offenheit und ihr ehrliches Interesse an Menschen. Ihr freundliches Wesen und ihr außerordentliches Engagement bleiben unvergessen.

Die Forschungsstelle „Ortsnamen zwischen Rhein und Elbe“ wird ihre Arbeit in ihrem Sinne fortsetzen. Der Tod von Dr. Kirstin Casemir ist ein großer Verlust für die internationale Onomastik. Ihr wissenschaftliches Werk und ihr menschliches Vorbild werden weiterwirken.

Wir bewahren ihr ein dankbares und ehrendes Andenken.


English

In memoriam Dr. Kirstin Casemir

6 May 1968 – 4 May 2026

The onomastic community mourns the passing of Dr. Kirstin Casemir, who died on 4 May 2026 after a serious illness, at the age of only 57. Her untimely death is a profound loss to name studies, historical linguistics, lexicography, and to all those who knew her as a colleague, teacher, and friend.

Dr. Casemir had been closely associated with the Göttingen Academy of Sciences and Humanities since 1989. She first worked as a student assistant and later as a research associate in the project “Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm”, the revised edition of the German Dictionary of Jacob and Wilhelm Grimm. Her lexicographical work was accompanied by a lasting interest in place-name research, which had been awakened during her studies in historical-comparative and general linguistics as well as German studies at the University of Göttingen.

Her doctoral dissertation was devoted to the place names of her home region. In 2002 she received her doctorate from the University of Göttingen with a study on the place names of the district of Wolfenbüttel. The work was published in 2003 as “Die Ortsnamen des Landkreises Wolfenbüttel und der Stadt Salzgitter”, the third volume of the Niedersächsisches Ortsnamenbuch.

From 2007 until her death, Kirstin Casemir headed the research unit “Ortsnamen zwischen Rhein und Elbe – Onomastik im europäischen Raum”. In this role she played a decisive part in shaping the Academy project. As head of the research unit and co-editor of the series Westfälisches Ortsnamenbuch and Niedersächsisches Ortsnamenbuch, she contributed significantly to the project’s broad recognition beyond the region. Her scholarly work includes numerous publications in toponomastics, especially in the field of Low German place-name studies, as well as in lexicography, historical cartography, and historical linguistics.

Dr. Casemir was also active in several scholarly societies and commissions, including the Gesellschaft für Namenkunde, the Historische Kommission für Niedersachsen und Bremen, the Verein für niederdeutsche Sprachforschung, and the Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens. She also served for a time as co-editor of the journal Beiträge zur Namenforschung. In 2019, she was awarded the Henning Kaufmann Prize in recognition of her outstanding contributions to name research.

Teaching was another important part of her academic life. Since 2002 she had taught at the University of Göttingen, and since 2007 also at the University of Münster. Through her teaching, many students discovered the field of onomastics; some of them were encouraged by her to pursue scholarly work in name studies themselves.

Those who knew Kirstin Casemir will remember not only her profound expertise, but also her warmth, openness, and sincere interest in people. Her kindness and extraordinary commitment will remain deeply cherished.

The research unit “Ortsnamen zwischen Rhein und Elbe” will continue its work in her spirit. Dr. Kirstin Casemir’s passing is a great loss to international onomastics. Her scholarly legacy and her personal example will endure.

We remember her with gratitude and deep respect.

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